Das Himmelreich ist nahe! – Interview mit Nikolas Schreck

Ein Schussfahrt von der Psychedelischen Revolution, tantrischen Buddhismus, Satanische Panik, Radio Werewolf, die Manson Morde, Sex Magic, über den Left Hand Path zum Königreich des Himmels (Kingdom Of Heaven)

CC-BY-NC-icon-88x31 Das Interview und Teile davon sind für nichtkommerzielle Zwecke frei verwendbar unter Nennung von radio deZIbil als Autor. Die Bedeutung der Aussagen darf durch Schnitte oder Weglassungen nicht verändert werden! Ein Link auf unsere Seite wäre eine gute Sache! 😉

Das englischsprachige Interview fand an einem sonnigen Nachmittag im August 2014 in einem Park in Berlin-Grunewald statt. Es wurde mit einem kleinen DR2 24bit Wave/ MP3-Recorder aufgezeichnet, so dass eine Menge Nebengeräusche zu hören sind. Höchstwahrscheinlich weil es hier viele Botschaften gibt, störten Hubschrauber immer wieder die Kommunikation. Für diese Störung und die technische Unvollkommenheit der Aufnahmen, möchte ich mich entschuldigen. Ich hoffe, Ihr könnt darüber hinweg sehen oder besser hören…

Radio Werewolf war eine der Bands, die immer eine ganz besondere Bedeutung für mich hatte. Von dem Zeitpunkt an, als mir ein Freund eine Kassette (MC) mit „The Fiery Summons“ gab, war ich wie besessen von diesem Sound, sammelte die Alben und 12″-Veröffentlichungen des amerikanischen Projektes. Ich war fasziniert von dem Versuch, ernsthaft böse zu sein, auch wenn einige die Band vor allem für Theater hielten und das Ganze für eine große Show.
Selbstverständlich gab es eine Menge „Show-Elemente“ in Radio Werewolfs Musik, aber da war auch immer etwas Tieferes, etwas Reales, das mich anzog und so verlor ich die Band nie aus den Augen. Die Wiederveröffentlichung der nur auf Vinyl erhältlichen Werke „The Lightning and the Sun“, „Bring Me The Head of Geraldo Rivera!“ und „Witchcraft / Boots“ unter dem Namen „Vinyl Solution“ läutete die Rückkehr der Helden meiner Zwanziger ein.
Im Vorfeld eines Auftritts in Dresden, bei dem Nikolas Schreck zusammen mit John Murphy in einer Performance zu erleben ist, hatte ich die Chance, Nikolas eine Menge Fragen zu stellen, die ich mit mir herumtrug…

Teil I – Die Hintergründe

Nikolas Schreck

(C) Zeena Schreck 2014

Du bist Musiker, spiritueller Lehrer und Autor. Ich werde mit der religiösen Seite beginnen; dadurch werden einige Dinge klarer.
Ja, das denke ich auch. Es ist sicher sinnvoll, zu erklären, dass meine Bücher und meine Musik immer einen spirituellen Hintergrund haben. Ohne diesen zu verstehen, meine geistigen Einstellungen zum Leben, hat meine Kunst keinen Sinn.

Du bist in den 1960er Jahren aufgewachsen, in einer, nennen wir es „Hippie-Umgebung“. Kannst Du mir etwas über diese Zeit erzählen und wie Du aufgewachsen bist?
Ja. Um meine Arbeit zu verstehen, ist es wichtig, sie in dem Kontext zu sehen, dass ich in den Sechziger Jahren in Amerika aufwuchs. Das war ein sehr nomadisches Boheme-Leben. Mein Vater war ein wenig älter als die Hippie-Generation. Er war ein ehemaliger Marineoffizier, der in den fünfziger Jahren Beatnik wurde. Als die psychedelische Revolution begann, beschäftigte er sich intensiv mit den ganzen psychedelischen Experimenten, freier Liebe und all den Befreiungsbewegungen der 60er Jahre. In diesem Umfeld bin ich aufgewachsen. Meine Eltern haben als eines von vielen Dingen, die sie taten, die Jazz- und Popmusik der damaligen Zeit gefördert. Das erste Mikrofon, in das ich sang, war das von Peter Noone, dem Leadsänger von Hermans Hermit, der mich das Mikrofon benutzen ließ, als ich noch ein sehr kleines Kind war. Unterhaltung und Performance waren für mich sehr zeitig ein normaler, alltäglicher Teil meines Lebens.
Aber ich denke, das Wichtigste soweit es meine Arbeit betrifft, ist, dass viele Menschen von meiner Musik und meinem Schreiben angezogen werden, die aus zerrütteten, unglücklichen Familien kommen und nach einer Alternative suchen. Sie rebellieren gegen etwas. Ich selbst wurde von Rebellen aufgezogen, es gibt da sozusagen einen gewissen Abstand. Ich wurde mit dem Glauben erzogen, dass Revolution gut ist, dass Gegenkultur gut ist, dass Anti-Establishment ein positiver Wert ist. Ich musste niemals gegen meine Eltern rebellieren, wie viele Menschen, die von dem wie auch immer definierten Musik-Genre angezogen wurden, in dem ich mich bewege.

Deine Eltern waren Teil dieser Gegenkultur, hatten sie irgendwelche religiösen Überzeugungen?
Nein, in einer typischen Art und Weise von Menschen, die in den 50er Jahren bzw. 40er Jahren aufwuchsen, lehnten sie organisierten Religion ab, aber sie ließen mir diesbezüglich volle Freiheit. In den 1960er Jahren, während der okkulten Wiederkehr, als in Amerika und Europa eine okkulte Renaissance stattfand, wurde ich sofort vom Teufel und der Teufelsanbetung angezogen und sie hatten nie ein Problem damit. Im Gegenteil – sie waren davon überzeugt, dass ein Kind die Freiheit haben sollte, zu tun, was immer es will und sie ermunterten mich dahingehend auch.

Sie hatten keine Angst, dass Du Dir selbst oder anderen schaden könntest?
Nein, nie! Das sollten Menschen wissen, um meine Arbeit verstehen zu können – ich wuchs in einem sehr seltsamen alternativen Universum auf. Wenn ich Interesse am Teufel, an Okkultismus oder kontroversen Dinge wie dem Dritte Reich hatte – mein Vater war Militärhistoriker und ein Bohemien – dann war das nur ein weiteres Thema. Mir wurde nie beigebracht, das ist verboten oder das ist gut und das ist böse. Mir wurde beigebracht, dass ich alles mit einem freien Geist betrachten kann.

Du konntest also zu Deinen Eltern gehen und fragen, wie ist das oder das gemeint… und sie haben Dir das erklärt, wie Eltern es tun?
Ja. Aber das Wichtigste ist, sie waren auf eine typische Anti-Establishment-Art gegen organisierte Religion. Mein Vater, der in dieser frühen Zeit mit Psychedelika experimentierte, als diese als eine Art utopischer Idee für die Befreiung der Menschheit gesehen wurden, war sehr interessiert an Bewusstsein und Bewusstseinsbildung. Er verstand das Konzept der Magie und das Konzept, dass es auf geistiger Ebene viel mehr gibt, als dies normale, alltägliche Leute glauben. Er ermutigte mich dadurch auf eine philosophische Weise.

