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debil: Ihr habt das Supporter-Modell gewählt, bei dem Fans Eure Arbeit vorfinanzieren und dann exklusives Material erhalten. Wie seid Ihr auf die Idee gekommen, wie hat sich das Prinzip bewährt? A.Hacke: Auf die Idee sind wir anlässlich unseres zwanzigsten Jahrestages im Jahr 2000 gekommen, wo wir eigentlich das Gefühl hatten, das wir jetzt mit der Band alles gemacht hatten, was man mit der Band machen kann oder machen soll und dass es jetzt doch mal reichen würde. Wir hatten zu dieser Zeit auch keinen Plattenvertrag und dann kam diese Idee, das Internet quasi für unsere Zwecke nutzbar zu machen. "Alles wieder offen", war quasi der Abschluss der dritten Runde dieses Supporter-Projekts. Die erste Runde haben wir 2002 begonnen als kompletten Testballon. Wir wussten überhaupt nicht, ob das funktioniert. Ob wir überhaupt genügend Leute zusammenkriegen, damit wir das finanzieren können, wussten wir nicht. Wir wussten nicht, ob wir überhaupt noch Lust haben oder in der Lage sind, miteinander zu musizieren, mit dem Gefühl mit dem wir aus unserer Jubiläumstour gegangen sind. Und wir wussten nicht, ob es überhaupt möglich ist, unter dieser vermeintlichen Beobachtung die wir den Fans angeboten haben, zu arbeiten. Aber das alles hat sich im Laufe der ersten Phase geklärt. Das totale Chaos und die Anarchie, die da herrschte, ist irgendwie einer Ordnung gewichen. IN der ersten Runde haben wir mit einer Plattenfirma so nebenbei zusammengearbeitet, wie wir so viel großartiges Zeug produziert hatten, dass wir dann gedacht haben, das möchten wir einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen. Außerdem wollten wir dann doch wieder auf Tour gehen, was wir dann 2004 gemacht haben und waren damals noch überzeugt, dass man dafür eine Plattenfirma braucht. debil: War der Verkauf von Mute an EMI ausschlaggebend dafür? A.Hacke: Nö. Das war klar, dass das passieren wird. Und, dass sich die Politik von Mute ändern wird, war uns auch klar. debil: Das ist sehr schade A.Hacke: Sicher, Mute war das letzte, große, erfolgreiche noch unabhängige Musiklabel. debil: Wie groß ist Eure Hörerschaft in etwa? Geht sie eher in die Zehn- oder Hunderttausende, gar Millionen? A.Hacke: Es sind keine Millionen,
auch keine Hunderttausend
A.Hacke: Das erklär ich mir damit, dass wir einfach etwas anderes bieten, als was man aus dem englischen Sprachraum erwarten kann. Ich meine, es gibt ja eine Tradition von deutscher Musik. Es gibt auch eine Tradition, wie gerade im englischsprachigen Raum deutsche Musik aufgenommen wird. Es gibt halt "Krautrock" und Kraftwerk und Can, Amon Düül und diese Bands. Ich glaube, da haben wir in so eine Aufmerksamkeitsschneise geschlagen auf alle Fälle. Na und dann steht halt Neubauten für verschiedene Dinge, die auch im nichtdeutschsprachigen Raum gern aufgenommen werden. Individualismus zum Beispiel. Das hat was für sich, was wir tun.
debil: Ihr tourt durch ganz Europa. Macht solch eine "Ochsentour" noch Spaß? A.Hacke: Ja, das macht mir großen Spaß. Wir spielen jetzt glaube ich 34 Shows in zwei Monaten. Das sind immer maximal vier Shows am Stück und dann gibt's einen Reisetag oder einen Tag frei. Das macht mir immer noch Spaß, weil das eine ganz besondere Lebensart ist, wo sich das Leben auf diese zwei Stunden des Auftritts konzentriert. Wir fahren mit diesen Nightlinern, das sind so große Busse mit Schlafkabinen, fahren wir durch die Gegend und ich schlafe einfach unglaublich viel. Ich kann da super drin knacken und geb dann am Abend das Beste und verbrauch meine ganze Energie. Ansonsten wird mir jegliche Verantwortung abgegeben, was eine wunderbare Sache ist, mal zur Abwechslung.
A.Hacke: Wir werden seit 1985 das erste Mal wieder in Finnland spielen, in Helsinki. Da kann ich mich überhaupt nicht mehr erinnern. Ich mag ja die Finnen, wenn man sie so trifft. Da freu ich mich besonders drauf. Das sind ja die fortgeschrittenen Frühlingsmonate, da freu ich mich natürlich auf den Mittelmeerraum und so.
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