Morphonic Lab XIV : Akusmodrom, 24. Oktober 2015

Morphonic Lab 2015Samstag 24. Oktober 2015,
19–24 Uhr
Barockpalais Großer Garten Dresden

Eintritt 15/10 €
VVK: reservix.de

www.morphoniclab.de

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Konzept

Die sogenannten Fieldrecordings – authentische naturalistische Ton-Aufnahmen aus der Vielfalt unserer geräuschvollen Umgebung – bilden die Ausgangsbasis für eine laborative Versuchsanordnung unter den besonderen räumlichen und akustischen Bedingungen des Festsaals im Barockpalais Großer Garten Dresden.

Die schier unermessliche Spannweite landschaftlich geprägter , tierischer, technischer und menschlicher Geräuschquellen sowie besonderer natürlicher Klang-Phänomene ergeben ein Soundreservoir, aus dem das ML XIV über bereits angelegte eigene Soundbanken und denen kooperierender Künstler verfügen kann.

Gezielte Fieldrecordings bilden seit einigen Jahrzehnten unverzichtbares Ausgangsmaterial für die zeitgenössische Klangkunst, für Filmsoundtracks, für die Untermalung von Installationen und Theaterstücken, für verschiedenste mediale Anwendungen aller Genre, wobei die naturalistischen Geräusche meistens elektronisch bearbeitet und verfremdet werden.

Sehr selten sind dagegen Aufführungen natürlich belassener Feldaufnahmen, da diese allein den künstlerischen Gestaltungsansprüchen meistens nicht genügen.

In seinen laborativen Möglichkeiten wagt das ML XIV nun erstmals den Versuch, naturbelassene Geräusche aus verschiedensten Bereichen in audiovisuellen Kombinationen und schichtungsweiser Dramaturgie mittels spezieller Technik so einzusetzen, dass die ausführenden Klang- und Videokünstler innerhalb ihrer gruppendynamischen Ensemblearbeit genug kreativen Spielraum erhalten, im Rahmen des vierstündigen Programms eine sich allmählich steigernde Spannung aufzubauen. Die Künstler setzen also nach einer streng gefassten Dramaturgie die vielgestaltigsten unbearbeiteten Geräuschquellen und Filmaufnahmen so ein, dass im Verlauf der Aufführung ein neues Werk entsteht.
Innerhalb der in den 4 Saalecken platzierten 4-Kanal-Beschallungsanlage (Echt-Quadro) agieren 4 autonome Künstler als monophone Klanginseln von jeweils einem zum nächsten Kanal übergreifend, was partiell ein bewegtes und zeitweilig rotierendes Klangspektrum erschafft – ein Echtzeit-Surround, innerhalb dessen sich die Besucher selbst aktiv die mit jedem Schritt sich ändernden Hörperspektiven erwandern können und sollen.

Dabei werden im Verlauf des Abends ausgewählte charakteristische thematische Klang- und Videofelder in zeitlich präzise gestaffelten Einheiten vorgestellt. Die Feldforschung reicht u.a. von den inneren Organ-Geräuschen des Menschen in den Sound der Stille (mit verstärkten Eigengeräuschen der Besucher), den Klang ausgewählter Landschaften, über animalische und phänomenale natürliche Quellen bis zu den komplexen äußeren Geräuschfeldern des Menschen, wie seiner speziellen Bewegungsformen, seiner Körperhygiene, seinem Arbeits- und Wohnbereich, seinen friedlichen und kriegerischen Verrichtungen…

Alle Abteilungen werden thematisch adäquat begleitet durch großformatige Videoprojektionen auf zwei Projektionswänden des Saals.

Im Verlauf der letzten Stunde des Programms erfährt die naturalistische Ebene authentischer Fieldrecordings ihre laborative Auflösung, indem fiktive (künstlich erstellte) erdferne interplanetare Sounds aus dem Universum begleitet von freien Videostrukturen und Lichtkaskaden die Besucher auffordern, ihre bis dahin kontemplative Teilnahme am ML XIV zu wandeln und nun im anregenden Rhythmus der außerirdischen Pulsare frei zu tanzen… wobei einige Überraschungen das Programm bereichern werden.

Für die Erarbeitung des komplexen Programms – für die aufwendigste Produktion seit Bestehen des ML – wird ein Künstlerkollektiv gebildet, bestehend aus Fieldrecording-Sammlern/Experten, Klang-Akteuren, Video-Künstlern und speziellen Technikern, welche im Verlauf eines Jahres das ambitionierte Werk entsprechend vorproduzieren und erproben werden. Auch die Künstler der an den Festsaal des Palais angrenzenden Installationen und Illuminationen werden in diesen Prozess langfristig einbezogen.

Ganz im Sinne des konkreten kollektiven Projektprofils, wie einvernehmlich mit den beteiligten Künstlern, werden die Namen der Beteiligten diesmal auch in der Werbung fürs ML XIV nicht aufgeführt, sondern in einem speziellen Projektgruppentitel..

Seinem experimentellen Grundcharakter entsprechend betritt das ML.mit diesem einzigartigen Projekt abermals ein gewagtes veranstalterisches Neuland. Auf der Basis vierzehnjähriger Beständigkeit und Erfahrung mit einem bis in grenzwertige Belastungen hin erprobten Team und inzwischen etwa zwanzig bewährten ehrenamtlichen Stammhelfern sowie in der gewachsenen internationalen Vernetzung des ML… sind wir uns sicher, wieder die experimenteller Kunst aufgeschlossenen Besucher begeistern zu können.

Daher bitte ich im Namen aller Beteiligten, das ML XIV zu unterstützen.

 

Detlef Schweiger
Künstlerischer und organisatorischer Leiter

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