
Der club|debil ist ein kleiner Freundeskreis, der seit einiger Zeit in Dresden Konzerte organisiert, die man grob als den Genres Industrial / Experimental Music zugehörig bezeichnen kann. Gern auch als Klangkunst.
Man könnte behaupten: Wir sehen uns als einen Teil der weltweiten Industrial-Szene. Doch was bedeutet das?
In der Vergangenheit habe ich schon oft über das Thema Szene diskutiert: Was macht Szene eigentlich aus? Wo liegen die Wurzeln und wohin soll die Szene wachsen, wenn sie das soll? Wer gehört dazu, wer nicht? Oder: Wo verlaufen die ästhetischen moralischen musikalischen Grenzen?
Szene war immer eine Frage der Abgrenzung. Ich gehör’ dazu, die nicht. Ich bin anders als die. Wenn das jeder so macht, bildet sich irgendwann einen „Szenepolizei“, die das entscheidet – irgendeine Clique oder besonders einflussreiche Persönlichkeiten aus dem inneren Kreis. 23.
Selbstverständlich muss sich eine Szene abgrenzen. Manchmal einfach als Selbstschutz. Als jemand, der in der zweiten Hälfte der 1980er „erwachsen“ geworden ist, habe ich mich immer aktiv und räumlich von bestimmten mir unangenehmen Orten und dem dort verkehrenden Publikum abgegrenzt. Und so haben es viele andere auch gemacht, die man dann in der Szene traf.
Für mich besteht Szene aus drei Dingen:
1)
Das sind in erster Linie die Aktiven. Jene, die selbst Musik machen, jene, die Partys und Konzerte organisieren, die DJanes, LichtkünstlerInnen usw. usf., genauso wie diejenigen, die unentgeltlich mit anfassen oder das Vorankommen anderweitig unterstützen.
2)
Die Szene ist für mich auch immer mit Orten verbunden, die häufig einen großen Einfluss auf das Geschehen haben. Ein Grund, warum mir die Schwarze Szene, so wie ich sie kennengelernt habe, sofort sympathisch war – die oftmals unterirdischen Räumlichkeiten.
Meine jugendlichen Diskothekenerfahrungen waren eher ernüchternd. Dorfgasthöfe mit den üblichen, körperlich weit überlegenen Alpha-Männchen auf Alkohol, nur wenig wirklich Spannendes zu hören und zu sehen. Aber auch ein Ort, wo man mit seinen Freunden hin ging, um zu „Small Town Boy“ anstatt zu tanzen anstatt um „T.N.T.“ zu grölen. Mensch kann sich kaum vorstellen, welche Offenbarung die ersten Indie-Diskos und Studenten-Parties waren… Und dann bin ich halt sehr schnell in die Szene „abgerutscht“ und habe mich an Orten wie Müllerbrunnen, Brennhaus oder Schloss Nickern herumgetrieben.
In den 1990ern durfte ich auch ein paar Großraumdiskotheken erleben und das hat mich geprägt. Turnhallenatmosphäre und unterschwellige Gewalt. Nicht mein Ding. Aber wahrscheinlich sehe ich das alles nur falsch…
3)
Selbstverständlich gehören auch Gäste zu einer Szene, also die Besucher, Fans, Zufallsbekanntschaften. Eine Szene, die nicht ein gewisses Mindestmaß an Offenheit gegenüber Andersartigen pflegt, geht ein. Und im besten Fall wird aus dem Besucher ein Fan oder gar ein Aktiver.
So, nun zur Industrial-Szene:
Als Initiator des club|debil erlaube ich mir, darauf hinzuweisen, dass wir in diesem Jahr 23 Klangprojekten aus Europa den Raum für Ihren Auftritt geboten haben, verteilt auf neun Konzertabende. Nicht zu vergessen unsere monatlichen Zusammenkünfte zum Sunday ChillOut.
Nicht schlecht, für den kleinen club|debil.
Danke an alle debilen Freunde, alle Musiker und deren Unterstützer, an die Besucher und Freunde des club|debil.
Im nächsten Jahr wird es weiter gehen. Haltet Euch schon mal den
13. März und den
03. April frei,
da wird sich der club|debil manifestieren.
disorder
Day Of The Lord MMXXVI
PS Bei aller notwendigen Abgrenzung: Seid immer schön freundlich zueinander auch wenn es mal etwas länger dauert oder nicht alles so ist, wie es sein sollte! Mit anfassen sorgt da manchmal sogar für Fortschritt 😉