The Neverland Stars – Hidden Bells (CD-R, Vernom Laternenlicht Produktion)

Neverland Stars

Eines dieser mysteriösen Projekte aus der Mädchen June-Weld. Wie gehabt, stehen auch diesmal fiktive Personen als Musiker parat: Die Neverland Stars sind John Wilbur und Sara Weizmann. Zu Ersterem findet man im Netz (englische Wikipedia) Folgendes: „John Wilbur (July 17, 1774 – May 1, 1856) was a prominent American Quaker minister and religious thinker who was at the forefront of a controversy that led to „the second split“ in the Religious Society of Friends in the United States.“. Sara Weizmann ist im Netz der Netze eine Unbekannte. Über die Absicht der Namensgebung bleibt also nur zu rätseln. Doch geht es nicht genau darum beim Industrial, ums Hineinversetzen in und Durchdenken von anderen Realitäten…?
Hören wir einfach auf die Musik. Die lässt sich entweder mit dem üblichen Satz „Filmmusik fürs Gehirn“ beschreiben oder aber in ihre psychoakustischen Elemente zerlegen. Tut man dies, entspannt sich dabei allerdings ein Bogen des gepflegten Horrors, den sicher nicht jedermann genießen kann.
The Neverland Stars sind keine Rock’n’Roller sondern Voodoopriester des Sounds. Sie benutzen ein Technik, die einstmals Blood Axis mit ihrer Platte „The Gospel Of Humanity“ zu einer beängstigenden Perfektion trieben: Man verstehe das Klangwerk im Schaffensprozess als Film und arbeite mit den Techniken des Films. Montage, Effekte aller Coleur, Versatzstücke bekannter Melodien, Samples, Dark Ambient-Stimmungen, nicht zu schnelle Rhythmen…
Es ist ein Phänomen der Psychoakustik, dass die gleichen Töne bei Menschen unterschiedliche Emotionen auslösen können. Folglich kann ich kein Urteil darüber abgeben, was andere Menschen beim Hören dieser Musik empfinden. Mir gefällt der Film, der im Kopf entsteht. Die Neverland Stars bedienen sich zahlreicher klassischer Horrorklischees, um diese zu „dekonstruieren“ und etwas ganz Eigenes zu erschaffen, das sowohl inhaltlich aus auch musikalisch interessant ist, um nicht zu sagen großartig. Ich will hiermit nicht sagen, dass Mädchen June/The Neverland Stars irgendetwas Revolutionäres tun – wer bin ich auch, dies zu behaupten? Ich empfinde das Werk einfach nur als gut, auch wenn sich niemand dieser Meinung anschließen muss. Es verwirrt, ermüdet, überrascht, begeistert, macht ratlos… Wäre heutzutage nur ein Bruchteil der Musiker der „Industrialszene“ so kreativ und eigensinnig wie der Mann hinter den Neverlandstars, dann wäre es nicht so fürchterlich um diese Szene bestellt. Industrial war mal Avantgarde! Kaum zu glauben…

Titel:
1. Children In The Hell
2. Another People
3. Antonie von Zhan
4. Emera
5. Paralysé
6. Stars Over The Sky
7. Traumräuber
8. Mistines
9. Trotter
10. Silence Filds
11. Hidden Bells

zurück

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.