Niedowierzanie – Paradies (CD, Zoharum)

Niedowierzanie

Léo Maury scheint eine Affinität zu Polen zu haben: Sein Projekt mit dem komplizierten Namen – Niedowierzanie kommt aus dem polnischen und bedeutet „Ungläubigkeit“ – veröffentlicht auf dem etablierten polnischen Zoharum-Label, dabei ist Maury Franzose. Ein schönes Zeichen dafür, dass die Szene international aufgestellt ist und ein Wunder, dass sich kein anderes Label die Veröffentlichung von Niedowierzanie’s erster CD nach drei LPs, geschnappt hat. Denn die Musik, die Maury seit einigen Jahren schafft, ist wirklich einzigartig. Er verbindet Klänge klassischer Instrumente, die der Multiinstrumentalist alle selbst einspielt, mit allerlei elektronischen Sounds und schafft so einen verträumten Klangkosmos, der dabei weit näher an der Kammermusik als am Clubgeschehen dran ist. Die fragilen aber kraftvollen Werke von Niedowierzanie nehmen den Hörer gefangen, lassen ihn schwerelos werden, reißen ihn aus der Hektik der Zeit.
Auf „Paradies“ tritt das Cello, lange Zeit Maury’s wichtigstes Instrument, ein wenig in den Hintergrund und macht Platz für das Akkordeon, dem diesmal eine tragende Rolle zukommt. Erweitert wird der Sound durch Samples, Schellen, Windgeräusche und vieles mehr, Halleffekte spielen eine wichtige Rolle, so dass die Musik immer wie in einem großen Raum gespielt erscheint. Vielleicht täusche ich mich aber und die Aufnahme fand tatsächlich nicht im engen Studio sondern in einem weiten Raum statt. Wie auch immer die exakte Entstehung sein mag, „Paradies“ ist ein harmonisches Fließen, ein Driften in melancholischen Sphären. Nur bei „Les Horizon Perdis“ gibt Maury zwischenzeitlich einmal kurz den harmonischen Grundtenor auf und lässt es gewaltig fiepen.
„Paradies“ ist ein fantastisches Album geworden, das sich Freunde freier, nicht zu starr in Formen gepresster Musik unbedingt anhören sollten.

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