|
Gib unseren
Lesern bitte einen kurzen Abriss des bisherigen Wirkens von Flutwacht.
Wie du schon erwähnt
hast, gab es bei Flutwacht in den letzten Jahren eine wahre Veröffentlichungsflut,
darunter eine Vielzahl an CDR-Veröffentlichungen auf zahlreichen
Underground-Labels rund um den Globus. Einen halbwegs vollständigen
Überblick meines bisherigen Schaffens findet man auf der Flutwacht-Website,
die Liste wäre wohl zu lang, um auf jedes Release einzeln einzugehen.
Ich mache schon seit Mitte der 90er-Jahre Musik. Aus einem meiner damals
vielen Projekte ist dann Flutwacht entstanden. Die Aufnahmen auf der "Rischbach"-CDr
kann man als Beginn von Flutwacht betrachten. Anfang 2003 habe ich dann
angefangen, regelmäßig mehrere CDRs im Jahr zu veröffentlichen.
Die Vielzahl der Veröffentlichungen hat sicher auch viel dazu beigetragen,
Flutwacht international bekannt zu machen.
Neben der Musik gestalte ich das Artwork zu fast allen meinen Veröffentlichungen.
Ich präsentiere Flutwacht außerdem auch live. Besonders seit
Anfang 2005, als ich mit Shadow Theater in Paris aufgetreten bin, versuche
ich verstärkt live präsent zu sein.
Wer steckt außer Dir hinter Flutwacht?
Flutwacht ist vor allem ein Solo-Projekt von mir. Ab und an, wenn ich
in unserem Angstschmiede-Studio aufnehme, steht mir Mike von Vronthor
zur Seite, der manchmal ein paar Geräusche oder Gesang beisteuert.
Einmal hatte ich meinen alten Kumpel Yven als Gastsänger auf dem
Blutlounge Vol. 1 - Tape mit dabei, was wir auch sicher mal wiederholen
werden.
Wie bist Du auf den Namen
gekommen? Gab es einen speziellen Grund dafür?
Früher hatte ich andere Projektnamen ohne Grund gewählt. Nach
einiger Zeit beschloss ich, alle meine Ideen in einem Projekt zu bündeln,
sozusagen eine Flut von Gedanken, die kontrolliert in ein Projekt gelenkt
wird. So kam ich auf "Flutwacht" - eine Wacht über die
Gedankenflut.
Kannst Du mir bitte etwas
zu Deiner musikalischen Sozialisation sagen?
Im Teenageralter habe ich viel Black- und Deathmetal gehört, aber
auch parallel EBM und Electro Sachen, wie z.B. Die Form, Front 242 usw..
Dadurch bin ich auch schnell zur industriellen Musik geraten, was ja nicht
so abwegig ist.
Verrat uns doch mal das
Geheimnis hinter Flutwacht, denn Dir scheint es meiner bescheidenen Meinung
nach immer wieder zu gelingen, gute Stücke zu produzieren.
Obwohl ich die Kapazität meiner Klangerzeuger noch lange nicht ausgeschöpft
habe, kommen immer mehr Geräte und Effektgeräte in meinen Maschinenpark
dazu. Außerdem habe ich immer ein offenes Ohr, so entdecke ich immer
wieder neue Klangerzeuger und wenn es nur ein Stein oder eine Metallstange
ist. Solche Töne wandern dann in meinen Sequenzer und werden noch
etwas nach meinem Geschmack manipuliert und zusammengesetzt. So kann ich
mein Klangspektrum immer sehr gut erweitern und kann immer etwas Neues
gestalten. Meistens nehme ich direkt live auf, und lasse dabei meinen
Gedanken und Gefühlen freien Lauf.

Flutwacht klingt auf jeder
Veröffentlichung etwas anders. Was ist der rote Faden, der die einzelnen
Teile zusammenhält?
Das ist schwer zu sagen, wie gesagt, der Flutwacht-Sound verändert
sich ständig und entwickelt sich weiter. Vielleicht kann man den
"roten Faden" darin sehen, dass immer derselbe Mensch hinter
den Veröffentlichungen steckt.
Kannst Du uns bitte etwas zum Hintergrund von Desert Fog 2 sagen? Was
für eine Sprache ist zu hören und worum geht es in dem Stück?
Bei dem Titel "Desert Fog" sind Korangesänge zu hören.
Der Inhalt des Textes spielt dabei keine große Rolle. Ich wählte
dieses Sample, da es für mich irgendwie sehr traurig und melancholisch
klingt. Den Titel nahm ich zu Anfang des Irak-Krieges auf, eigentlich
war damals ein Konzeptalbum über den Irak-Krieg geplant, das aber
nicht zustande kam. Dieser Krieg, der ja auch in den Medien sehr stark
präsent war, hat mich damals sehr beschäftigt. Besonders der
Umgang der "Weltmacht" USA mit ihren eigenen Werten war für
mich ein Beweis dafür, dass Geld und Macht immer das Sagen über
Menschenleben haben werden, in dieser Hinsicht wird sich die Menschheit
wohl nie ändern, egal wie "zivilisiert" sie auch ist.
Der Titel war ursprünglich auf meiner ersten, auf 20 Stück limitierten
7"-Single "Desert Fog" veröffentlicht worden, zusammen
mit "American Bastard" als B-Seite, einem Track aus der selben
Aufnahmesession. In diesem Stück hatte ich eher mein spontanes Hassgefühl
angesichts des Krieges verarbeitet. Mittlerweile erscheint mir dieser
Track aber inhaltlich zu einseitig, deshalb habe ich den Titel auf der
"Desert Fog 2" Shape-CDr weggelassen und durch ein kurzes, bewusst
unbetiteltes Stück ersetzt.
weiter
zurück
|