Ich kann mir vorstellen, dass es schwer war, mit anderen Kindern zurecht zu kommen…
Es war wie die Addams Family. In gewisser Weise war ich sehr naiv, weil ich nicht wusste, wie die normale Gesellschaft war. Zum Beispiel ging ich mit schwarzer Kleidung in die Schule und in den 60er und 70er Jahren war das einfach unerhört. So etwas wie Subkultur gab es nicht. Ich wurde von satanischer Ästhetik und allem Teuflischen angezogen aber auf eine unschuldige Weise. Ohne zu wissen, dass es als hasserfüllt oder schrecklich galt. Wenn mir meine Lehrer Hausaufgaben der Art „Schreibe etwas über…“ gaben, habe ich über Jack the Ripper oder die Beschwörung von Dämonen geschrieben. Wenn dann meine Eltern in die Schule gerufen wurden und man ihnen sagte: „Wissen Sie, was für seltsame Dinge Ihr Sohn tut?“, dann haben sie gesagt: “Ja, das ist in Ordnung…“ Es war also kein Problem aber es erzeugte eine kognitive Dissonanz.

Kannst Du uns die Stationen Deines spirituellen Weg beschreiben? Du sagtest, Du wurdest sehr früh vom Satanismus angezogen…
Die erste spirituelle Erfahrung, an die ich mich erinnern kann, hat mich mehr in Richtung Heidentum und Antike bewegt. Als ich noch fast ein Kind war, besaßen meine Eltern eine Statue der Venus von Milo, eine typische Klischee-Touristen-Statue aus dem Louvre in Paris. Ich war von dieser Statue fasziniert und ich fühlte, dass sie mit mir kommuniziert. Also meine erste spirituelle Erfahrung war das Gefühl, dass die Göttin Venus ein lebendiges Wesen sei und mit mir kommunizierte.
Sehr früh fasziniert mich also insbesondere die griechische und die nordische Mythologie. Ich war als Kind regelrecht besessen davon und verschlang alles, was ich über die Mythen und Sagen der griechischen und nordischen Götter in die Finger bekam. In diesem Sinne gehen die Wurzeln der Arbeit mit Radio Werwolf zurück auf diese frühe Beschäftigung mit Odin, Freya, dem Fenris Wolf, Loki, mit der dunklen Seite des nordischen Pantheons.

Das war mit sieben oder acht Jahren etwa…?
Ja. Ich war mehr an der antiken Welt interessiert als an der aktuellen, zeitgenössischen. Die interessierte mich gar nicht. Ich wollte nur über die Sagen und die Helden der Griechen Bescheid wissen. Dann, Mitte der 60er Jahre, hatte ich eine Babysitterin, die einer Art Gegenkultur angehörte, die sich für eine Hexe hielt. Sie war sozusagen meine erste spirituelle Führerin. Wie es in meinem Leben meist so war, dass Frauen mich auf dem spirituellen Weg geführt haben. Das ist ein Teil dessen, worum es beim Left Hand Path geht, dass die weibliche Weisheit dich führt.
Diese „Teenager-Hexe“ als Babysitter hatte sehr positive Vorstellungen davon, was Satanismus und Teufelsanbetung ist und sie lehrte mich die Grundlagen auf eine sehr kindliche, primitive Art und Weise. Sie gab mir das Gefühl, dass der Teufel etwas Gutes, Heroisches und Befreiendes sei, nichts Böses. Aus dieser Sicht betrachtete ich auch die biblischen Geschichte von der Begegnung zwischen Jesus und dem Teufel in der Wüste. Der Teufel bietet ihm die Welt, wenn Jesus ihm folgt. Das war mein ursprüngliches Konzept von dem, was der Teufel ist. So weit geht das zurück. In der amerikanischen Kultur dieser Zeit gab es, wegen all dieser Bücher über Zauberei und all der Hippie-Experimente mit alternativen Religionen und Okkultismus, plötzlich überall Teufelssymbolik und Teufelsliteratur und -Musik wie „Sympathy for the Devil“ von den Rolling Stones …

Kenneth Anger
Kenneth Anger. Die Manson Morde, die dann als eine Art teuflischer Mordkult dargestellt wurden … Es ist wichtig zu verstehen, dass in dieser Zeit die populäre Kultur mit dem Satanskult durchdrungen war. Der Teufel war überall. Das hatte eine große Wirkung auf mich.

Du hast eine erleuchtende Erfahrung in Ägypten erwähnt…
Ja. Die nächste Phase fand aber in London in den frühen 80er Jahren statt. Ich war dort während einer weiteren Periode magischer Wiederbelebung mit all dieser Chaos Magick und ähnlichen Dingen…

Coil, Zoskia, diese Leute…
Ja. Und ich war nicht sehr beeindruckt davon. Es schien mir sehr oberflächlich und hohl zu sein und nicht authentisch, nicht mit einer tiefen Tradition verbunden. Durch die Arbeit von Kenneth Grant, der am typhonischen O.T.O. beteiligt war, ein eher obskurer englischer Schriftsteller, den die Deutschen sicher nicht kennen, wurde ich in die Ideenwelt des alten ägyptischen Gottes Seth eingeführt. Ich habe intensiv zu diesem Thema geforscht und wieder … Mein ganzes Leben ist eine Reihe von Obsessionen, denen ich folge und die mich beschäftigen. Ich fühlte, um wirklich zu verstehen, was Seth bedeutet, musste ich nach Ägypten gehen. Ich hatte kein Geld und ich war sehr jung.

Neunzehn oder so…?
Zwanzig, einundzwanzig, denke ich. Ich ging nach Ägypten und wollte all die magischen Plätze der alten ägyptischen Religion sehen und dort hatte ich eine visionäre Erfahrung, die mich davon überzeugte, dass Seth ein existierendes Wesen ist, eine Intelligenz, die mit der Menschheit kommunizieren kann. Das war die erste Erfahrung, die mich absolut von der Existenz göttlicher Wesenheiten überzeugte, davon, dass Götter existieren.

In welcher Form? Du hattest eine Art Kommunikation…?
Ich hatte definitiv eine Kommunikation und ich bekam einen Befehl, einen Befehl von Seth. Ich hatte Amerika wegen dieser rechten, christlich-fundamentalistischen Ronald-Reagan-Zeit verlassen und ich dachte, ich muss aus Amerika fliehen, denn es ist zum Untergang verurteilt. Was sich auch als richtig herausgestellt hat. Sicher, es ist verrückt, nach Ägypten zu gehen, als ob eine islamische Diktatur besser wäre, aber ich war jung und hatte eine romantische Vorstellung von der Flucht in die antike Vergangenheit. Ich wollte mich in Ägypten niederlassen und von der Welt Abstand nehmen, um mich nur auf Magie und Meditation zu konzentrieren. Aber von Seth erhielt ich in Ägypten die Botschaft, dass ich ein Feigling sei, wenn ich Amerika verlasse. Ich sollte zurückgehen und kämpfen…
Wenn ich vom „Kampf gegen das Christentum“ spreche, meine ich den Kampf gegen diese rechte, fundamentalistisch-christliche Perversion der christlichen Religion, davon, die alten Götter zurück in das „feindliche Gebiet“ zu bringen. Das Erlebnis hat mich auch inspiriert, Musik zu verwenden, da ich als Teil dieser Erfahrung Geräusche hörte und sie als Möglichkeit wahrnahm, das Bewusstsein zu verändern. Musik ist nicht nur Unterhaltung, sie ist auf eine sehr tiefe Weise in der Lage, das Bewusstsein zu ändern. Durch die Kreation bestimmter Klänge und Frequenzen dringt sie tiefer in die Köpfe der Menschen als Worte oder eine lineare rationale Kommunikation.

