Artikel zum 20. Wave Gotik Treffen

WGT 2011 – ein Vorbericht

Gelegentlich ernte ich Unverständnis, wenn ich erkläre, dass ich Kaufhäuser und Supermärkte nicht mag. Das Überangebot an Waren raubt mir quasi den Verstand. Ich will und brauch das alles gar nicht. Eine Zahnpasta ist OK, von mir aus fünf aber 50?

Ähnlich fühlt man sich, wenn man auf das Programm des WGT schaut. Da unterscheiden sich die meisten Bands zwar – also um es metaphorisch auszudrücken es gibt nicht nur Zahnpasta sondern auch Kaugummi, Brot und Butter, Pralinen; Vanilleeis oder ’nen Sack Kartoffeln. Ich weiß, der eine oder andere wird bei diesem Vergleich zusammenzucken, schließlich könnte er sich denken, ich will seine Band als Kaugummi verunglimpfen.

Sicher, es gibt in jedem Festivalprogramm Bands, die mir nicht gefallen aber wer zum WGT nach Leipzig fährt und überhaupt nichts für sich gefunden hat, der gehört entweder nicht in die Szene oder ist einfach ein fauler Sack. Denn das ist das Einzigartige am WGT – dass hier in Leipzig eine Unzahl an Facetten einer Szene gezeigt wird, die sich sonst über ganz Europa verstreut und deren Protagonisten manchmal wenig manchmal aber auch enge Freundschaften verbindet. Das WGT ist quasi ein Brennglas, aber auch die Leistungsschau dieser Szene. Da muss man einfach dabei sein. Als Konsument entscheidet man wohl eher nach Preis-Leistungsverhältnis – was kostet’s, was bekomme ich dafür geboten – als Aktivist, zu denen ich mich ganz selbst zähle, interessieren mich zwar auch die Bands und Künstler, die ich gerne einmal (wieder) sehen möchte aber ich genieße auch das Treffen mit zahllosen anderen „Aktivisten“, die man oftmals aus dem Internet, von Konzerten oder Partys flüchtig kennt oder die der Lauf des Lebens an einen entfernten Ort verschlagen hat. In  diesem Sinne: Auf nach Leipzig!

Zu meinen musikalischen Vorlieben, das Wissen Leser dieser Seite sicher schon, zählen Industrial, Noise und experimentelle Klangkunst. Ich begeistere mich für Post Punk, Wave und auch für gute Popmusik. Als langjähriger Szenegänger hängt mein Herz selbstverständlich auch an all den „alten Helden“ wie Sister Of Mercy, The Cure oder Bauhaus. Um noch einmal den Vergleich mit dem Essen zu bemühen: Ich bin kein Gourmet und das einzige Kriterium, das mich interessiert ist, ob’s schmeckt. Dabei stehe ich eher auf gehaltvolle einfach Sachen als allzu künstl(er)ich Aufgeblasenes. Das gilt so auch in der Musik. Aus eben diesen Vorlieben ergeben sich auch meine Empfehlungen. Wie gesagt, das WGT-Kaufhaus ist proppevoll und mir ist es unmöglich, alle Bands unter die Lupe zu nehmen…

Genug gelabert, here we go: Als alter Industrieller möchte ich mit den Empfehlungen aus diesem Genre beginnen. Das Ereignis schlechthin wird wohl der Auftritt von Chris Carter & Cosey Fanny Tutti sein. Die zwei Throbbing Gristle-Musiker haben in den letzten Jahren als CARTER TUTTI eher eine loungige Variante mit Referenzen an Jazz ebenso wie an Dancemusik fabriziert. Als CHRIS & COSEY ist von Ihnen auf jeden Fall ein wesentlich experimentellerer Klang aber mit deutlichem Diskoeinschlag zu erwarten. Was auch immer Chris & Coseys spielen – Coseys Stimme ist für mich der Grund, das Konzert nicht zu verpassen…

Nummer zwei auf meiner Liste ist CLOCK DVA – hoffentlich spielen beide Bands in direkter zeitlicher und räumlicher Nachbarschaft. Die Band ist aus meiner Sicht unterbewertet. Viel zu wenige Hörer kennen das Werk der Briten. Gründer Andi Newton war in den späten 1970ern, frühen 1980ern eine der umtriebigsten Figuren der Sheffielder Szene – by the way: mit Richard H. Kirk und Stephen Mallinder von CABARET VOLTAIRE musizierte Newton 1977 in dem Bandprojekt STUDS, dass mit einer legendäre Performance an der Sheffielder Uni Eindruck hinterließ. Newton spielte zudem in THE ANTI GROUP / TAGC, die auch beim WGT auftreten werden. Diese Psychoakustiker sollte sich kein Fan verrückter Klänge, die sicher zudem von ansprechenden Projektionen verstärkt werden, entgehen lassen.

