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Auf
dem rechten Weg
Dieser Artikel
stammt aus dem Jahre 1998 und wurde damals im Fanzine Gossips veröffentlicht.
Aufgrund aktueller Diskussionen wird der Text an dieser Stelle einem breiteren
Publikum zugänglich gemacht. Der Autor vertritt im Wesentlichen noch
die gleichen Ansichten wie zum Zeitpunkt des ersten Erscheinens des Artikels.
Änderungen und Hinweise wurden und werden mittels Links ergänzt.
Einige der damals in den Fußnoten veröffentlichten Internetlinks
sind leider nicht mehr auffindbar und wurden deshalb weggelassen. Soweit
es möglich ist, werden wir versuchen die Quellen wieder ausfindig
zu machen.
"Bei Phänomenen
wie Death In June, Blood Axis und Sol Invictus handelt es sich nicht um
Propaganda unverhohlen eindeutiger Neofaschisten... sondern um Schwarzromantiker
und Melancholiker, die... eurozentrische, zum Teil sozialdarwinistische
Mythen vom todessehnsüchtigen Herrn spinnen. Phantasien, die der
angeschlagenen Psyche des Fans effektiv entgegenkommen: Im Konflikt mit
den Eltern und der als ödes Mittelmaß empfundenen sozialen
Umgebung kitzelt dieses... Retro... am spießbürgerlichen Traum
von der berufenen Rasse und Nation....
Die kräftig mit wohlig klingenden Namen angereicherten Kunstwerke
des ,Apocalyptic Folk´ (zitiert werden häufig und gerne bedeutungsschwangere
Sätze von Nietzsche, Goethe, Lautreamont, Wagner, Heidegger, Ernst
Jünger und Georges Bataille) ergeben den Ruch des Elitären,
ohne daß notwendig ist, sich über solche Zitate hinaus literarisches
philosophisches und historisches Wissen anzueignen. Gerade das bruchstückhafte
Wissen macht es der Szene möglich, unter anderem rechte Diskurse
zu verwenden, ohne sich über deren Herkunft bewußt zu sein.
Das vermeintlich Postmoderne... ist ein fatales Durcheinander, das sämtliche
Bilder, Worte und Zeichen sampelt, solange sie nur den Charakter des Erhabenen,
Mystischen und Entrückten besitzen: Runen, Masken, Kathedralen, Goethe-Zitate,
Armeesymbole, Abbildungen aus medizinischen Fachbüchern und Paraphysik...
vermengen sich zu der Selbsteinschätzung, Teilhaber einer großen,
alten und ,schweren´ Kultur zu sein - Teil der weißen, europäischen
Kultur, die... als eine vom Aussterben bedrohte Kultur erscheint...."
usw. usf.. [Testcard 04/97, S. 78ff.]
Ich habe dieses Zitat, welches aus einer Art "überdimensionierten"
Fanzine stammt, hier an den Anfang gestellt, da es zwei wesentliche Gedankengänge
enthält. Zum einen, daß eine Trennung zwischen propagierten
Ideen und der zugrundeliegenden Motivation und zum anderen zwischen einem
aktiven Part - dem Künstler - und einem inaktiven Part - dem Konsumenten
- also i.A. Leuten wie Dir und mir (wertungsfrei!) - vorgenommen wird.
Man kann eben wie so oft im Leben nicht Alle und Alles über einen
Kamm scheren... Daher haben ich mich entschieden, den Artikel in vier
Teilabschnitte zu gliedern:
1. Die Künstler
2. Die Konsumenten
3. Die Verkäufer
4. Die Reaktionen
1. "Am Anfang war das
Wort..." (JOHANNES, 1.1)
Was für Ideen werden also von denen vertreten, die als die braunen
Schafe in der schwarzen Szene bezeichnet werden? Am besten versucht man
dies an Zitaten/ Liedtexten nachzuvollziehen:
==> Michel Jenkins Moynihan, besser bekannt unter dem Namen Blood Axis:
"...und wir werden das Überbevölkerungsproblem nicht lösen
können, solange alles, was einem `Menschen´ ähnelt, als
heilig betrachtet wird, und so ein scheinbares `Recht´ auf Existenz
hat..." (Sigill Nr.14).
"I have read revionist books which make a good case against the Holocaust
`canon´ ... But my main problem with the revionists is, that they
start with the assumption that killing millions of innocent people is
inherently `bad´. I´m inclined more and more to just the opposite
conclusion. It´s not as if I´d be upset to find out the Nazis
did commit every atrocity that´s been ascribed to them - I´d
prefere if it were true."*1
[Angesichts dieses geistigen Erbrechens frage ich mich, wer Mr. Moynihan
eigentlich ist. Gott? Oder nur ein 26jähriger amerikanischer Wichser
(Verzeihung für die Wortwahl), der traumatische Erlebnisse aus frühester
Kindheit in Haß auf die Menschheit umgewandelt hat? Ich tippe mal
auf letzteres.] A1
==> Douglas P. (Death In June)
Wegen ihm/ kann diese Welt wieder hoffen/ Wegen ihm/ hat diese Welt einen
Freund/ der die Menschlichkeit in allen Leben/ auslöschen wird und
einer Rasse hilft/ einem Glaubensbekenntnis/ seine Bedürfnisse zu
erfüllen/ so, daß alle sehen können/ daß es wunderbar
ist/ sich für etwas einzusetzen/ zu lieben, auszuwählen, zu
teilen/ zu lieben, auszuwählen, zu teilen/ Oh beginnen wir doch heute/
zu leben und dafür zu sterben...