Darüber hast Du auch im Booklet des ersten Albums („The Fiery Summons“) geschrieben…
Richtig. Diese Erfahrung war ein direkter Einfluss auf die Entscheidung, Musik als mein wichtigstes magisches Werkzeug und meine wichtigste spirituelle Form der Kommunikation zu verwenden.
Etwa 2002 sind meine Frau Zeena und ich offiziell zum tantrischen Buddhismus konvertiert, zum Vajrayana-Buddhismus, der im Westen als Tibetischer Buddhismus bekannt ist. Ich habe seit meiner Jugend stets meditiert, aber seit der Konversion zum tantrischen Buddhismus bin ich mir sicher, dass dies das Ende meiner sehr langen spirituellen Suche ist, die mich vom griechischen und nordischen Heidentum über ägyptische Magie und Teufelsanbetung geführt hat… Letztlich sind dies aber alles Stationen der gleichen spirituellen Suche, der Suche nach dem „Was ist Wahrheit, was ist Realität?“

Du sagtest, dass Du zum tantrischen Buddhismus oder tibetischen Buddhismus konvertiert bist. Kannst Du uns bitte die wichtigsten Konzepte erläutern?
Das ist sehr kompliziert aber das Wichtigste ist wohl, zu verstehen, dass diese Realität, die wir erleben, eine Illusion ist. Sie ist eine Art Halluzination. Es ist ein Bewusstseinsniveau wie ein Traum, ein traumähnlicher Zustand des Bewusstseins. Es ist nicht die letzte Wirklichkeit. Das Wort Buddha oder Buddhist bedeutet in Sanskrit „Erwachen“ bzw. zu erwachen. Der entscheidende Punkt des Buddhismus, des Vajrayana Buddhismus und letztendlich aller Schulen des Buddhismus ist es, aus diesem traumähnlichen Zustand der Illusion in dem wir uns befinden, zu erwachen. Das ist das ultimative Ziel. Um die Natur der Wirklichkeit zu verstehen, was die erste Lehre Buddhas ist, muss man lernen, zu meditieren. Du musst lernen, den Irrsinn der mentalen Prozesse zu beruhigen. All dieses diskursive Denken. Die Art und Weise, wie unser Geist uns im Denkprozess hinweg trägt. Das erste, das es mitzuteilen gibt, ist, dass du lernen musst, zu meditieren, lernen, die Natur deines Geistes zu verstehen. Denn die Realität, die wir erleben, ist unser Geist. Wenn du deinen Geist beruhigst…
Als Beispiel: Wir hier sitzen hier im Moment an einem See. Wenn Du auf den See schaust, ist es schwer zu sehen, was unter der Oberfläche ist, weil sich das Wasser bewegt. Und unser Geist ist ebenso. Wenn sich unsere Gedanken sehr schnell bewegen, können wir nicht sehen, was unser Geist ist. Vielleicht ist die wichtigste Sache, die man am Buddhismus verstehen muss, die Notwendigkeit, den Geist zu beruhigen, zu meditieren, so dass wir die Natur der Realität richtig sehen. Durch Meditation kann man lernen, wie man man dem halluzinatorischen Zustand der Illusion entgeht, in dem wir uns befinden. Das ist auf einem sehr einfachen Niveau vielleicht die Essenz des Ganzen.

Was passiert, wenn ich „erwache“? Komme ich mit dem Leben, wie es ist, noch klar oder wird es sogar einfacher?
Ja, es macht es einfacher, aber weißt du, was ein Klartraum ist? Du hast einen Traum in einem Traum, und Du erwachst und erkennst im Schlaf, dass du träumst. Es ist möglich, in diesem Leben aus dem Traum, in dem wir uns alle befinden, zu erwachen und zu erkennen, das alles eine Illusion ist, ein Traum. Und ja, dann wird es einfacher alles zu handhaben, weil man die wahre Natur des Ganzen sieht und beginnt, alles nicht zu ernst zu nehmen; man beginnt, nicht mehr so sehr beteiligt an all den Dramen zu sein. Und dies führt langsam zum Prozess der sogenannten Befreiung. Dies bedeutet die Befreiung von den Leiden dieser physischen Welt und führt letztlich dazu, den Prozess zu beenden, der im Westen als Reinkarnation bekannt ist, der Wiedergeburt. Im Buddhismus ist die Wiedergeburt ein Problem; wir wollen den Kreislauf der Wiedergeburt durchbrechen.

Das ist nur ein Ziel für eine Einzelperson. Es gibt kein Ziel für die ganze Menschheit?
Nein. Ein Merkmal des tantrischen Buddhismus ist es, wenn du dich selbst befreist, kannst du alle befreien, alle Wesen. Das schließt Tiere, Dämonen, Geister, Götter, Menschen ein… Das Ziel ist es, Mitgefühl für alle Wesen zu entwickeln, für jedes einzelne Wesen, einschließlich deiner Feinde, ohne Ausnahme. Es geht darum, Mitgefühl für alle Wesen zu haben und zu helfen, sie zu befreien.

Andernfalls wäre mir das Ganze ein wenig zu egozentrisch, wenn sich jeder nur um sich selbst kümmert…
Ja, das ist der Unterschied zwischen Hineyana Buddhismus, der in Ländern wie Sri Lanka praktiziert wird, der nur die eigene Befreiung zum Inhalt hat. Tantrischer Buddhismus, das Bodhisattva-Konzept ist anders… Als wenn Du ein Gefangener in einem Gefängnis bist. Wenn Du den Weg aus dem Gefängnis gefunden hast, liegt es in deiner Verantwortung, den anderen Gefangenen herauszuhelfen. Tantrischer Buddhismus versucht, alle Wesen zu befreien.

Und es ist Deine Aufgabe als Lehrer, andere zu befreien, ihnen zu helfen, sich selbst zu befreien?
Ja. Aber ich kann andere nicht befreien. Ich kann ihnen die Methoden lehren, die Buddha seit Tausenden von Jahren überliefert hat. Diese sehr bestimmten, spezifischen Methoden, die funktionieren. Nicht eine Theorie, nicht eine Idee, sondern wirksame Praktiken, die, wenn du sie anwendest, wirken und dich von deiner Illusion befreien. Sie wecken dich langsam auf und dann kannst du lernen, dich selbst zu befreien.
Meditation ist der Grundstein aller Formen des Buddhismus aber es gibt sehr viele Methoden. Zum Beispiel wird Buddha nachgesagt, er habe 84.000 Techniken gelehrt, weil es so viele verschiedene Arten von Menschen gibt und Buddha hat jedem gelehrt, was immer der brauchte, hat eine Methode entwickelt, mit der sich dieser Mensch befreien kann.
Die Leute denken oft, weil ich sehr fest für meine Überzeugungen eintrete, ich würde anderen Menschen sagen, sie sollten diesen Weg gehen oder jenes glauben. Doch das ist eine private Angelegenheit. Wenn jemand an meiner spirituellen Praxis interessiert ist, dann ist das in Ordnung und ich bin glücklich darüber aber jeder sollte seinen eigenen spirituellen Weg finden.

Wie ist deine Erfahrung als spiritueller Lehrer? Erwarten die Leute etwas anderes?
Nun, die Leute gelangen zu einer spirituellen Lehrer-Schüler-Beziehung mit allen möglichen Erwartungen. Und es ist sehr harte Arbeit, denn im Grunde gebe ich den Schülern Methoden, allein da zu sitzen und ihre eigenen Geist zu betrachten und zu verstehen, wer sie sind, die Wirklichkeit richtig zu sehen. Es erfordert viel Disziplin, viel Geduld, viel Zeit und viel Energie. Sie müssen sich dieser Aufgabe wirklich widmen und müssen verstehen, wie dringend es ist, die Befreiung zu erreichen. Sie benötigen eine sehr starke Motivation. Das ist nicht nur ein Hobby…
Ich wähle meine Schüler sehr sorgfältig. Es muss jemand sein, der es wirklich ernst meint und versteht, dass dies etwas ist, das eine Menge harter Arbeit erfordert.

