Vivian Gabin – An Afternoon with Maja Kitler (CDR, Vernom Laternenlichtproduktion)

Vivian Gabin

Vivian Gabin ist ein weiterer Musiker aus dem Mädchen June-Kosmos. Wie seine “Kollegen” versorgt er uns mit abseitigen elektronischen Klängen, die so gar nicht die üblichen Hörgewohnheiten bedienen wollen. Die CDR enthält zehn Stücke aus einer anderen Welt die eine surreale, düstere, manchmal Furcht einflößender Atmosphäre entfalten und sich so recht in kein Genre pressen lassen. Für Ambient passiert einfach zu viel, für die meisten Spielarten des Industrial fehlt die menschliche Komponente in Form von Vocals oder Samples, für rein intellektuell-elektronische Musik sind die Stücke trotz ihrer schweren Zugänglichkeit zu emotional, sie dringen nicht nur ins Gehirn ein, sondern hinterlassen oftmals auch ein beklemmendes Gefühl. Typisch für die meisten Elaborate aus dem Hause Mädchen June ist die Entrücktheit der Klänge, ihre regelrecht Abwesenheit von menschlicher Wärme. Hier scheinen eher Geister am Werk zu sein, die in der Zwischenwelt zuhause sind, irgendwo zwischen Tod und Leben. Was sich in den Filmen durch menschenleere Stadtlandschaften ausdrückt, manifestiert sich dies im Sound durch den Klang wie in leeren Räumen.
Experimentelle Musik eignet sich ja immer ganz gut als Soundtrack, nur ist es schwer, sich hier einen anderen Film als ein Mädchen June Werk dazu vorzustellen, insofern dies möglich ist. So schräg, ungewöhnlich, unvorhersehbar wie die Filme ist auch die Musik. Rascheln, Kratzen, Zwitschern und Fiepen wechselt sich mit leicht verzerrtem Schwirren, Glockenklänge mit metallischem Sirren und Synthesizer- mit Hamonia-Klängen ab. Eine Struktur ist nur selten erkennbar, Rhythmus fehlt fast vollständig. Trotzdem wirkt das Ganze in sich soweit stimmig, dass es nicht nervt, wenn auch die Grenzen der Belastbarkeit gelegentlich ausgelotet werden. Die einzige Ausnahme bildet der vorletzte Titel „Forever, Forever, Forever“, mit dem Vivian Gabin aka Mädchen June beweist, dass er auch einen ganz ordentlichen Beat vorlegen kann, der jedoch knapp an der Tanzbarkeit vorbeischrammt.Alles in allem ein skurriles aber interessantes Werk, das wie immer bei den Laternenlichtlern in einer ansprechenden Edition erscheint, in der DVD-Box, der seltsame Bilder aus vergangenen Tagen beigegeben sind, diesmal sogar mit Menschen drauf. Dabei verstärken die Fotografien das Gefühl, aus der Zeit gefallen zu sein. Vivian Gabin und Maja Kittler haben ihr Ziel erreicht – die Hörerin, der Hörer – sie bleiben verwirrt zurück und fragen sich: Was in drei Teufels Namen ist das eigentlich???


Demoversion, auf der CD unter dem Titel „Reginald Is Crying In The Basement“ erschienen
 

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