(aus "Because Of Him" von der Platte "But What Ends When
The Symbol Shatters")
==> Boyd Rice (NON)
"Do you want/ Total War/ Turn man into/ A beast once more/ Do you
want/ To rise and kill/ To show the world/ An iron will ... Do you want/
Might to prevail/ To kick aside/ The weak and frail/ To smite your foes/
That they may die/ To splatter blood/ Across the sky... (aus "Total
War" von "In The Shadow Of The Sword"*2)
Was soll man nun von diesen "großen Worten" halten? Zitate
sind natürlich immer auslegbar. Zudem geben die Künstler selten
genug Erklärungen dazu, so daß es oft nicht einfach ist, dem
Zitat einen Kontext zu geben. Einer von denen, der sich über seine
Weltanschauung wenig bedeckt hält, ist letztzitierter Boyd Rice.
Der Industrialpionier bezeichnet sich selbst als Sozialdarwinist, eine
Idee, die hier einmal beispielhaft beleuchtet werden soll:
Der Sozialdarwinismus geht direkt auf Charles Darwin und seinen "Kampf
ums Überleben" zurück. Darwin hatte (im dritten Kapitel
seines Buches "Der Ursprung der Arten") ausgeführt, daß
nur jene Arten überlebt hätten, die sich mit wilder Entschlossenheit
gegen jede Konkurrenz verteidigten. 1871 entwickelte er diese Theorie
im Buch "Der Aufstieg des Menschen" weiter und formulierte die
These, daß die zivilisatorischen Fortschritte des 19. Jh., speziell
auf dem Gebiet der Medizin den natürlichen Ausleseprozeß störten,
es sei denn, man stelle durch gezielte Züchtung der Starken und Tüchtigen
den natürlichen Zustand wieder her. Anhänger dieser Theorie,
zu denen z.B. auch Ernst Haeckel gehörte, reicherten diese noch mit
Vorstellungen über die Überlegenheit bestimmter Rassen über
andere an (Natürlich spielt dabei die weiße, europäische
Rasse die zentrale Rolle.). Francis Galton, der Begründer der Eugenik
bediente sich in diesem "reichen Fundus" ebenso, wie später
die Nazis bei der Schaffung ihrer Nürnberger Rassengesetze.*3
Nicht grad sehr freundlich, stimmt´s? Wie Künstler zu ihren
Gedankengängen kommen, sei einmal dahingestellt. Viele kluge Menschen
haben sich dazu schon Gedanken gemacht, Bezüge zu Ernst Jünger
(z.B. "In Stahlgewittern"- Blood Axis/ Allerseelen), Nietzsche
(z.B. "Between the birds of prey" Blood Axis), Julius Evola
("Kshatriya", Ain Soph) usw. usf. hergestellt. Wollte man das
ausführlich behandeln, müßte man ein Buch schreiben*4.
Auch lassen sich keine allgemeingültigen Aussagen für in der
schwarzen Szene Aktive ableiten. Ein paar Eckpfeiler verbreiteter Weltanschauungen
seien trotzdem genannt:
Begeisterung für bestimmte faschistische Strömungen (SA, Röhm),
alle Formen des Heidentums, Satanismus, elitäres Gedankengut jeglicher
Art (Kriegerkasten, Auserwählte, Übermenschen), Ablehnung der
heutigen Gesellschaftsordnung (Antimodernismus), Sozialdarwinismus, Verschwörungstheorien...
alles möglichst in hybridisierter Form. Schlimmer als im Supermarkt.
Was man davon halten soll, ist jedem selbst überlassen, allerdings
sollte man sich auch über die Konsequenzen diverser Ideen im Klaren
sein. Was geschieht z.B. mit Menschen, die nicht zur Elite, der ausgewählten
Rasse oder wozu auch immer gehören? Arbeitslager? KZ?? Erdloch???
Neben den Texten lassen diverse Sprachsamples einen braunen Hintergrund
mancher Musiker vermuten. Da wird alles geboten, was das Archiv hergibt,
wie faschistische Wochenschauen (Voxus Imp. "Donnerstag"), Reden
von Goebbels (Death In June "Runes and Man") oder Hitler (Blood
Axis "Walked In Line", auch London After Midnight "Revenge")
- um nur einige Beispiele zu nennen. Sicher muß man auch diese Samples
immer im Zusammenhang mit Text und Inhalt betrachten, so spricht sich
der Song von LAM gegen Rachegefühle für das Erlittene aus, jedoch
frage ich mich manchmal schon nach der Sinnfälligkeit bestimmter
Zitate. Wenn z.B. Voxus Imp. im Stück "Donnerstag" (Riefenstahl-
Sampler) erwähnten Wochenschaubericht über die Infanterie- Ausbildung
von Fahnenjunkern in Verbindung mit Gedanken zum Donnerstag, dem vierten
Tag der Woche, dem Thor geweihten Tag bringen, versagt mein Verständnis.
Bei der Infanterie donnert´s? Die Infanteristen sind die Schützlinge
Thors? Nur wer schießen kann, ist ein richtiger Mann? Oder geht´s
nur um shocking? Warum z.B. geben sich Bands Namen wie "Strength
Through Joy" oder "Radio Werewolf"?
