Parma Day – Orreija (CDR, Vernom Laternenlicht Produktion)

Parma Day

Zugegebenermaßen konnte ich mit den Geschichten von Mädchen June nicht immer etwas anfangen. Sehr verworren das Ganze und voller seltsamer, kaum zu entschlüsselnder Bilder. Diesmal scheint das Album keine dieser Geschichten zu enthalten, doch gehe ich davon aus, dass das Mädchen June auch hier wieder seiner Phantasie freien Lauf gelassen hat und Titel wie „Felder aus Glas“, „Humans and other untruths“ oder „Hlani aWake in dark room“ ihr ganz spezielle Bedeutung haben und die Stücke zueinander in Beziehung stehen wie die verschiedenen Kapitel eines Buches. Als Beschreibung zum Video „Stonecountry Deathfactory loosing melody“ liest sich das so: „Eine Steinstadt unter Tage, voller Farben und Möglichkeiten der Formumwandlung, ist ein Traum im Traum außerhalb, im Gedanken eines Betrachters in einem Bergwerk in Mitteldeutschland. Eine Kneipe welche leer steht, in die keine Arbeiter mehr kommen werden, eine Fabrik inmitten der Natur, alles in auffällige Farben getaucht. Die Todesfabrik in Plagwitz und die Verbindung zum Stollen unter Tage.“

Die musikalische Sprache von Parma Day ist ähnlich seltsam. All das, was ein akustisches Werk für den durchschnittlichen Hörer attraktiv macht, wird hier ausgeblendet. Es gibt Melodien nur in Fragmenten, die wie aus der Ferne heran geweht werden. Rhythmen sucht man vergebens, überhaupt irgendetwas, was man festhalten kann. Häufig erinnert das Gehörte an die ebenfalls in einem Titel erwähnten Spieluhren („Spieluhren außer der Zeit“), am besten lässt sich diese Platte wohl als eine Art „elektro-mechanisches Klangbild“ bezeichnen. Das Erstaunliche daran, bei all dieser „Verschrobenheit“ ist, dass die Musik nie nervt, da sie einer, wenn auch nicht immer erkennbaren inneren Ordnung folgt. Ein wenig ist es, als wenn man in die Klangwelt eines exotischen Volkes, vielleicht auch nicht von dieser Erde, eintaucht, fasziniert ist, aber unfähig das Gehörte in Worte zu fassen. Der „Mangel“ an erkennbarer Struktur oder auch nur Mustern sorgt zudem dafür, dass sich die einzelnen Stücke nicht „festhalten“ lassen, extrem flüchtig sind. Dabei erzeugen sie doch die unterschiedlichsten Stimmungen, mal verträumt, mal furchteinflößend, mal bedrückend. Eigentlich der passende Soundtrack für expressionistische Filme aus den 1920ern. Und die liefert Mädchen June gleich mit dazu…

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