Aiden Baker / Idklang – In the Red Room (LP, Karlrecords)

Aiden Baker / Idklang

AIDEN BAKER ist in der experimentellen Musikszene kein Unbekannter. Neben den Projekten unter seinem bürgerlichen Namen hat er u.a. auch die recht erfolgreichen NADJA am Start. Typisch für seine Werke ist die Verwendung und Verfremdung echter Instrumente, Baker selbst spielt Flöte, Gitarre, Schlagzeug und viele andere Instrumente.
Sein Mitstreiter auf dieser Veröffentlichung, Markus Steinkellner ist ebenfalls Gitarrist, zudem Sänger und Produzent. Bisher hat er unter dem (verkürzten) ursprünglichen Namen ID ein Album veröffentlicht und als IDKLANG einen Split mit Cordyceps (2012), nun also ein Gemeinschaftswerk mit Aiden Baker. Die schicke LP ist mit zwei seitenlangen Stücken, jeweils etwa 20 Minuten lang, bestückt. Ob die Beteiligten jeder für sich eines eingespielt haben oder ob sie zusammen musizieren, ist leider nicht zu erkennen, vermutlich aber letzteres.

Das titelgebende „In The Red Room“ beginnt mit spartanischen, blueslastigen Gitarrentönen, die mit ihren Rückwärtsabspielungen kontrastiert werden, sehr ruhig und meditativ. Später kommen zu den tropfenden Bluesnoten weite elektronische Flächensounds und Flanger-Klänge hinzu, sodass die Grundstimmung geheimnisvoller wirkt. Verzerrte und verhallte Gitarren erweitern den Klangraum zusätzlich. Gegen Ende werden die Schichten wieder weniger, so dass nur noch ein wirrer, spartanisch gesetzter verzerrter Gitarrenklang bleibt und ein Glockenartiger hoher Ton, dessen Quelle nur schwer auszumachen ist.
„Where We’re From, The Birds Sing A Pretty Song“ erinnert anfangs Dank des „tropfenden“ Basses ein wenig an frickeligen Jazz, der mit Windgeräuschen unterlegt wird. Dieses Tropfen wandelt sich hin zum „Beat“, bleibt aber im ersten Viertel des Stückes erhalten, bevor es von einer Gitarrenschwebung abgelöst wird, die dann ihrerseits in eine spröde Gitarrenmelodie übergeht, wobei rückwärts abgespielte Klänge den Sound komplettieren. Nach einem Stakkato-Teilstück kehren die Musiker wieder in melodischere Gefilde zurück ohne im popmusikalischen Sinne Melodien zu spielen. Vielleicht trifft es die Bezeichnung „Miniaturen“ auch besser; handwerklich perfekt umgesetzte Klangstudien, die sich zu einer fließenden Improvisation vereinen.

Insgesamt ein recht ruhiges Werk, das aber Dank vieler „Kratzer“, sprich „Störgeräusche“, niemals glatt wirkt. „In The Red Room“ hält geschickt die Balance zwischen Kopflastigkeit und Bauchgefühl, also eine Musik, in die man sich fallen lassen kann, ohne sie analytisch durchdringen zu müssen.

Erwähnenswert ist noch die feine Gestaltung der Schallplatte und dass die Klänge per Download Code auch in elektronischer Form dem Hörer zugänglich gemacht werden.

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