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debil: Die Einstürzenden Neubauten waren nie nur ein reines Musikprojekt. Ihr habt viel mit Theaterleuten zusammengearbeitet und in Kunstprojekten mitgewirkt. Was ist da anders, im Vergleich zur Produktion für den "Popmarkt"? A.Hacke: Es gibt natürlich einen Unterschied zwischen Auftragsarbeiten und den Dingen, die wir für uns tun. In unseren eigenen Platten ist es unsere eigene Vision, die wir möglichst ungefiltert und kompromisslos ausführen, das sind unsere eigenen Kompostitionen. Wenn man in einem Auftragsverhältnis steht, muss man die eigene Vision dem Auftrag anpassen. Insofern unterscheiden sich diese Arbeiten auch. Wobei viele unserer Stücke auch aus abgelehnten Auftragsarbeiten entstanden sind. debil: Kannst Du dafür Beispiele nennen? A.Hacke: "Sabrina",
das Stück, wo es das Video mit dem Minotaurus gibt, war ursprünglich
eine Auftragsarbeit für Leander Hausmann und Detlef Buck für
Sonnenallee. Nämlich für diese Liebesszene wo die sich in den
Farben rollen und sich mit Farbe beschmieren. "I wish this would
be your colour". Der Titel ist aber abgelehnt wurden. Wir waren aber
sehr froh, dass wir es wiederhatten. debil: Die Befindlichkeit des Landes ist eines der besten Stücke. Wie ist das entstanden? A.Hacke: Danke. Ich spiele
das Stück auch sehr gerne. Es ist von dieser Phase der Einstürzenden
Neubauten nach 1997 mit den neuen Jungs ist das sicher das größte
und beste Stücke, die wir geschrieben haben. Es ist eins der wenigen,
wenn nicht gar einzige, tatsächlich politisch oder zeitkritische
Stück. Es geht um den Potsdamer Platz in der Nummer.
A.Hacke: Nein. Ich weiß gar nicht, aus welchen Gründen, ob es überhaupt einen Grund gab, warum wir angefangen haben, diese Musik zu machen. Berlin der frühen 80er Jahre war eine sehr kreative Zeit. Es gab dieses Ding, das halt jeder in einer irgendeiner Band war oder jeder war in mehreren Bands. Die Leute gaben sich neue Namen und da war das Bedürfnis, etwas weiter zu gehen, als Punkrock das vorgegeben hatte. Es hat auch wirklich lange gedauert, bis wir tatsächlich in irgendeiner Form Profit draus schlagen konnte, aus dem, was wir tun. Die ersten sieben bis zehn Jahre haben wir alle davon gelebt, dass wir Freundinnen hatten, die in der Gastronomie arbeiteten. Damit haben wir nicht wirklich gerechnet und man hat sich auch immer ins Fäustchen gelacht. Als hätte man den unglaublichen Betrug hingelegt. Dass das, was wir tun, kulturellen Wert hat, davon sind wir nicht ausgegangen. debil: Im Berlin der frühen 80er Jahre gab es auch noch die "Genialen Dilletanten". In welcher Beziehung standet Ihr zu denen? A.Hacke: Das ist ein gutes Beispiel. Das war eine Verarschung. Geniale Dilettanten und dann auch noch Dilletanten falsch schreiben. In der Zeit war man ganz gut, Vorwände zu finden, um das zu tun, was man möchte. Also, wenn man ein Festival veranstalten wollte, dann brauchte man halt ein egal wie beklopptes Konzept dafür und dann ging das auch.
A.Hacke: Nun machen wir erstmal diese Tour und dann gucken wir, ob wir danach wieder aufstehen können und dann werden wir auch ein wenig pausieren und die Bandmitglieder werden an ihren eigenen Karrieren weiterschrauben. Zumal wir im Rahmen dieses Supporterprojekts seit 2002 durchweg beschäftigt waren. Phase zwei hat angefangen, an dem Tag als Phase eins endete und auch Phase drei hat angefangen an dem Tag, als Phase zwei aufgehört hat. Bevor wir eine weitere Produktion auf diese Art starten, werden wir auf alle Fälle ein wenig pausieren beziehungsweise überdenken, wie man das Konzept verbessern oder wie man das Konzept verbreitern kann. debil: Was heißt das konkret für Dich? A.Hacke: Das heißt für mich arbeiten, wie ein Tier. Es ist ja nicht so, dass Neubauten ausreichen würde, um mich und meine Familie zu ernähren. Abgesehen davon gibt es auch noch ganz viel andere Musik, die ich machen muss, weil ich als Künstler keine andere Wahl hab Danke! Bis bald in Leipzig! (16. Mai 2008, Haus Auensee)
Bilder: neubauten.org
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