Mindestens ebenso spannend dürfte der Auftritt von C.3.3. werden. Hinter diesem Pseudonym steckt Mister Paul Jamrozy – offiziell wird von einem Mitbegründer von TEST DEPT. gesprochen. Die industrielle Trommelbrigade mit anarchistischer Weltsicht gehört noch heute zu den wichtigsten Quellen der Szene. Die belgischen MILITIA, die ebenfalls beim WGT zu hören und zu sehen sind, setzen dieses Erbe am konsequentesten fort: Hartes, schweißtreibendes Schlagwerk auf Drums und allerlei Metall, unterlegt mit ambienten bis Noisigen Elektronika. Ich durfte Militia bereits zweimal live erleben und werde auch das dritte Mal dabei sein. Unbedingt auch empfehlenswert für DIVE-Fans (Die wandelnde Szeneinstitution spielt selbstverständlich auch)!

Einige davon wird man sicher auch beim Laptop-Artisten von 100BLUMEN, beim Seitenprojekt des Kiew-Musikers Thedi 13th MONKEY oder bei Herren MARITA SCHRECK treffen, mich wohl eher nicht. Vieles schon gesehen, nicht wirklich mein Ding. Dann gehe ich lieber zu den spacigen ZERO DEGREE oder zu den instrumental-ambienten AUN aka Martin Dumais aus Kanada, den wir im club|debil auch schon als Gast begrüßen durften.

Eher die Tanzstiefel ausgepackt werden auch bei den legendären deutschen PLASTIC NOISE EXPERIENCE, bei den heftig rhythmusbetonten FEINDFLUG und NOISEX oder den tanzflächen-kompatiblen SOMAN und
den mexikanischen HOCICO; alles Namen, zu denen man hierzulande nicht viel schreiben muss. Für mich sind einige dieser Konzerte ein Kann, manche ein No-Go aber niemals ein Muss. Das Kann gilt auch für die Pflichttermine der EBM-Fraktion NITZER EBB und FRONT 242. Wenn sich’s ergibt, schön. Wenn nicht – auch nicht so schlimm. Eher Kategorie drei sind dann DER PRAGER HANDGRIFF und THE ETERNAL AFFLICT, die ich zwar noch nie gesehen habe aber die mich auch nicht wirklich interessieren, haben beide Projekte doch niemals einen allzu großen Eindruck auf mich hinterlassen, auch wenn sie in der Electro-Szene der frühen 1990er sicher nicht ganz unbedeutend waren. Ganz anders sieht das mit POUPPEE FABRIK aus Schweden aus. Die sind zwar klangtechnisch auch zwischen EBM und Electro zu verorten, aber die Band um Henrik Nordvargr Björkk
wird sicher ein energiegeladenes Konzert abliefern, von dem man noch eine Weile sprechen wird. Ein neues Album ist wohl auch schon fertig. Welcome back!

Sicher nicht entgehen lassen werde ich mir die Dark Ambient Projekte INADE und XABEC aus Leipzig. Während die einen zur Speerspitze eines, wie auch immer man dies definieren will, okkulten Ambient und zu meinen absoluten privaten Favoriten gehören, steht das Werk von Manuel Richter aka Xabec viel mehr für eine künstlerische Erforschung des Klanges und damit eher in der Nachbarschaft von Projekten wie Dronament oder Troum.

Ganz anders RAISON D’ETRE und SOPHIA, die romantische bis martialische Komponenten des Ambient betonen, sowie man das vom Label Cold Meat Industry kennt. Landsleute und Teilzeitlabelkollegen KARJALAN
SISSIT
legen noch eine Schippe drauf und mischen ordentlich Noise mit in den Klang. Sehr gewalttätige Musik…

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WGT 2011 – ein Vorbericht Teil 2: Die Gothicbands

Der folgende Abschnitt soll all den Bands gewidmet sein, die ich noch zu meinen Szenelieblingen rechne, also solche, auf die das Prädikat „Wave-Gotik“ zutrifft. Der Einfachheit halber gehe ich vorrangig alphabetisch vor. An erster Stelle steht gleich eine Leipziger Band AGE OF HEAVEN. Die besteht schon seit 1991, bekannt war sie mir seit Mitte der 1990er, zeitweilig besaß ich gar zwei ihrer Alben. Am ehesten sind Age Of Heaven noch mit Love Like Blood zu vergleichen, wenn auch ein klein bisschen poppiger. Offensichtlich hat man jetzt, pünktlich zum 20. WGT nach längerer Schaffenspause wieder neues Material am Start.