Nicht zu übersehen ist die Begeisterung einer Anzahl von Musikgruppen
für totalitäre Kunst, die nicht selten Berührungspunkt
mit rechten Vorstellungen ist (z.B. "Riefenstahl"-Sampler).
Ein Zeitzeuge und Opfer des Dritten Reiches hat, denke ich, eine ganz
gute Einschätzung zur totalitären Kunst abgegeben: "...Das
Quantitative, das Kollosalische, das Gewogene, Gemessene und Gerichtete
überwiegt... und selbst wenn Differenzierungen noch möglich
sind... ihr Preis ist mit den Opfern, die den anderen Kräften der
Kultur abverlangt werden, ...überbezahlt... Und immer wieder ist
die Frage zu stellen, ob Bruchstücke selbst echter Kultur, die sich
schließlich immer irgendwo erhält oder durchsetzt und weiterentwickelt,
solange nicht alles zugrunde gerichtet ist, mit solchen Opfern an Gut
und Menschen erkauft werden dürfen, wie sie ein terroristisches System
erfordert..." *5. Mit anderen Worten: Bei aller
Begeisterung für kulturelle Leistungen, die in ("rechten"
oder "linken") totalitären Systemen erbracht werden, darf
man den Kontext ihrer Entstehung nicht vergessen. Wer heutzutage auf Ästhetik
und Inhalte dieser Zeit zurückgreift, muß akzeptieren, daß
er in diesen Kontext eingeordnet und von ihm Stellungnahme dazu eingefordert
wird. Wer das nicht macht, findet sich schnell im gesellschaftlichen Abseits.
Wem das gefällt...
Um hier also eine Zusammenfassung
des ersten Teiles zu geben:
Wer seine Augen nicht verschließt, muß sehen, daß es
rechte Tendenzen unter den Künstlern der schwarzen Szene gibt; manche
sehr deutlich, manche eher unterschwellig. Das "rechte" dabei
eine Definitionsfrage ist und wesentlich vom persönlichen politischen
Standpunkt abhängt, ist klar. Man sollte sich davor hüten, zum
großen Kesseltreiben aufzurufen und alles zu verdammen, was suspekt
scheint. Jedoch ist eine Häufung von Ideen, die die Ideologie des
Dritten Reiches getragen haben bzw. dankbar von den Faschisten in diese
integriert wurden, nicht zu übersehen. Viele Aussagen sind auslegbar
und der Fan wird "seine Lieblinge" gern freisprechen, aber man
sollte sich genau anschauen, was die Herrschaften da für eine Weltbild
vertreten. Wenn Douglas P. den SS-Totenkopf verwendet, Boyd Rice die Wolfsangel,
Blood Axis das Krukenkreuz; Michael Moynihan für ein Foto zum "Im
Blutfeuer"-Sampler am Grabe Wiliguts (SS-Ahnenerbe) posiert; Kadmon
von Allerseelen das Booklet seiner CD mit einem Ornament der Wewelsburg
schmückt, Von Thronstahl ihren Beitrag zum Riefenstahl-Sampler mit
einer wilden Melange von Monumentalbauten und Sonnenrädern - deutlich
geprägt von faschistischer Ästhetik - verzieren, dann verleiht
das auch separaten Meinungsäußerungen eine Richtung. Wenn Michael
Moynihan die Rundbriefe eines bekannten US- Nazis [James Mason] unter
dem Titel "Siege"
als Buch veröffentlicht, Kadmon Artikel für die "Staatsbriefe"*6
schreibt - eine Zeitung, deren Macher u.a. die Existenz von Auschwitz
leugnen, Douglas P. den Wahlkampf der russischen "Nationalbolschewistischen
Front" unterstützt, bekommt das Bild unübersehbare Brauntöne.
2. "...der Gerechte aber wird durch seinen Glauben leben..."
(Habakuk 2.4)
Kann man bei Künstlern meist noch einigermaßen nachvollziehen,
was sie denken, wird es bei den Konsumenten (damit sind z.B wir gemeint)
ziemlich schwer. Szenen oder von mir aus auch Jugendbewegungen werden
heute nicht mehr von einem eindeutigen politischen Konsens getragen; zu
verschieden sind die Weltanschauungen der einzelnen Mitglieder.
Fragt mich jemand, ob es "rechte Gruftis" gibt, kann ich eigentlich
nur mit "Ja, sicher" antworten. Ebenso wie es rechte "Raver",
"Metalfans", "Punks" usw. usf. gibt. So wie es in
der ganzen Gesellschaft "Rechte" und "Linke" gibt.
Die Musik ist vielfach nur noch schöne Oberfläche, ein Image,
daß man versucht zu leben, kein Inhalt.
Aber das Problem ist wesentlich komplexer. Eigentlich so komplex, daß
man eine Doktorarbeit in Soziologie darüber schreiben könnte.
Wir existieren alle nicht im luftleeren Raum oder in einer "Gruftie"-Parallelwelt,
sondern sind vielmehr das Produkt unserer Erziehung, Produkt der Gesellschaft,
in der wir leben. Ich denke daher, daß die Weltanschauung jedes
Einzelnen viel mehr durch diese Faktoren bestimmt wird, als durch die
Musik, die er hört. Vergessen werden sollte an dieser Stelle allerdings
nicht, daß die "Popmusik" in den letzten Jahrzehnten zu
einer wesentlichen Kommunikationsebene junger Menschen geworden ist und
vielfach die herkömmlichen Medien, wie z.B. Zeitungen und Bücher
abgelöst hat. Dort liegt meines Erachtens auch eine Gefahr. Dazu
aber später mehr.