Teil II – Radio Werewolf

Radio Werewolf, um zur Musik zu kommen, ist ebenfalls eine spirituelle Formation. Was war die ursprüngliche Idee? Gab es einen Plan oder Konzept?
Ich würde sagen, es gab nicht wirklich einen Plan. Die ursprünglichen Radio Werewolf, die im Jahr 1984 in Los Angeles gegründet wurden, war in der Tat eine künstlerische Projektion meines Bewusstseins zu diesem Zeitpunkt. Ich sah die Band als magische Operation.
Zu dieser Zeit führte ich zeremonielle Magie auf die traditionelle Art in einer Ritualkammer durch. Und ich führte mit Radio Werwolf magische Rituale in der Öffentlichkeit durch, wobei wir das Format der populären Musik auf eine manipulative Art nutzten, um magischen Energien direkt in die Populärkultur zu tragen. Es gab auch ein Maß an Selbstparodie in den extreme Dingen, die ich tat. Ich glaube nicht, dass die Leute sehen, wie viel schwarzer Humor und Selbstparodie darin lag. Ich habe diese sehr extremen Personas verkörpert und rituelle Handlungen durchgeführt, um vollständig all das zu verkörpern, was die Leute gehasst haben oder von dem sie dachten, es sei böse. Das hat seinen Ursprung im Theater; ich habe Theater gespielt. Auch mein Gesangsstil entstammt mehr dem Musiktheater, wo man einen Charakter annimmt und dieser Charakter wird. Weil ich diese Dinge mit einem tödlichen Ernst getan habe, dachten die Leute, alles wäre zu 100 Prozent ernst gemeint. Ich glaube, dass mein Sinn für Humor im Zusammenhang mit Radio Werwolf meist nicht verstanden wurde.

Es gibt auf Youtube immer noch das Video von „1960 Cadillac Hearse (Leichenwagen)“. Dort spielt ihr auf einer Bar Mizwa oder etwas in der Art…
„1960 Cadillac Hearse“ war eine Hommage an die kalifornischen Autos und Beach Boys Songs über Autos. Die Performance, die man auf Youtube sehen kann, ich weiß nicht, ob dass viele verstanden haben, stammt aus einem Film namens „Mortuary Academy“ (Leichenhallen Akademie); Radio Werwolf wurde für den Auftritt angeheuert. Das Witzige daran war, dass das Skript für den Film entstand, bevor der Regisseur Radio Werwolf kannte. In diesem Film gab es eine bösartige Band, die bei einem Autounfall getötet und dann in einer zwielichtigen Leichenhalle wieder zum Leben erweckt wurde, damit sie ein Reunion-Konzert bei einer Bar Mizwa gibt. Das passte so unglaublich gut zum Image von Radio Werewolf der damaligen Zeit, dass wir engagiert wurden, denn wir passten perfekt zu den fiktiven Charakteren. Das Besondere war, dass wir tot waren und wie Frankensteins Monster wieder zum Leben erweckt wurden.

Das ist sehr witzig und ich kann nicht verstehen, dass viele das nicht sehen, vielleicht…
Nun, die Menschen sehen, was sie sehen wollen. Das habe ich gelernt.

Es gibt das Lied „Buried Alive“ auf dem „American Gothic Sampler“. Kannst Du etwas über diese Szene dieser Zeit sagen? Wart Ihr in diese Gothic Szene involviert?
Ja. „Buried Alive“ ist ein interessanter Song, denn er war eine Zusammenarbeit zwischen James Collord, dem ursprünglichen Bassisten von Radio Werewolf und mir. Es war der erste Song, den wir zusammen geschrieben haben. „Buried Alive“ ist der wohl der populärste der frühen Songs von Radio Werwolf geworden, weil er auf dem „American Gothic“-Sampler erschien. Interessant gerade im Zusammenhang damit, dass wir dieses Interview hier in Deutschland führen, ist der Club namens „The Crypt“ in Los Angeles. Für eine Weile war er das Zentrum dieser sehr im Untergrund angesiedelten Gothic-Szene. Ich selbst habe nie die Ausdrücke Gothic oder Death Rock verwendet, denn ich hasse diese Kategorien und Klischees. Radio Werewolf eröffneten den Club, der von einem deutschen Paar geführt wurde. „The Crypt“ hatte eine sehr deutsche, teutonische Aura, diese kleine Unterwelt oder Subkultur der kalifornischen Gothic-Szene, weil der Club von dem deutschen Paar geleitet wurde. Als sie „American Gothic“ herausbrachten mit „Buried Alive“ darauf, wurde das Stück in Deutschland sehr populär. Radio Werewolf, die ein kalifornisches Phänomen waren, erreichten so von Anfang an, ein deutschen Publikum, was sehr seltsam war. Das führte zu vielen Interviews mit deutschen Mainstream-Magazinen. Lange bevor ich hierher zog, hatte Radio Werwolf eine Fangemeinde in Deutschland, eben wegen „Buried Alive“ und dem Sampler. Ein Resultat davon ist wahrscheinlich auch der Vertrag, den Radio Werewolf mit Gymnastic Records aus München schloss. Dass war eine direkte Folge von „Buried Alive“.
Interessant ist auch, wie manche Dinge im Leben wiederkehren. James Collord und ich arbeiten wieder zusammen an unserem neuen Projekt „Kingdom Of Heaven“. Auf eine gewisse Art ist „Buried Alive“ somit auch der Anfang von „Kingdom Of Heaven“, denn wir arbeiten wieder gemeinsam an neuer Musik.

Kommen wir zur Gymnastic-Frage: Ich erinnere mich, dass das Label recht plötzlich verschwand, von einem Tag zum anderen. Weißt Du, was da passiert ist?
Ich kenne nicht alle Details. Alles, was ich sagen kann, ist, dass sich Gymnastic Records, das Label wurde von Carl D. Erling in München geführt, einer große Auswahl verschiedener eklektischer Bands widmete. Was schließlich passiert ist, ist, dass Erling Chrome Records gründete, und exklusiver Manager und Promoter von Deine Lakaien wurde, einer der Bands auf Gymnastics. Aber ich weiß wirklich nicht genau, was passiert ist und warum das Label so plötzlich verschwand.

Du hast mehrfach die „Satanic Panic“ erwähnt. Kannst Du uns bitte erklären, was es mit diesem Begriff auf sich hat?
Ja. Ich denke, für ein deutsches Publikum, und für jemanden der wie du aus Ostdeutschland kommt, ist es unmöglich, sich das vorzustellen… In Ost-Deutschland war Religion ja praktisch verboten (Das stimmt zwar so nicht aber das ist ein sehr komplexes Thema, das an dieser Stelle nicht erläutert werden kann), für die Regierung war das Christentum ein Problem. Im Amerika der 80er Jahre kam mit der republikanischen Ronald-Reagan-Regierung wieder diese sehr korrupte, perverse, politische Version des fundamentalistischen Christentums an die Macht, die damals zu einer Art Staatsreligion wurde. Das wendete sich völlig gegen die ursprüngliche amerikanische Idee der Trennung von Kirche und Staat und in den frühen 80er Jahren, nachdem Ronald Reagan gewählt wurde, gab es eine rechte christliche Hexenjagd gegen jede Form alternativer Religionen. Amerika hatte immer einen Sündenbock… Zuerst haben die Amerikaner die Indianer umgebracht, dann gab es die Rote Angst (Red Scare) und die Kommunisten wurden verteufelt. Dann folgte die Satanische Panik (Satanic Panic) und jetzt sind es die islamischen Terroristen. Amerika braucht immer einen Feind und in den 80er Jahren waren Okkultismus und Satanismus der Feind.
Die rechten christlichen Politiker brauchten einen Sündenbock, etwas über das man sagen kann: Hier ist der Feind, der Bösewicht, der Erzfeind. Sie schufen eine künstliche Panik, indem sie diese ganzen verrückten Gerüchte über Kindesopfer verbreiteten… Das erinnert sehr an die heutige Zeit, in der viele Menschen an eine Illuminaten-Verschwörung glauben. Im Internet findet man unzählige Beiträge von Menschen, die überzeugt sind, dass die Illuminaten alles steuern. Ich denke, die Wurzeln dafür liegen in der Satanic Panic, der achtziger Jahre in Amerika. Für Europäer ist es schwer vorstellbar, wie primitiv und fundamentalistisch diese Art von rechtsextremistischem Christentum in Amerika ist und wie der politische Apparat damals Polizei und Medien nutzte, um diese rechte christliche Agenda voranzutreiben.

