|
Ihr veranstaltet
auch Themenabende. Worum geht es da?
Gedanke ist Austausch von Wissen. Wir nehmen uns also ein Thema her und
dazu gibt es dann einen oder mehrere Vorträge, Diskussionen Workshops
etc. Diese Themen müssen nicht immer technisch sein. Einmal ging es um
effektive Suche im Internet, also was man aus Google noch so rausholen
kann. Oder es ging letztens um "Muttersprache und Intelligenz". Dazu hatten
wir uns Klaus Däßler vom Verein Deutsche Sprache ehem. Leiter der KI-Systementwicklung
im Siemens-F&E-Bereich München eingeladen. Auch wenn es erst mal etwas
trocken klingt, war es ziemlich interessant zu erfahren, wie Menschen
Sprache zum denken nutzen, warum es noch keine automatischen Übersetzungsprogramme
gibt, die eigentlich nicht viel mehr als ein Partygag sind. Zu dem Thema
Biometrie hatten wir Reinhard Wobst, der den Stand auf diesem Gebiet beleuchtet
hat. Einmal haben wir uns eine ganze Nacht Vorträge zur Geschichte und
Gegenwart von UNIX gegben. Ein anderer Themenabend ging um Hacktivism,
also politisch motiviertes Hacken. Manchmal haben diese Nächte aber auch
mehr Workshopcharakter.
Die Themenabende kündigen wir immer auf unserer Homepage an. Eintritt
ist frei. An solch einem Abend sollte man sich nichts anderes mehr vornehmen.
Wo seht Ihr
die größten Defizite der "Normalbürger" im Umgang mit dem Computer und
mit Technik im Allgemeinen?
Naja, Defizite sehe ich eigentlich nicht. Wenn sich jemand für oder gegen
Technik entscheidet soll er das doch tun. Vielleicht sollten sich die
Leute mehr Gedanken machen, was eigentlich passiert, wenn sie irgendwelche
Technik benutzen. Wenn wir z. B. in ein paar Jahren zu Geißeln von DRM
(Digitale Rechtekontrolle) geworden sind, also DVDs nur noch auf wenigen
viel zu teuren Geräten abspielen können und auch noch jedes mal extra
zahlen müssen, muß ja mal jemand angefangen haben, sowas zu kaufen. Käufer
haben mehr Rechte, als sie wahrnehmen. Darüber stimmen sie mit ihren Euros
ab. Diese Abspielhürde auf CDs, damit man sie wohl nicht kopieren kann,
müßte es nicht geben, hätten die Käufer diese defekten CDs in die Läden
zurück getragen. Wenn ich eine Bitte an den Leser äußern darf: Nutzt Technik
bewußt!

Wie nah sind
wir eigentlich an der totalen Überwachung?
Überwachung drängt sich immer mehr in unseren Alltag. Das hat zum einen
damit zu tun, dass das Speichern und Verarbeiten von Daten immer billiger
wird und damit Computer immer mehr Aufgaben übernehmen. Richtig kritisch
wird es oft erst bei der Korrelation dieser Daten. Die meisten Leute interessiert
das aber nicht, da die unmittelbaren Folgen nicht offensichtlich sind
... Leute schätzen das Recht auf Privatsphäre nicht, weil sie es meist
erst vermissen, wenn das Kinde im Brunnen liegt.
Warum seid
Ihr gegen Softwarepatente? Ihr habt eine entsprechende Petition auf Eurer
Seite veröffentlicht.
Weil sie nix bringen,
außer dem Schutz bestehender Monopole. Versprochen wird durch die Befürworter
Innovation, doch welchen Anreiz hat ein Monopolist schon, der sich viel
leichter die Konqurenz mit Juristen vom Hals halten kann? Die Softwaremonopole
sind zum großen Teil noch nicht mal in Europa beheimatet. Statt die lokale
Softwareindustrie zu fördern, die hierzulande zu einem Großteil aus Steuern
zahlenden KMUs (Klein- u. Mittelständische Unternehmen) besteht, würden
sie diese eher vernichten. So ein Rechtsstreit übersteigt schnell die
Kriegskasse.
Es geht bei Softwarepatenten auch nicht um große Erfindungen, sondern
Dinge wie Fortschrittsbalken und ähnliche Trivialitäten. Z. B. hat Amazon
in den USA patentiert, dass sie mit ähnlichen Produkten weiteren Kaufreiz
erwecken, hat man sich für etwas bestimmtes interessiert. In einem Restaurant
würde das bedeuten, dass der Kellner nicht mehr den passenden Wein zum
Essen empfehlen dürfte. Diesen Sommer gab es eine Untersuchung der 92
Webseiten unserer 99 deutschen EU-Parlamentarier. Ca. 72 davon verletzten
mindestens zwei in der EU beantragte Patente, die jetzt nachträglich legalisiert
werden sollten. Außerdem fällt Software schon eine Weile unter das Urheberrecht.
Damit kann man sie ausreichend schützen.
Zum Glück ist nach jahrelangem Kampf gegen diesen Unfug die Gesetzesinitiative
im EU-Parlament gescheitert. Das ist vor allem den vielen Interessenverbänden
zu verdanken, die unermüdlich gegen die "Einflußnahme auf dem Golfplatz"
angegangen sind. Naja, und als Computer Club kann man da natürlich die
Füße nicht still halten. Neben der Petition haben wir einen Infoabend
dazu veranstaltet, unseren EU-Parlamentariern und anderen Politikern unsere
Sicht der Dinge geschildert und Unterschriften gesammelt.
weiter
zurück |