Kommen wir zurück zum Ausgangspunkt. Popmusik, und um die geht es
ja letztendlich, wird also vorrangig von jungen Menschen (so von 13-30)
konsumiert. Das sind in der Regel auch die Menschen, die noch auf der
Suche nach ihrem Weg, nach dem Sinn ihres Leben sind. Musik kann denen,
die suchen viele Ideen vermitteln. Auch bewegt sich die Rezeption mehr
auf einer Gefühlsebene als z.B. der gelesene Text. Jedoch glaube
ich, daß Popmusik nicht viel mehr liefern kann, als einen Anreiz,
sich mit bestimmten Dingen zu beschäftigen, d.h. Stein des Anstoßes
sein. Es kann mit Sicherheit nicht schaden, sich mit Ernst Jünger,
Friedrich Nietzsche, Julius Evola usw. zu beschäftigen. Auch Hitler,
Goebbels, Speer und wie sie alle heißen, sind meines Erachtens eine
Auseinandersetzung wert. Was Popmusik allerdings nicht kann, ist, ein
komplexes Weltbild zu vermitteln. Wer also "wissen" will, der
kann sich nicht auf 3 ½ Minuten-Botschaften verlassen, sondern
muß lesen, nachfragen, nachdenken. Und sich ein gewisses gesundes
Mißtrauen dabei bewahren, d.h. Fakten nachprüfen, wo es möglich
ist und auch mal Publikationen von der Gegenseite lesen. Das ist umso
wichtiger, je extremer die Ansichten sind. (Wer kennt sie nicht mehr,
die Hetzkampagnen in Ost und West - "Schwarzer Kanal" gegen
"ZDF-Magazin".) Die Wahrheit liegt meist irgendwo in der Mitte.
Das meiner Auffassung nach Allerwichtigste ist, sich ein paar unveräußerliche
Grundsätze zuzulegen. Was ich damit meine? Nennt´s von mir
aus Moral, Ehrenkodex oder Zehn Gebote. "All men are created equal"
steht in der amerikanischen Verfassung und der Amtseid des amerikanischen
Präsidenten enthält die Formel "Ich glaube an die Unantastbarkeit
und an die Würde jedes Menschen..." Daran glaube ich. Wer das
Leben jedes einzelnen Menschen nicht als heilig betrachtet, ist für
mich kein Gesprächspartner. Ich kann viele Dinge nachvollziehen,
aber nicht alles tolerieren... So frage ich mich, was eigentlich in den
Leuten vorgeht, die rechte Ideen in die Szene tragen.
Auch hierfür gibt es keine Pauschalantwort. Was den meisten gemein
ist, ist die Befürwortung verschiedenster elitärer Einstellungen:
Stichwort "Avantgarde". Schaut man im (alten) Duden nach, findet
man unter diesem Begriff folgende Erklärung: Schrittmacher, Vorkämpfer.
Genau das kann ich aber bei diesen Leuten nicht feststellen, vielmehr
ein Anhängen an bereits überlebten Ideen, eine Mystifizierung
und Glorifizierung uralter Zeiten. Schwammige Ideologien, die nur darauf
beruhen, sich von einer wie auch immer definierten Masse abzugrenzen.
Identitätsbildung durch Negation. Elitär = Nicht-Masse. (Arisch
= nicht jüdisch???). "Ich bin anders, aber frag mich nicht,
wie ich bin." Über die Konsequenzen dieser Ideologien macht
sich niemand Gedanken (s. oben). Es reicht nicht aus, Death In June, Blood
Axis etc. cool zu finden, sondern man sollte schon mal darüber nachdenken,
was deren Weltanschauung beinhaltet. Allein mit Begeisterung für
"anstößige" Symbolik und dem Gestus des "Unangepaßten"
erhebt sich niemand auch nur zwei Fingerbreit über das BRAVO-Niveau.
An dieser Stelle will ich das Thema nicht weiter ausbauen, Jeder wird
schon selbst wissen, warum er an was glaubt. Trotzdem; lest Euch noch
einmal das Zitat vom Anfang durch und überprüft Euch selbst
daran. Wieviel Wissen steckt hinter der Verwendung von Symbolen und großen
Namen... ?
3. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld...
(VATERUNSER; Matthäus 6.11, 12)
Ein weiterer Aspekt, den man bei der ganzen Diskussion nicht vernachlässigen
sollte, ist, daß Popmusik ein Geschäft ist, bei dem es um Geld
geht. Um viel Geld, um genau zu sein (Eine Zahl hierzu: Auf dem Volksmusik-Sektor
werden jährlich Summen im 100 Mill. DM-Bereich umgesetzt. Herr, Erbarmen!)
Worum es also geht, ist, einen Teil vom großen Kuchen abzubekommen.
Das Schwierigste ist offensichtlich, überhaupt bekannt zu werden
- man schaue sich nur mal an, welche Flut von Neuveröffentlichungen
jeden Monat erscheint. Sich darauf zu verlassen, daß sich Qualität
durchsetzt, ist auf solch heiß umkämpften Markt einfach nur
blauäugig bzw. ist der Fakt, daß es Bands manchmal doch ohne
all den Rummel schaffen, eher die Ausnahme, die die Regel bestätigt.