Eher am Rande zur Schwarzen Szene gehören die Liverpooler Rocker von ANATHEMA. Gegründet Anfang der 1990er standen die Engländer mal für sehr doomigen Metal. Mittlerweile machen sie eher experimentellen Indierock. Eine Entwicklung ähnlich wie Ulver, von deren Auftritt ich letztens erst enttäuscht nach Hause kam. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, schaue ich mal rein, lange werde ich aber wohl nicht bleiben…

Wesentlich spannender finde ich da den Auftritt von ANDREW KING. Der Musiker aus dem Umfeld der ersten Neofolk-Garde (Current 93, Sol Invictus) hat sich der Interpretation traditioneller Songs verschrieben, die er mit kraftvoller tiefer Stimme vorträgt. So kann man sich gut auch einen Sänger aus dem 15. jahrhundert vorstellen, der über die Märkte zieht. Sehr authentisch aus meiner Sicht und auf jeden Fall einen Besuch wert.

Zu ARTWORK viel zu sagen ist sicher nicht nötig. Das Projekt von Jochen Schobert wurde auch Dank illustrer Gastmusiker wie Alexander Popp (Erblast) und Oswald Henke (Goethes Erben) schnell in der Szene populär. Bei seinen Auftritten bewies das All-Star-Projekt stets nicht nur hohes musikalisches Können sondern auch immer eine gehörige Portion Humor. So erinnere ich mich an ein Konzert bei dem Herr Henke voller Spielfreude den Falco gab.

Bei BACKWORLD handelt es sich um das musikalische Projekt von Joseph Budenholzer, der u.a. auch schon mit Lydia Lunch zusammen arbeitete. Der Sound des Amerikaners, ebenfalls dem World Serpent-Umfeld zuzurechnen, ist ein melancholischer, minimalistischer Neofolk mit vielfach klassischer Instrumentierung. Auf jeden Fall sehr schöne, romantische Musik. Man darf gespannt sein, wer diesmal mit Budenholzer auf der Bühne steht.

Freunde romantischer Musik sollten sich auch keinesfalls die Amis von BLACK TAPE FOR A BLUE GIRL entgehen lassen. Seit 1986 ist das Projekt von Gründer und Songwriter Sam Rosenthal nun schon aktiv, mit ständig wechselnder Besetzung und sich stets veränderndem Sound. Für das aktuelle Werk „10 Neurotics“ hat man sich für einen „rock / dark cabaret“-Stil entschieden, während man anfangs eher im Bereich klassischer Electronics und unter dem Label Heavenly Voices Erfolge feierte. Wer Dresden Dolls mag, wird also auf seine Kosten kommen.

Nicht vorzustellen brauche ich höchstwahrscheinlich DAS ICH. Mancher wird mir zwar eine Affinität zum Mainstream vorwerfen aber ursprünglich fand ich das Duo Ackermann / Kramm nicht schlecht und ich nannte sogar das Erstlingswerk „Die Propheten“ mein eigen (als Original Vinyl übrigens). Wenn man über den Niedergang der Schwarzen Szene lamentiert, hat vielleicht der penetrante Anspruch auf Deutungshoheit von Herrn Gramm einen klitzekleinen Anteil, das Werk von Das Ich muss sich hingegen nicht verstecken. Sowohl textlich/inhaltlich als auch musikalisch hat man das Niveau gehalten, zumindest solange ich das verfolgt habe. Und ähnlich wie Goethes Erben schau ich mir die Konzerte immer wieder gern an. Vielleicht ein bisschen viel Kasperletheater aber das gehört wohl irgendwie auch dazu…

Auch zu DEINE LAKAIEN braucht man nicht viel zu sagen. Die oftmals romantische Musik Ernst Horns in der Kombination mit der unverwechselbaren Stimme Alexander Veljanovs begeistert zu Recht ihre Zuhörer. Mal poppig, mal melancholisch, mal elektronisch-beatlastig, mal klassisch angehaucht ist die Musik auch immer abwechslungsreich. Am besten schaut man sich „die Lakaien“ irgendwo in einem Theater an – die Open Air-Bühne oder gar die agra-Halle finde ich als Umgebung für ihre Musik eher unpassend.

