IRM – The Cult Of The Young Men (CD, Annihilvs, 2007)

IRM

“Portrayal of the trauma and degeneration, the sorrows we suffered and never were free.”
Ian Curtis

Wer seine CD mit einem Ian Curtis-Zitat verziert, der hat einerseits bei mir gepunktet, zum anderen die Messlatte recht hoch gelegt. Zwar bei IRM, die ich schon zweimal live erleben durfte kaum zu erwarten, dass sie diese reißen. Haben sie auch nicht, im Gegenteil: Das Werk ist so phantastisch, dass es mir quasi nicht möglich ist, meine Begeisterung adäquat auszudrücken. Deshalb habe ich mich entschieden, Euch auf meinen speziellen musikalischen Trip mitzunehmen. Anschnallen und los geht’s…

The Cult Of The Young Men
Ich stehe an einer Straße und höre eine Sirene. Sie verwandelt sich in einen Lichtstrahl aus Klang. Ein pulsierender Herzrhythmus, ein wütender junger Mann schreit. Ich bin der junge Mann. Ich werde angebrüllt. Ich schreie. Ich recke meine Faust in die Luft und schlage die Trommel im Herzrhythmus…
Ich verstehe nur einen Teil dessen, was Martin Bladh hier sagt, jedoch die wenigen Bruchstücke, die ankommen, reißen mich mit. “Make Way For The Extinction!”, “The son killed the father” und einiges mehr. Es ist pure Propaganda – ich kann kein Textheft finden, um mich in das Thema zu vertiefen, die Ansichten und Weltbilder der Künstler verstehen und ihre Aussagen werten. Das will ich auch überhaupt nicht, denn die Musik reißt mich mit. Angry young men sound! Power Electronics at ist best!

Here Are The Young Man
Kriegsgeräusche. Ein Sturzkampfflieger? Raketen? Akustische Kriegsführung? Der Sergeant verliest die Befehle des Oberkommandos. Es zischelt. Ist das der Wind oder austretendes Gas? Was hat der eigentlich gerade erzählt? Egal. Jetzt ist wieder Stille. Nein, die Raketen höre ich immer noch. Wann werden sie einschlagen und vor allem wo?

Limelight
Das ist zu dunkel, hat viel mit Mord und Totschlag zu tun, das wollt ihr gar nicht wissen…
Für die Musik bei IRM verantwortlich ist Erik Jarl. “Limelight” zeigt, was für ein Zauberer des Sounds er ist. Dunkle Drones und eine leicht verzerrte, selbst kunstvoll gefertigte Horrorfilmkulisse vereinen sich zu einem Monster, das dem Hörer direkt in den Kopf gepflanzt wird. Macht dieses Stück auf der heimischen Anlage richtig laut an und ihr wisst, was ich meine!

Stage Of Crucifixation
Ruhig und stetig laufende Maschinen. Dazu schreit der Aufseher. Nur nicht einschlafen. Der Rhythmus trägt mich, das Pochen und Dröhnen, das Geschrei des Gefangenenlagers. Was erzählt der eigentlich? Ich blicke auf: Es ist nicht der Aufseher, es ist Jesus, der an seinem Kreuz hängt und zu uns herab schreit. Schreit er vor Schmerzen oder gibt er seinem Hass Ausdruck? Mein Gott, jetzt treiben sie die Nägel tiefer hinein. Warum hast Du mich verlassen?

Aktion Anathem
Einer Fabrik, ein menschenleerer Ort. Nur Maschinen arbeiten.

Euphoria
Ich schreie Dich an. Ich halt es vor Schmerzen nicht mehr aus. Ich habe meinen Schmerz transformiert in Hass. Ich bin euphorisch. Vielleicht kann ich ja doch etwas ändern, wenn ich den Einsatz erhöhe? Die Maschine verbrennt mich. Nein – sie hat mich repariert. Ich bin ein metallener Krieger, der dem Tod seine Verachtung entgegen schreit!

Rent Box
Intensivstation. Die Maschinen summen. Metall schleift über den Boden. Das Dröhnen der Neonröhren zermartert das Gehirn.

Sebastian
Das (offiziell) letzte Stück dieser CD. Wieder ein stampfender Rhythmus, wie von der den Takt vorgebenden Trommel eines von Sklaven getriebenen Ruderbootes. Martin schreit. Seine Stimme klingt nicht mehr so kämpferisch, viel mehr verzweifelt. Immer wieder geraten die Sklaven aus dem Rhythmus, werden langsamer. Und Martin schreit seine Wut hinaus und entfernt sich dabei vom Hörer. Vielleicht ist das Boot doch ein Zerstörer und das Stampfen stammt von der Maschine in seinem Bauch? Am Ende des Stücks weint er um seinen toten Freund.

Hidden Track
Was ist das? Der Hass ist verschwunden. Sakrale Gesänge. Ich bin allein und hänge meinen Gedanken nach. Eine große metallene Orgel spielt, die Lautsprecherstimmen kreischen in weiter Entfernung. Ich bin wieder in der Produktionshalle, ich warte auf das Ende der Schicht.

Wem die Visionen von IRM zu dunkel sind, der sollte sich jetzt eine Portion Happy Hippos kaufen und diesen club|verlassen.

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