Konzerte wurden verboten und es gab Medienangriffe gegen Euch…
Radio Werewolf haben immer gern provoziert und sind bewusst auf Konfrontation aus gewesen. Als wir begannen, war ich, wie ich bereits sagte, etwas naiv und ich habe nicht einmal bemerkt… Ich meine, Leute werfen mir oft vor, zu schocken um des Schocks willen, aber das war niemals etwas was ich wollte. Ich war so, wie ich war, und die Leute hatten damit klar zu kommen. Als es aber aufgrund der satanischen Panik diese sehr starken Reaktionen gab, habe ich immer nachgelegt. Ich dachte mir, wenn euch das schon aufregt, dann treibe ich es weiter und weiter und weiter. Es wurde fast wie ein Spiel, bei dem es darum ging, zu sehen, wie weit ich gehen kann. Ich habe bewusst mit diesen Ideen von satanischer Musik, satanischen Rückwärts-Botschaften und Gedankenkontrolle gespielt.

Wurde es jemals gefährlich für Dich?
Ja, das Spiel wurde gefährlich. In Deutschland ist das schwer vorstellbar, da es als eine Subkultur, eine Musik gesehen wird. Wir wurden von der Polizei schikaniert und Konzerte wurden abgesagt. Leute sind mir gefolgt und bis zu meinem Haus gekommen, um mir Angst einzujagen. Ja, es wurde sehr gefährlich für mich. Später, als ich Zeena (Zeena Lavey, Tochter von Anton Szandor Lavey) heiratete, damals Hohepriesterin der Church of Satan, war sie es, die quasi im Alleingang gegen diese satanische Panik kämpfte. Sie war die Einzige, die im nationalen Fernsehen auftrat, um einer Stimme der Vernunft gegen diesen Wahnsinn Gehör zu verschaffen.

Als Radio Werwolf habt Ihr veröffentlicht…
Radio Werewolf haben ingesamt sieben Releases veröffentlicht.

Ich denke, sechs sind den Fans bekannt, 12″ und drei Alben, aber das erste Album ist irgendwie verloren gegangen.
Ja, auf dem ersten Album liegt bis zum heutigen Tag ein Fluch. Vor etwa zwei Jahren sprach ich mit den anderen Gründungsmitgliedern sie gaben ihre Zustimmung, das Album herauszubringen, doch bisher ist nichts passiert, weil scheinbar diese Energie anhält. In der Tat war die ganze Radio Werwolf Erfahrung sehr schwierig, alles führte zu einem großen Drama oder einer Krise. Ich weiß nicht, ob das erste Album überhaupt jemals veröffentlicht wird! Es fragt mich immer wieder jemand danach und ich habe es ernsthaft versucht aber es bleibt abzuwarten, ob die Originalbänder tatsächlich wieder hergestellt werden können. Eigentlich sind sie bereit, aber das ist ein Teil des Radio Werwolf Fluches. Vielleicht bleibt es ein verschollenes Album.

Was geschah genau in dieser Zeit, warum wurde das Album nicht veröffentlicht?
Evil Wilhelm, der Schlagzeuger von Radio Werewolf, beschloss plötzlich, die Band zu verlassen und so musste sich das ganze Konzept ändern. Mit „The Fiery Summons“ ging ich musikalisch in eine andere Richtung und das was nicht veröffentlicht wird, wird zur Legende. Es ist wie beim „Smile“-Album der Beach Boys.

Es ergab damals keinen Sinn das Album zu veröffentlichen?
Wir hätten es tun können aber am Anfang nach der Trennung hatten Evil Wilhelm und ich eine sehr feindselige Beziehung. Seitdem haben wir unsere Freundschaft repariert und wir sprechen wieder miteinander, aber das ist der Grund dafür, dass das erste Album so lange in Vergessenheit geriet. Vielleicht wird es in hundert Jahren endlich veröffentlicht aber ich kann nichts versprechen.

Du hast nach „Songs Of The End Of The World“ aufgehört, Alben zu veröffentlichen…
Nein, nach „Love Conquers All“. „Love Conquers All“ war der bewusst gewählte Schlusspunkt, das Ende des Radio Werwolf Ritual. Wenn man alle Alben und EPs in der richtigen Reihenfolge hört, dann bilden Sie einen Zyklus mit einem Anfang und einem Ende. Radio Werewolf war nie als Band konzipiert, es war ein Ritual. Ein Ritual beginnt und dann muss es zu einem Ende gebracht werden. Und dann sieht man das Ergebnis.

Du begannst mit „The Fiery Summons“…
Ja, dann folgten “The Lightning And The Sun”, “Songs Of The End Of The World”, “Bring Me The Head Of Geraldo Rivera!”, “Witchcraft/Boots” und “Loves Conquers All”. Durch alle Platten zieht sich ein roter Faden, eine Geschichte wird erzählt. Es ist ein Ritual mit Anfang und Ende. Auch wenn ich nicht mehr die gleiche Person bin, wie die, die dieses Radio Werwolf-Ritual durchgeführt hat; der Nachhall, das Echo sind bis zum heutigen Tag zu vernehmen. Erst vergangene Nacht bei diesem Festival (Epicurian Escapism in Berlin) kamen Leute auf mich zu, die sehr beeinflusst von Radio Werewolf waren. Auf eine gewisse Art hat Radio Werewolf sein eigenes Leben, auch ohne mich und selbst wenn ich tot wäre, würde es weiter bestehen.

Wie Du sagtest, war der Zyklus abgeschlossen. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass Du nicht Teil des Rock’n’Roll Business werden wolltest?
Ja. Wir wussten immer, dass wir nicht ewig so weiter machen werden, solange die Leute unser Zeug kaufen. Die produktivste Phase von Radio Werewolf waren die Jahre 1988 bis 1993, als Zeena und ich die Band und den Werwolf Orden gemeinsam leiteten. Wir haben entschieden, dass wir unsere Performances nicht live in Nachtclubs und Konzerthallen in den Klischees und Gegebenheiten der Rock-Musik-Welt durchführen können. Wir hatten auch eine Art spirituelle Krise, in der ich, für mich gesprochen, mein eigenes spirituelles Leben wieder in Ordnung bringen musste. Wir brauchten eine Zeit der Selbstreflexion, denn all diese anstrengenden öffentlichen Rituale, der Kampf gegen die Medien und all die Kontroversen, das war wirklich wie in einem Krieg. Von 1984 bis 1993 führten wir einen privaten Krieg. Ich musste nachdenken, welche spirituelle Richtung die passende für mich war, wo mein Leben hingehen soll. Also wandte ich mich wieder ernsthafter Meditation und meiner spirituellen Praxis zu.