Wenn eine Band heutzutage bekannt werden will, muß sie sich entweder
massiv unter die Arme greifen lassen (Man schaue sich an, wie im Major-Bereich
Bands "aufgebaut" werden.) oder man kommt irgendwie ins Gespräch.
Nach dem Grundsatz "Jede Werbung ist gute Werbung" versuchen
alle krampfhaft, die Aufmerksamkeit des Käufers auf sich zu lenken.
Nehmen wir z.B. die Sparten EBM oder Metal. Ohne die oft krassen Cover
würde sich doch niemand mit der Musik beschäftigen. Ohne das
"harte" Image würden doch alle sofort merken, welch weichen
Birnen die vollständig überbewerteten Machwerke entspringen.
Das gilt praktisch für jedes Genre. Industrial-Bands sind "maschinenhaft",
Gothicbands "finster" und Okkultbands "mystisch",
ob was dahinter steckt, man grad mal zwei Artikel über das betreffende
Thema gelesen hat oder man alles einfach nur "cool" findet:
jeder lebt sein (verkaufsförderndes) Image. Oder mit anderen Worten
ausgedrückt: Glaubt jemand im Ernst daran, daß Death In June
oder Blood Axis nur durch ihre Musik so bekannt geworden sind? Denkt irgendwer,
Rammstein wären ohne ihre andauernde Provokation auch nur annähernd
so erfolgreich? Ich nicht! Unabhängig davon, was die Bands für
Inhalte transportieren wollen, können sie sich nur verkaufen, wenn
sie dem Käufer irgendeinen Anreiz bieten. Und, da wie bereits erwähnt,
die Käufer oft sehr jung sind, ist "das Verbotene" immer
von besonderem Reiz. Wenn das allein nicht zieht, gibt man dem Produkt
den Anschein des Exklusiven und nur einem Kreis von Eingeweihten Zugänglichen.
Man denke hierbei nur an den Limitierungswahn verschiedener Bands/ Labels
und die oft horrenden Preise. Besonders verlogen ist dabei die Politik
von World Serpent, die die ach so streng limitierten LP´s immer
gleich auf CD veröffentlichen und so gleichzeitig "Masse"
und "Elite" bedienen. Wohl bekomm´s.
Über manche Dinge in diesem Zusammenhang kann man eigentlich nur
noch lachen. Ich denke da an die Werbung des Spirit Labels (mit Werbetexter
Mozart) die Umbra Et Imago als Kult-Gothic Rocker anpreist und mit dem
Satz "Buy Your Idol" die Kundschaft zu ködern sucht. "Für
diese einmalige Scheibe bedarf es keiner Worte mehr..." (Werbetext
zu "Mystica Sexualis"). Finde ich auch. Für diese Scheibe
braucht es wirklich keine Worte mehr.
Auch der Bestellkatalog von Nuclear Blast liest sich wie eine einzige
Witzesammlung. Glaubt man da dem Kleingedruckten, wimmelt die Welt nur
so von genialen Musikern und Tonträgern. Weitere Beispiele ließen
sich zuhauf finden. Ein Blick in diverse Szenezeitschriften fördert
die wunderlichsten Dinge zu Tage: "Music to kill your parents by..."
(Infrarot); "Der Kult-Sampler! (Zillo German Mystic Sound Sampler).
"20,- und die CD gehört Dir! (CD "Descending Gods"
von Home Of The Hitman, United Charlet Records) usw. usf..
Wie gesagt, entbehrt dies nicht eines gewissen Humors; gäbe es nicht
noch eine andere Seite von Verkäufern und zwar die, die ihre braunfauligen
Ideologien an den Mann bringen wollen. Zum erstenmal kam die Diskussion
auf diesen Verkäufertypus in Zusammenhang mit der Anzeige der "Jungen
Freiheit" im Zillo und der Beschäftigung eines gewissen Peter
Boßdorf bei demselben Magazin. "Easy" schrammelt jetzt
auf seiner Himmelsharfe, deshalb will ich das Thema nicht wieder aufwärmen.
Für Interessenten sei der entsprechende SPEX-Artikel (April oder
Mai 1996, s. auch *4) empfohlen.
Einen Erdrutsch der Entrüstungen löste die Veröffentlichung
des "Riefenstahl"-Samplers auf VAWS (Verlagsanstalt Walther
Symanek) aus. Zur Musik will ich mal nichts sagen, eher zu den Machern.
Die Junge Welt vom 9. Dez. 1996 (Kopie des Artikels lag dem Sampler bei)
schreibt, daß Symanek Verbindungen zu rechten Kreisen hat bzw. in
diese involviert ist. In seinem Verlag erscheinen u.a. die "Unabhängigen
Nachrichten" (UN). Um genaueres zu erfahren, kontaktierte ich VAWS
und gelangte auf diesem Wege zu zwei Exemplaren der UN. Anstatt ausschweifender
Kommentare seien nur ein paar Überschriften zitiert, um die Themen
zu umreißen, mit denen sich die UN u.a. beschäftigen: "Bombenschwindel
um Guernica. Bundespräsident Herzog als Großinquisitor angeblicher
`deutscher Verbrechen´"; "Der dogmatische Lehrsatz: `Hitler-
Deutschland überfiel friedliebende Sowjetunion´ ist endgültig
widerlegt."; "Vernichtungskrieg: Stalins Mörder in deutschen
Uniformen. Was die Anti-Wehrmachts-Schandausstellung nicht zeigt."
usw. usf.. Sehr aufschlußreich auch einige Zitate: "Krieg und
Kommunismus hat unser Volk mit ungebrochener Lebenskraft überstanden.