DIORAMA, das Seiten-Projekt von Diary Of Dreams-Musiker Torben Wendt als Synthiepop zu bezeichnen, ist sicher nicht falsch und in diesem Fall auch nicht als Beleidigung gemeint. Die leicht melancholischen Stücke erinnern ein wenig an die Hauptband, allerdings ohne deren Pathos. Ganz angenehme Musik, eher geeignet für nachdenkliche Stunden.

Auch EMPYRIUM gehörten mal zu den Bands, für die ich mich zumindest eine Weile begeisterte. Das Album „Songs Of Moors And Misty Fields“ stand in meinem Plattenschrank und wenn ich heute Stücke wie „Ode To Melancholy“ anhöre, dann spricht mich der epische Metal mit Klassikanleihen noch immer an. Diese Musik kann auch schnell nerven, insbesondere beim Trollengesang, doch in kleinen Dosen genossen, ein leckeres Appetithäppchen aus der Kiste für Theatralik und Melancholie. In der folkigeren Phase, die mich stellenweise dann an Angizia erinnert, haben Empyrium zwar noch immer ansprechende Musik gemacht, mein Ding war’s dann aber eher nicht.

Dass die mitteralterliche Musik ihre Freunde in der Schwarzen Szene ihre Freunde hat, ist sicher kein Geheimnis. Während ESTAMPIE – das Ensemble um Ex-Lakai und Qntl-Musiker Michael Popp dabei mehr die künstlerische (fast schon akademische) Seite der Musik betonen, stehen FAUN wohl eher in der Tradition der Spielleute. Seit allerdings die wunderschöne Sängerin Lisa Pawelke kein Faun mehr ist, hat für mich die Band live an Anziehungskraft verloren. „Mittelalterplatten“ habe ich mir eh noch nie gekauft, wenn man vielleicht von Dead Can Dance absieht. Alter Chauvi, ich weiß!

FIELDS OF THE NEPHILIM gehören zweifelsohne zur Oberliga der Schwarzen Szene, wenn auch die britische Band ihre beste Zeit hinter sich hat. Die eher halbherzigen Comeback-Versuche der Dunklen Cowboy-Rocker haben ihrem Kultstatus nur wenig geschadet und der letzte Auftritt beim WGT (vor zwei Jahren?) war auf jeden Fall sehenswert. Immer wieder gerne!

Nicht zu ganz so viel Ruhm haben es die deutschen Electro Goth Rocker GIRLS UNDER GLASS geschafft aber die Band um Volker Zacharias und Hauke Harms  ist auch schon seit 25 Jahren aktiv und das mit wesentlich mehr Kontinuität als Carl McCoy und Konsorten. Persönlich war mir der Sound dann irgendwann zu gefällig.

Etwas stromlinienförmig klingen auch IN THE NURSERY manchmal und dann wieder ganz experimentell. So richtig lässt sich das Werk der Humberstone-Zwillinge nicht einordnen, was auch nicht verwundert, denn in 30 Jahren Bandgeschichte ist einiges an Alben zwischen „moderner Klassik“ und Synthiepop zusammengekommen.

Den Bandnamen INFRAWARRIOR FEAT. MONIKA RICHARDS, wie auf der WGT-Seite zu lesen, fand ich etwas verwirrend, ist „Infrawarrior“ doch das ein Projekt der Faith & The Muse-Chanteuse MONICA RICHARDS.
Wie auch immer – die Amerikanerin bietet fantastische, mystisch-tribale Musik, die man sich vor allem als Fan von Mother Destruction nicht entgehen lassen sollte. Und eine Stimme hat die Frau, da kann eigentlich nur Siouxsie Sioux mithalten…

Keinesfalls verpassen werde ich die englischen KILLING JOKE, eine der Szenelegenden, die leider viel zu selten spielen. Ihre Hits „Love Like Blood“ und „Eighties“ laufen noch immer auf jeder Szenedisko, doch es wäre sträflich die Band auf diese beiden Songs zu reduzieren. Entstanden 1979 in der Post Punk Zeit hat Killing Joke kontinuierlich ihren dunklen Rock weiter entwickelt und zahlreiche Kollegen beeinflusst. Die ganze Geschichte gibt es hier zu lesen.

„Liebe ist kälter als der Tod“ ist der Name eines Films von Rainer Werner Fassbinder. Die englischen Übersetzung LOVE IS COLDER THAN DEATH hat sich eine Leipziger Formation zum Bandnamen auserkoren, die seit 1990 neoklassische Musik macht. Wer Dead Can Dance mochte, wird auch Love Is Colder Than Death lieben, gibt es doch klanglich viele Parallelen.