Die Alben und 12″ waren als Ritual gedacht. Kannst Du uns etwas über die Konzeption und die Realisierung sagen?
Meine Methode, Musik zu machen, hat sich nicht geändert, nur meine Absicht, meine spirituelle Ausrichtung hat sich geändert. Radio Werwolf war, ich war, wie ein Gefäß oder ein Medium für diese geistigen Kräfte. Für den ersten Teil von Radio Werewolf war dies buchstäblich der Teufel. Ich war das Sprachrohr, ich habe mich herausgenommen und den Teufel durch mich sprechen lassen.

Ich könnte mir vorstellen, dass Du ins Studio gehst, die entsprechenden geistigen Techniken anwendest, um in Trance zu kommen und loslegst…
Ich habe eine Menge Rituale durchgeführt. Ich hatte ein Ritualkammer in meinem Haus und ich habe mit diesen Kräften kommuniziert. Es ist fast wie Besessenheit. So erhielt ich die Inspiration für Texte, Lieder und durch die Arbeit mit anderen Menschen selbstverständlich. Es gab viele Mitwirkende bei Radio Werwolf, Es ist wie, als wenn man durch die Musik eine spirituelle Botschaft in die Welt bringt. All das kam sehr spontan und organisch.

Es war also nicht so, dass Du in Deiner Ritualkammer eine Botschaft erhalten hast und dann ins Studio gegangen bist…
Ja, so war es. Aber an diesem Punkt gab es keine Trennung zwischen Privatleben und meinem öffentlichen Leben, weil ich diese Rituale öffentlich durchführte.

Der andere Weg wäre gewesen, ihr geht ins Studio, schließt alles an, beginnt mit dem Ritual und zeichnet alles auf, was passiert…
Nein, Radio Werwolf arbeitete stets auf eine sehr disziplinierte Art und Weise, nie anarchisch, nicht auf die Rock’n’Roll-Art. In gewisser Weise waren wir ein Anti-Rock-Band. Wir waren zwar in der Musikwelt aber wir arbeiteten wie bei einer militärischen Operation mit dem Aufstellen von Plakaten überall. Unsere Performances waren wie eine politische Kampagne, sehr kontrolliert, diszipliniert, wie ein theatralisches Ritual.
Aber bis zum heutigen Tag hat meine Musik ihre Wurzeln in der Inspiration, sie ist nicht geplant oder ausgedacht. Ich habe eine Vision, ich höre einen Sound, Worte manifestieren sich und ich versuche, diese so rein, wie ich es kann, zu erfassen und zu übermitteln, direkt ohne menschliche Mittel.

Was war der Grund für die Veröffentlichung von „Vinyl Solution“? Gab es viele Nachfragen?
Viele Leute hatten Interesse an den seltenen, limitierten Versionen der Vinyl-Alben, so dass wir schließlich dachten, dass wir es in einer kohärenter Form veröffentlichen, so dass das Konzept aufgeht. Auch in dieser Woche habe ich Anfragen zur Wiederveröffentlichung der Radio Werwolf-Alben erhalten. Wahrscheinlich wird die ganze Serie von Alben und CDs in einer neuen Version erscheinen.

Teil III – Die Schriften

Bevor wir zu Deinem aktuellen Musik-Projekt kommen, wollen wir uns mit dem Schriftsteller beschäftigen. Von Dir gibt es zwei Hauptwerke, der „Manson-Fall“ (The Manson Files) und die Dämonen des Fleisches (Demons Of Flesh)…
Tatsächlich sind alle Bücher sehr gut aufgenommen worden. „Satanic Screen“ war eigentlich das mainstreamigste Buch, das ich geschrieben habe. Es ist allgemein zugänglich und in Bibliotheken verfügbar, sehr breit besprochen und wird auch in Filmschule gelehrt.

Hat das Buch auch eine spirituelle Komponente?
Alles, was ich tue, hat eine tiefere Ebene, eine magische Absicht. Das Buch oder die Platte selbst sind nur ein Rahmen für diese magische Intention. Eigentlich sind alle meine Bücher sehr gut aufgenommen worden, aber ich würde sagen, die „Manson Files“ und „Demons of the Flesh – The Complete Guide to Left Hand Path Sex Magic“ sind sicher ein Phänomen. „Demons…“, das ich gemeinsam mit Zeena geschrieben habe, erscheint bald mit einer neuen Einleitung von ihr, weil das Buch mittlerweile sehr selten geworden ist, ein echtes Sammlerstück.

Die „Manson-Files“ wurde in vielen Interviews diskutiert, die auf Deiner Website verlinkt sind, das Interview mit dem Tate-La-Biancha-Radio gefällt mir besonders gut…
Ja, er wusste wirklich über das Thema Bescheid. Heutzutage lehne ich es ab, mit jemandem zu sprechen, der nicht weiß, wovon er redet.

Warum denkst Du ist der Fall Manson noch immer so aktuell und bewegt die Menschen auch noch nach all diesen Jahren?
Auf eine Art, aus irgendeinem Grund, ist er zu einem Mythos, einer Legende, geworden. Im Sinne von Carl Gustav Jungs Idee vom Archetypen hat der Fall ein eigenes Leben entwickelt. Der Mythos, die Legende hat sich zu etwas Größerem entwickelt, größer als der Fall oder die darin verwickelten Menschen selbst, weil er einige tiefere Fragen der Spiritualität berührt, denke ich. Ich glaube auch, ein wenig verstandener Aspekt ist, dass so vieles in dem Fall mit psychedelischen Drogen zu tun hatte. Die Manson-Morde haben die Art verändert, wie psychedelische Drogen wahrgenommen wurden. Anfangs wurden sie als eine positive Kraft der Befreiung gesehen, dann plötzlich als gefährliche, dunkle, beängstigende Sache, die dich verrückt macht. Ich denke, weil dieses Thema sehr tief das menschliche Bewusstsein berührt, fasziniert es die Menschen so sehr. Zudem spüren die Leute, dass nicht die ganze Wahrheit ans Licht gebracht wurde; sie sind nicht zufrieden. Darum geht es bei meiner neuer Version der „Manson Files“, um die wahre Geschichte der Morde, die völlig anders ist als der Mythos von Helter Skelter. Ein Teil des Mythos ist, dass die Leute den Eindruck haben, dass sie belogen wurden. Deshalb beschäftigen sie sich immer wieder damit, um das Ganze zu verstehen.

Welche Rolle spielte Manson bei den Morden? Soweit ich weiß, war er nicht einmal vor Ort.
Das ist eine sehr komplizierte Sache. Um es so einfach wie möglich auszudrücken, die Morde, jedes einzelne dieser Manson-Verbrechen hatte mit der Tatsache zu tun, dass verschiedene Gruppen in der Hippie-Welt massiv mit Drogen zu tun hatten. Und wenn du mit Drogen dealst und diese illegal sind, musst du Waffen haben und es wird kriminell. Jedes einzelne Manson-Verbrechen, zu denen man Informationen im Internet findet, ich will hier nicht in Details gehen, war im Grunde ein Drogendeal, der aus dem Ruder lief. Das Ganze hatte nichts mit irgendeiner Art von Okkultismus oder Rassenkrieg zu tun. Das mögen Ideen gewesen sein, über die die Manson-Community gesprochen hat. Aber bei den Verbrechen selbst ging es um den Verkauf von Drogen, und zugedrönt lief die Situationen aus dem Ruder und es gab Tote. Die Sharon Tate-Morde sind das bekannteste Verbrechen dieser Art. Der Grund für ihre groteske Natur, warum es aussah wie ein Ritualmord, liegt darin, dass der Mörder Tex Watson und die beteiligten Frauen versucht haben, am Tatort ihre Spuren zu verwischen und das Ganze wie eine verrücktes Mord-Ritual aussehen zu lassen. Es ging darum, die Tatsache zu verschleiern, dass nur ein Drogendeal schiefgelaufen war, was immer wieder passiert.