Die Mächtigen aber, die uns jetzt `die multikulturelle Gesellschaft´
aufzwingen, sind dabei, uns die Seele und die Kraft zu nehmen, so raffiniert,
daß die Masse der Menschen es nicht einmal merkt."; "Wir
danken den Befreiern von 1945... für alle Wohltaten, für die
Befreiung von Werten und Idealen, von allem, was vorher als Kultur, Sitte
und Anstand galt, kurz für die ganze `Umerziehung´, die soviel
bessere Menschen schuf..." usw. usf.. Ich erspare mir jedwede Aussagen
zu diesem geistigen Unrat. Wer´s mit eigenen Augen sehen will, der
kann unter unten angegebener Adresse (*4) eine Kopie
der "Schulbuchthemen" erhalten, die laut UN frei an alle Lehrer
und Oberschüler verteilt werden dürfen. Der Reproduktionen anderer
Artikel enthalte ich mich, um nicht eine Urheberrechtsklage an den Hals
zu kriegen. Man kann ja nie wissen...
Was man den beteiligten Künstlern vorwerfen muß, ist, daß
sie sich zumindest nicht ausreichend informiert haben. So groß kann
die Mühe nicht gewesen sein - ich hab´s ja auch geschafft.
Wenn ich unterstelle, daß keine der Band "rechts" eingestellt
ist, dann haben sie sich trotzdem einfach für eine beschissene Sache
einspannen lassen oder wenigstens billigend in Kauf genommen, daß
sie auf diesem Wege bekannt(er) werden. Worum es hier in der Quintessenz
geht, ist, Kultur (hier speziell Musik) als Träger für Ideen,
für Ideologien zu nutzen. Es ist wohl das Anliegen jedes Künstlers,
seine persönliche Befindlichkeit, seine Probleme und Fragen, die
ihn beschäftigen, zu thematisieren und seine Mitmenschen zum Nachdenken
über eben diese Probleme anzuregen. Es liegt in der Natur des Menschen,
daß wir nicht alle der gleichen Meinung sind und alle das Gleiche
aus den Worten und Taten anderer herauslesen. Kein Künstler kann
letztendlich dafür verantwortlich gemacht werden, wenn sein Werk
mißverstanden wird. Jedoch hat er, ebenso wie der Wissenschaftler,
eine Verantwortung für sein Werk. Sind die Auswirkungen eines Kunstwerkes
auch meist nicht quantifizierbar, so muß der Künstler doch
einem Mißbrauch seiner Ideen entgegenwirken und darf sich nicht
von Machthabern oder Emporkömmlingen als williges Werkzeug gebrauchen
lassen bzw. sein Werk zum Zwecke der persönlichen Bereicherung oder
aus niederen Instinkten an diese veräußern. Man stelle sich
nur vor, was passiert wäre, wenn Otto Hahn den Nazis die Entwicklung
der Atombombe ermöglicht hätte...
4. Weh den törichten Propheten, die ihrem eigenen Geist folgen
und doch haben keine Gesichte! (HESEKIEL 13.3)
Über die letzten Monate hat sich eine Menge von Autoren zum Thema
rechte Tendenzen in der schwarzen Szene geäußert. In meinem
Besitz befinden sich ca. zehn Artikel, bis auf einen alle aus dem linken
Lager von SPEX über Junge Welt bis Konkret. Der "nicht-linke"
Artikel stammt aus dem EUROPAKREUZ und ist eine Rechtfertigung der L.O.K.I.-Foundation.
Dort verbreitet man zwischen Werbung für "Einheit und Kampf",
dem "revolutionären Magazin für Nationalisten" ("Nr.
17 berichtet u.a. über das Bündnis Rechts, den Rudolf Heß
Marsch, den JN-Kongreß sowie die Geschichte der SA) und Büchern
von Walther Symanek ("Aktfotografie der 30er und 40er Jahre",
aus jenen "...glorreichen Jahren..." also und "Deutschland
muß vernichtet werden" ein Buch über den "Plan der
`Westmächte´(?) Deutschland zu vernichten") die Theorie
von der eigenen politischen Unabhängigkeit. Meine Herren, warum habt
Ihr Euch dazu grade dieses Magazin ausgesucht? Ist das Dummheit oder Absicht?
Einfach nur "peinlich" ist das EUROPAKREUZ sicher nicht!
Aber kommen wir auf die linkslastigen Artikel zurück. Einige davon
sind durchaus lesenswert, enthalten sie doch eine Menge Fakten, deren
Nachprüfung und Wertung man selbst vornehmen sollte. Daß sich
das lohnt, zeigt das Beispiel VAWS. Auffällig in fast allen Artikeln
ist eine gewisse Arroganz und überzogene Intellektualität der
Schreiberlinge. Das es damit aber oft nicht weit her ist, zeigt schon
der eingangs zitierte Artikel. Liest man diesen bis zum bitteren Ende,
hat man viele neue Fremdworte gelernt und stellt dazu fest, daß
Herr Büsser sich auch nur mal kurz in das Thema eingelesen hat, über
das er sich auf über 10 Seiten (mit Bildern) verbreitet. Z.B spielt
Tony Wakeford halt nicht mehr bei DIJ und "The Fool" ist auf
seiner Solo-Platte "La Croix" erschienen. Hier rächt sich
die Selbstüberschätzung besagten Schreiberlings.