Es waren viele mächtige Leute beteiligt, auch die Mafia, wie du schreibst…
Ja. Und der Grund für die Verschleierung wird insbesondere bei den Sharon Tate-Morden im Haus von Roman Polanski sichtbar, wo es sich lohnt, genauer hinzuschauen. In Kern wären die Karrieren vieler sehr reicher und beliebter Hollywood-Schauspieler und Rockmusiker zerstört worden und deshalb wurde das Ganze vertuscht.

Die Rolle Mansons bestand also vor allem darin, diese Leute zusammenzubringen?
Manson war Teil des Verbrechens aber nicht der Guru Mastermind. Wie ich klar gezeigt habe, war Manson schuldig, da er wusste, dass diese Morde geschehen waren. Watson und einige seine Mittäter kamen nach dem Mord auf die Spahn-Ranch, wo Manson sich aufhielt und erzählten ihm in Panik: „Das ist alles schrecklich schief gegangen und wir haben diese Menschen getötet“, und sie fragten ihn, was sie tun sollen. Manson war älter und ein Knacki (er hatte bereits im Knast gesessen) und hatte so ein wenig mehr Erfahrungen. Er ist, wie wir das im Englischen nennen, durch die Verbindung mit dem Verbrechen schuldig (Mitwisser), weil er davon wusste und half, das Ganze zu vertuschen. Er half den Mördern, die Fingerabdrücke zu entfernen und Beweise loszuwerden. Auf diese Weise war er schuldig aber er hat die Morde nicht befohlen.

Das Verbrechen war also nie Teil eines satanischen…
Da war absolut nicht Satanisches, Geheimnisvolles, Politisches – Das waren einfach Menschen, die einander kannten und sich nicht fremd waren. Sie wurden eingeladen; kommt um Mitternacht und wir verkaufen euch Drogen. Sie kamen jedoch, um die Drogen zu rauben und es kam zu einem Kampf. Tex Watson, der auf Methedrin war, dreht durch, es eskalierte und bei der gewalttätigen Auseinandersetzung wurde jemand getötet. Und die anderen mussten getötet werden, weil sie Zeugen waren.

Siehst Du eine Chance, dass Manson irgendwann mal aus dem Gefängnis kommt?
Niemals! Nein! Allein der um ihn aufgebauten Mythos als bösester Menschen der Welt macht es den Behörden unmöglich, ihn freizulassen. Ich habe mit ihm gesprochen und bin mir auch nicht sicher, ob er frei sein will.

Das kann ich mir gut vorstellen. Was sollte er nach all den Jahren im Gefängnis auch tun?
Er hat gesagt: Wohin sollte ich gehen? Sobald er das Gefängnis verlässt, wird sofort jemand versuchen, ihn zu töten, weil er als der böseste Mensch auf der Welt gilt. Er hat unglaubliche 60 Jahre seines Lebens im Gefängnis gelebt.

Eines ist seltsam: Hat Kalifornien keine Todesstrafe…?
Es gab die Todesstrafe. Manson wurde zum Tode verurteilt und die Strafe im Jahr 1972 umgewandelt in lebenslänglich, die Todesstrafe wurde abgeschafft. Nun gibt es die Todesstrafe wieder aber sie können ihn nicht rückwirkend töten.

Wäre es nicht einfacher für die Regierung gewesen, ihn zu töten?
Ja, das wäre einfacher gewesen und das war der ursprüngliche Plan. Alles vertuschen, Helter Skelter und dann töten, aber es ist nicht so geschehen. Auch wenn er selbst darüber auf eine sehr rätselhafte Weise spricht, ist schon zu viel von der Wahrheit ans Licht gekommen.

Kommen wir zu „Demons Of The Flesh, der Complete Guide to Left Hand Path Sex Magic“. Sexualmagie kann ich mir als schwierig vorstellen. Sexuelle Dinge sind sehr persönlich. Wie funktioniert das, Menschen Sexualpraktiken zu lehren?
Sexualmagie kann ziemlich leicht durchgeführt werden. Sex ist die stärkste Kraft, eine der stärksten Kräfte – und, um es deutlich zu machen – zwischen einem Mann und einer Frau – zwei Kräfte, die zusammen kommen, um etwas zu schaffen. Das sind die Kräfte, die das Leben schaffen. Die gleiche Kraft, das Leben zu erschaffen kann, kannst du in deinem Geist nutzen, um die Realität zu verändern. Sexualität, die Kraft des Orgasmus und sexuelle Lust sind mächtige Kräfte in dieser Welt. Wenn du sie magisch anstelle biologisch anwendest, dann kann die gleiche Sache, die ein Baby oder ein neues Leben schafft, die Wirklichkeit verändern, wenn du diese Energie in deinen Geist lenkst. Sexualmagie ist relativ einfach auszuführen. Die einfachste Form ist es, deinen Geist während des Orgasmus auf ein besonderes Anliegen zu konzentrieren. Der Orgasmus ist eine Veränderung des Bewusstseins. Es ist ein sehr starker Moment, in dem sich das Bewusstsein verändert und eine Verbindung zum Kosmos entsteht. Wenn du also deinen Geist zu disziplinieren lernst, um dich auf einen bestimmten Wunsch oder Plan im Moment des Orgasmus zu konzentrieren und, wenn man sich zwei Leute denkt, die das Gleiche zur gleichen Zeit tun, ist es sehr wahrscheinlich, dass ein Ergebnis herauskommt. Das ist die Sexualmagie! Sex für die Befreiung, als mystische Erfahrung zu nutzen, um sich tatsächlich zu befreien vom Zustand des Menschseins. Das ist eine ganz anderes Niveau und extrem schwierig. Das erfordert Jahre der Meditation, Yoga, das Verständnis der Energien des Körpers und des Geistes, und dann wird es etwas ganz anderes als normaler Sex. Es bedeutet im Grunde, Sex und die sexuellen Energien zwischen Mann und Frau als eine Form der Meditation oder des Yoga  zu nutzen. Es erfordert ein hohes Maß an Vertrauen und das setzt das völlige Fehlen der „Spiele“ voraus, die in menschlichen Beziehungen auftreten.

Was ist das besondere Left Hand Path (Der Pfad zur linken Hand)…
Der Left Hand Path ist eine der am meisten missverstandenen und missbrauchten Phrasen in esoterischen Terminologie. Leider wird der Left Hand Path im westlichen Okkultismus fälschlicherweise als der Weg des Bösen verstanden. Die Schwarze Magie als Selbstsucht, individuelle, egozentrische Manipulation aber das ist nicht die wahre Bedeutung des Left Hand Path. Menschen wie die Theosophin Madame Blavatsky, Aleister Crowley, Anton Lavey und all diese Pop-Kultur Okkultisten haben die wahre Bedeutung des Left Hand Path pervertiert und nahezu in sein Gegenteil verkehrt. Der wahre Left Hand Path kommt aus der mystischen Tradition Indiens, aus dem tantrischen Hinduismus und tantrischen Buddhismus. Wir haben eine rechte Hand und eine linke Hand. Die linke Hand steht für die weibliche Energie, die rechte Hand für die männliche Energie.
Wer sich auf dem Pfad zur linken Hand bewegt, verehrt bzw. enthüllt das weibliche Prinzip, das Prinzip der Weisheit. Der linkshändige Pfad ist kein Satanismus, ist keine Schwarze Magie. Es bedeutet eigentlich die Verehrung des weiblichen Prinzips als die Quelle der Weisheit.

Soweit zu Deinen wichtigsten Schriften. Sind neue Werke geplant? Du sagtest, es wird eine Wiederveröffentlichung dieser beiden Bücher geben…
Ja, Zeena hat eine neue Einführung für „Demons Of The Flesh“ verfasst. Was meine eigenen Schriften angeht, so arbeite ich an meiner Autobiographie, mit der mich mein französischer Verlag beauftragt hat. Das nimmt viel mehr Zeit in Anspruch und ist eine größere Herausforderung als ich gedacht habe, aber ich denke, es wird sehr aufschlussreich werden.
Ich habe eine lange Reihe von Geschichten unter dem Namen „Das Dallas Totenbuch“ geschrieben, die in den frühen 60er Jahren spielen – eine Vorschau darauf gibt es auf meinem Youtube-Kanal im Beitrag für National Public Radio in Berlin zu hören. Es geht um die CIA, psychedelische Forschung, die Ermordung Kennedys… Das sind die nächsten zwei literarischen Projekte. In den letzten zehn Jahren sind eine Menge Texte entstanden und jetzt werde ich mich wieder völlig auf die Musik konzentrieren.

Teil IV – Kingdom Of Heaven (Königreich des Himmels)

Damit wären wir bei Deinem aktuellen Projekt Kingdom Of Heaven! Ich kenne nur das eine Stück [The Ballad Of Lurleen Tyler], zu dem es ein Video gibt. Es wirkte auf mich wie einer dieser TV-Prediger…
Genau, es ist eine Parodie auf diese Art von rechten Fernsehpredigern, die seit langem ein Stachel in meinem Fleisch sind. Also habe ich den Charakter dieses sehr amerikanischen Baptist Geschäfts-Christentums angenommen.

Ist das die neue Richtung, in die ihr geht?
Nein gar nicht. Kingdom Of Heaven ist eine sehr vielseitiges Projekt. Bei diesem Stück haben wir mit traditioneller Gospel Musik gearbeitet, um unsere Geschichte zu erzählen. Doch jedes Lied von Kingdom Of Heaven ist völlig anders. Es ist wohl immer so, dass die Leute nach dem ersten Stück denken, dass ist jetzt die Richtung, aber das ist nur ein ganz bestimmtes Lied. Was James Collord und ich mit Kingdom Of Heaven machen, deckt ein sehr breites Spektrum ab. Auf meinem Youtube-Kanal kannst du dir die amerikanische Premiere von zwei weiteren Songs anhören, „In Dreamland“, bei dem es um eine UFO-Heimsuchung geht mit einem regelrechten Science-Fiction-Gefühl und „Midnight in Kairo“ mit einer arabischen Stimmung. Eine sehr breite Palette von Musikrichtungen also.

Wann können wir das Album erwarten?
Ich hoffe, bis Ende des Jahres haben wir das Album fertiggestellt und produziert und es ist bereit zur Veröffentlichung.

Habt Ihr schon ein Label dafür?
Nein, wir sind immer noch am verhandeln. Kingdom Of Heaven ist ein sehr ehrgeiziges Projekt, das sehr gut finanzierte Touren erfordert.

Ihr wollt also live spielen?
Ja. Das Ganze ist ein Live-Phänomen.

Welche anderen Pläne hast Du?
Kingdom Of Heaven ist ein Bandprojekt, das ich mit James Collord vorantreibe. Meine Solo-Arbeit bewegt sich mehr in eine avantgardistische Richtung. Die erste Manifestation dieser neuen Solo-Aktivitäten ist meine Arbeit mit John Murphy beim Konzert in Dresden, das bevorsteht.

Was können wir von diesem Ritual erwarten?
Wenn ich sage, dass es ein Klangritual ist, so bezieht sich das auf musikalische Konzept. Es wird für die meisten Menschen nicht wie ein Ritual erscheinen. Obwohl ich mich in einem bestimmten Bewusstseinszustand befinden werde, um in diesem Sinne die Göttin, die weibliche Gottheit, zu evozieren. Ich werde somit zum Träger der Kräfte der Göttin. Das ist der Kern der Left Hand Path- Erfahrung. Aber es ist auch eine Hommage an die Muse, die Musik und Kunst inspiriert, eine Rückbesinnung auf das weibliche Prinzip.
Das Konzert beginnt mit einer musikalischen Version von Goethes „Das ewig Weibliche zieht uns hinan“, das Herzstück dieser Musik. Die lässt sich keinem Genre, keiner Kategorie zuordnen. Alle neuen Songs, die ich komponiert habe, werden zum ersten Mal exklusiv bei diesem Dresden-Konzert am 27. September im Rahmen des Tower Transmissions-Festival aufgeführt. Um sie zu verstehen, müssen sie erfahren, in einer Live-Umgebung erlebt werden. Es ist wichtig, dass der Sänger und das Publikum zusammenarbeiten, damit die Erfahrung geschehen kann.

Ich denke, weibliche Energie ist etwas, was die Industrial-Szene wirklich braucht…
Dringend braucht! Ich habe mich niemals selbst als Teil einer Szene betrachtet, obwohl andere mich dort eingeordnet haben. Ich habe mich da nie heimisch gefühlt. Und ja, dieses Konzert wendet sich insbesondere gegen diese ganze männliche, starre Macho-Energie. Ich denke, diese hat tatsächlich die ganze Avantgarde in Europa und Amerika beschränkt. Ich als Mann verfolge durch die Inkarnation der weiblichen Energie die magischen Absicht, die Kreativität, Flexibilität und Freiheit sowie die Kraft, die weibliche Kreativität in die Kunst einbringt, zu stärken. Die Performance ist auch ein Statement gegen Sexismus, Frauenfeindlichkeit, gegen die Geringschätzung der Frauen, die ich in dieser Szene sehr deutlich sehe. Ich denke, bisher hat sich wirklich niemand dagegen ausgesprochen.

Zumindest sehr selten…
Also ich freue mich auf das Konzert und möchte mich bedanken, dass Du die Zeit für dieses Interview gefunden hast.

Es war mir eine Freude und ich schätze deine intelligenten und durchdachten Fragen. Ich gebe nicht viele Interviews, aber ich schätze die Sensibilität mit der Du Deine Fragen stellst. Danke …

Mehr Informationen über die Person und das Werk von Nikolas Schreck findet Ihr auf seiner Website: NIKOLASSCHRECK.EU

 

Danke an meine Frau für die zahlreichen Korrekturen!

Ein Kommentar

  1. Sehr gutes Interview. Doch ich finde er strickt sich auch nur ein Teil der Wahrheit über die Tate Morde, Manson ist ein Penner, er hat seine Leute, welche extrem psychisch abhängig waren ausgenommen, von der körperlichen Abhängigkeit mal abgesehen. Er saß nicht einfach nur herum an den besagten Abend und sah sich die Andy Griffith Show an. Auch wenn er nicht dabei war, so hat er von dem was alles von allen Seiten geschrieben steht, einen erheblichen Anteil daran. Ein wenig naiv wirkt es von Schrecks Seite schon. Ich finde so ein Typ wie Manson hat nur eine Funktion, es ist wie mit Religionen, er hat eine Anziehung auf eine Art von etwas undefinierbaren. Er ist genauso Gefährlich in Worten wie ein Religiöser Missionar, es ist nicht der Inhalt, es ist nur die Einwirkung auf schwache Menschen, sie zu manipulieren und für seine Zwecke zu gebrauchen. Doch er verkörpert das Unanständige den Bad Guy of Nation, er darf es, wir können es nicht. Schade das so ein Typ immer noch eine Ikone ist, dass irgendwelche Typen sich mit ihm schmücken, sobald sie ihn besuchen, dann haftet eine Aura an denen, ja es ist schon ein Ritterschlag für Freaks.

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