Ein weiteres Charakteristikum der genannten Artikel ist das Selbstmitleid,
daß regelrecht zwischen den Zeilen tropft. Man bedauert, daß
man den Einfluß auf eine ehemals wohl linke Domäne - bestimmte
Bereiche der Independent-Musik - verloren hat. Tja, das Leben ist komplizierter
geworden und trotz hyperintellektuellem Geschwafel können viele Linke
keine inhaltlichen Alternativen bieten zu dem von ihnen verdammten Mystizismus,
dem sich immer mehr, vor allem junge Menschen öffnen. Auch haben
linke Ideen durch den Zusammenbruch des Sozialismus viel an ihrer Glaubwürdigkeit
verloren - zu Recht oder nicht. Statt nun aber um Anhänger zu kämpfen
und seine Ideen attraktiv zu machen, hat man sich in die (linke) Schmollecke
zurückgezogen und beobachtet von da aus beleidigt, daß die
andere Seite nicht das Gleiche tut, sondern aktive Einflußnahme
praktiziert. Um dem ganzen die Krone aufzusetzen, verteufelt man noch
die, mit deren Gefolgschaft man eigentlich liebäugelt: "[Bei]
Tilo Wolff ... handelt es sich um einen Düsterkitschier, dessen Aufmachung
nicht von ungefähr an einen anämiegeschwächten SS-Offizier
gemahnt und dessen Werke schon durch die Titel der LP´s und ihrer
einzelnen Tracks ("Angst, "Einsamkeit", "Glamor")
jene gefährliche Mischung aus pubertärem Selbstmitleid und Weltenläuterung
via Seelenqual signalisieren, die einst Lebensreformer in die Schützengräben
ziehen ließ, und die die Kompatibilität zivilisationsmüder
Wandervögel mit HJ und BDM garantierte." (Konkret 7/96, S. 60f.).
Danke Herr Krug für diese Aufklärung. Auch wären wir ohne
Sie nie auf die Idee gekommen, daß es sich bei dem für den
Zillo Romantic Sound Sampler III verwendete Bild "Der Morgen"
von Caspar David Friedrich um ein"...Blut und Boden-Ensemble"
handelt. Angesichts dieses linken Faschismus kommt mir die Galle.
Ein beliebtes Schlachtfeld linker Diskutierfreudiger ist auch die Bekämpfung
heidnischer Tendenzen und des Mystizismus im Allgemeinen. Schnell wird
da alles in den Topf geworfen, in dem eine braune Suppe kocht. Selbige
ist zweifelsohne vorhanden und sollte wahr- und ernstgenommen werden.
Jedoch ist für mich nicht einsichtig, warum man wieder einmal künstlich
Leute ins Abseits befördert, deren Weltanschauung man nicht teilt.
Aus den selben Motiven könnte man Buddhisten für gefährlich
erklären, Hindus usw. Ich glaube nicht, daß "irrationale",
idealistische Weltanschauungen anfälliger für faschistische
Tendenzen machen, als "rationale" materialistische. Man lese
dazu das bereits zitierte Buch "Der SS-Staat" von Eugen Kogon*5.
Gerade in Extremsituationen wie dort im KZ zeigt sich recht deutlich,
daß die "Weltanschauung" kein Garant für moralische
Integrität ist.
Allein die Beschäftigung mit dem Dritten Reich, seinen Ideen und
Hintergründen kann nicht "suspekt" sein. Vielmehr sehe
ich einen Grund für das Greifen rechter Ideologien darin, daß
ein Mangel an Informationen auf diesem Sektor herrscht. Die offizielle
Geschichtsschreibung liefert ein recht undifferenziertes Bild des Dritten
Reiches, von "Verführern" und "Verführten".
Auf diese Weise ließ sich das Thema nach Ende des Krieges schnell
zu den Akten legen. Wer sich darüber hinaus mit dieser Zeit beschäftigt,
stößt bald auf Dinge, die gar nicht in dieses Schema passen.
Auf Personen, deren Leben und Handeln sich nicht auf ein, zwei Sätze
reduzieren läßt, die sowohl Verführer als auch Verführte
waren. Strasser, Speer, Riefenstahl, Wiligut. Ich will diese Menschen
nicht läutern, doch gehören sie ebenso zu einem vollständigen
Bild des Dritten Reiches wie Hitler, Goebbels und Konsorten. Wer hier
Fragen stellt und nur Phrasen zur Antwort erhält, der wird mißtrauisch
und sucht sich andere Quellen, die verläßlicher scheinen. Ab
einem bestimmten Punkt muß man dann glauben, was da steht bzw. was
man erzählt bekommt. Wer kann schon alles auf seinen Wahrheitsgehalt
prüfen? Welche Wahrheit ist überhaupt die richtige? Wenn es
auch schwer ist, seinen Standpunkt zu finden, sollte man meiner Meinung
nach, immer ein gewisses Niveau halten. Diskussionen dazu, ob in deutschen
Konzentrationslagern 6.000.000 Juden umgebracht wurden oder "nur"
eine Million, kann ein denkendes Individuum nicht akzeptieren.
...Lassen wir es genug sein,
obwohl man das Thema wahrlich noch viel weiter ausbauen könnte. Vielleicht
fragt sich jetzt der Eine oder die Andere, wie er/ sie mit dem (neuerworbenen)
Wissen umgehen soll. Erwartetet kein Patentrezept von mir, nur vielleicht
soviel: Ich kann und will niemanden verbieten, seine Musik zu hören
("The Gospel of Inhumanity" steht neben "In the Shadow
of the Sword" u.a. auch in meinem Plattenschrank) oder bestimmte
Bands gut zu finden. Ich bin allerdings der Meinung, daß man, vorausgesetzt
man hat seinen Kopf nicht nur zum Haareschneiden, nicht alles unkritisch
übernehmen und nachplappern darf. Bei der Verwendung von Symbolen
sollte man schon wissen, welchen Inhalt sie repräsentieren. So werden
SS-Totenköpfe (zu Recht) mit einer Menge von Verbrechen assoziiert.
Das Hakenkreuz als ein mächtiges, uraltes Symbol der Sonne wird sich
nie wieder vom Pesthauch des Dritten Reiches lösen können. Es
geht hierbei nicht um political correctness. Es geht vielmehr darum, Dinge
bewußt zu tun und nicht einfach zu konsumieren, zu wissen und nicht
zu vermuten. Es geht darum, seinen eigenen Kopf zu gebrauchen, um Fragen
zu beantworten und sich nicht begierig auf die erstbeste Antwort zu stürzen
und diese dann zur einzigen Wahrheit zu erklären. Am wichtigsten
erscheint mir aber, sich selbst und anderen Fragen zu stellen; "in
Frage zu stellen". Nur wer sich (und andere) immer wieder überprüft,
wird feststellen, wann er auf dem "falschen" und wann auf dem
"rechten" Wege ist. Menschen, die sich für unfehlbar halten
und auf alles eine bzw. die Antwort haben, sind in Wahrheit dumm und meist
gefährlich, da intolerant. Diese Leute betrachte ich lieber aus einiger
Entfernung, da ich besseres zu tun habe als mit extremistischen Ideen
meine Zeit zu vertrödeln. "Freiheit ist immer die Freiheit des
Andersdenkenden." hat Rosa Luxemburg mal gesagt. Nur heißt
das glaube ich nicht, daß man alles tolerieren muß. Besonders
dann nicht, wenn der Anderen Weltanschauung auf der Unterdrückung
und Vernichtung "unliebsamer Elemente" beruht, wenn die anderen
nicht bereit sind, uns unsere Freiheit zu gewähren. Das hatten wir
schon mal und ich glaube nicht, daß wir das wieder brauchen. Ich
weiß nicht, was "nationaler Sozialismus" sein soll und
ich möchte es auch nicht wissen, so sehr manche dieser straffgescheitelten
Krämerseelen auch seine Vorzüge preisen. Wenn ich die "Kamerrraden"
marschieren sehe, wird´s mir kotzübel. Toleranz und Menschlichkeit
bleiben für mich die wichtigsten Werte, denn ich denke, nur so können
Menschen in Frieden zusammenleben. In wahrem Frieden und nicht in dem
der Schlachtfelder...
Heute umwerben sie uns, weil sie uns brauchen. Und morgen sind wir dann
"unliebsam". Überlaßt diesen Leuten keinen Meter
Raum und denkt immer daran:
"THE NIGHT BELONGS TO US!"
In diesem Sinne alles Liebe
von
voice of terror
ecoi of roter
ice of torr
ec of rot
e of or
roof
for
r
*1 http://pw1.netcom.com/blutkitt/MMFZINE.html [No Longer
A Fanzine-Interview] Link funktioniert nicht
mehr
*2 Als Fußnote sei hier erwähnt, daß
eben jene Aufnahme von NON's "Total War" 1989 in Osaka/ Japan
unter der Mitwirkung von Douglas Pearce, Tony Wakeford (Sol Invictus),
Michael Moynihan und Rose McDowall (Current 93, Strawberry Switchblade)
entstand.
*3 Clay, C.; Leapman, M.: "Herrenmenschen. Das Lebensborn-Experiment
der Nazis.", S.26ff.
Ein sehr interessantes Buch, wenn auch etwas beschwerlich lesbar, zum
Thema "Rassenwahn", als HEINE-Taschenbuch erhältlich.
*4 Ein recht umfangreicher Artikel, der viele Hintergründe
vermittelt, ist in ak (389, 4. April 1996, S.11f.) erschienen - man muß
sich ja nicht immer den Schlußfolgerungen des Autors anschließen.
Eine Sammlung von Artikel kann gegen Porto- und Kopierkosten beim debil
bestellt werden.
*5 Eugen Kogon: "Der SS-Staat. Das System der deutschen
Konzentrationslager"
Kindler Verlag München 1974, auch als HEINE-Taschenbuch
*6 Interesse für die "Staatsbriefe"
zeigte auch der Verfassungsschutz.
Anmerkungen:
Am Anfang meiner "Karriere" als Szene-DJ verwendete ich den
"Künstlernamen" voice of terror, nach einem gleichnamigen
Titel von Radio Werewolf. Die Faszination für das "Dunkle"
war damals noch sehr groß.
A1: Im Jahre
2004 führte ich am Rande des Flammenzauber-Festivals ein Interview
mit Michael Moynihan. Ursprünglich war dieses Interview zur Veröffentlichung
auf dem zweiten Teil des gleichnamigen Festival-DVD-Samplers vorgesehen.
Zu dieser Veröffentlichung ist es bisher jedoch nicht gekommen. Das
Interview sowie weitere Gespräche mit Künstlern werden in Kürze
hier im debil online veröffentlicht.
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