Der Name LOVE LIKE BLOOD war ja bereits gefallen und tatsächlich haben sich die deutschen Goth Rockern nach dem Killing Joke-Titel benannt. In den elektrolastigen 1990ern war die Band eine der letzten, auch kommerziell erfolgreichen Bastionen der Gitarrenmusik der hiesigen Szene. Später wurde es dann ruhig um das Gebrüderpaar Gunnar and Yorck Eysel deren Sound immer ein wenig an die englischen Helden, insbesondere an Fields Of The Nephilim erinnerte. Später wendete man sich eher metallischen Klängen zu, was die Band allerdings heute macht, weiß ich nicht zu sagen.

MEPHISTO WALZ wurde 1985 von Barry Galvin gegründet, nachdem der CHRISTIAN DEATH verlassen hatte. Es wird also kaum wundern, wenn der Kalifornier weiterhin Death Rock machte, das Erstlingswerk „Crocosmia“ ist mit Hits wie dem punkigen „Der Sack“ oder dem Stones-Cover „Paint It Black“ definitiv ein Meilenstein des Genres. In ihrer mittlerweile dritten Inkarnation hat die Band gerade wieder ein neues Album veröffentlicht und man bewegt sich immer noch in ähnlichen Gefilden, wenn auch vielleicht der Schwung ein klein wenig verloren gegangen ist.

Wenn es sich ergibt, werde ich mir auch MERCYDESIGN anschauen, die Band um den sehr sympathischen Herren Phelix Schneefeld, die ich schon vor einigen Jahren einmal live sehen konnte. Während man damals noch einen etwas melancholischen Synthiepop spielte, verarbeiten Mercydesign heute Einflüsse aus dem Psychedelischen, was dem Ganzen sehr gut tut.

Wie immer treten beim WGT auch einige Legenden auf, von denen hier jetzt (weil es sich alphabetisch so ergibt) gleich drei in Reihe genannt werden sollen: The Misfits, Nosferatu und Roger O’Donnel. Beginnen wir mit der Exband von GLENN DANZIG, den Horropunkern von THE MISFITS. Die wurden ursprünglich 1977 gegründet, doch bereits 1983 fiel die Originalbesetzung auseinander. Ab 1995 ging Mitbegründer Jerry Only erneut unter dem Namen Misfits an den Start, um einige weitere Platten aufzunehmen, doch ohne Herrn Danzig kann ich dem ganzen recht wenig abgewinnen. Da fehlt irgendwie der Biss.

Nicht viel anders geht es mir mit den englischen Gothrockern NOSFERATU, deren 1993er Album „Rise“ mir eigentlich ganz gut gefiel. Danach wurde mir die Band einfach zu poppig. Hört man jetzt aber auf MySpace in die Stücke rein, so ist das zumindest recht solides Handwerk.

Alte Säcke wie ich, wissen noch, dass ROGER O’DONNELL mal bei THE CURE gespielt und somit einen festen Platz im Goth-Paradies sicher hat. Seine Solomusike ist aber, um ganz ehrlich zu sein, nicht so spannend. Nette Klaviermusike zum chillen. Live wahrscheinlich eher was für die Kirche.

Dort wird man die insbesondere in der Neofolk-Szene hoch angesehenen ROME wohl vergeblich suchen, denn ihre Musik passt eher ans (heidnische) Lagerfeuer.  Dabei haben die Luxemburger aber mehr drauf als zwei Akkorde anzuschlagen und schräg zu singen. Im Gegenteil: Rome arbeiten mit Samples, klassischen Versatzstücken und tanzbaren Rhythmen – und erinnern so an DEATH IN JUNE zu deren besten Zeiten. Der  genretypische Pathos darf selbstverständlich auch nicht fehlen.

Völlig pathosfrei, dafür umso beeindruckender ist der großartige Matt Howden, besser bekannt als SIEBEN. Der baut nämlich aus live aufgenommenen Sounds, die er mit Körper und Violine erzeugt, komplexe, zu Herzen gehende Stücke auf und ist dabei noch ein witziger Entertainer. Eine Ein-Mann-Show, die man unbedingt gesehen haben sollte.

Die Einmannshow Alan Wilder aka RECOIL habe ich gerade erst verpasst, als der in Dresden spielte. War mir dann doch nicht die passende Location – irgendso ein Spießer-Zirkus. Vielleicht nutze ich die Gelegenheit, mir Wilder anzuschauen, dessen Kompositionen immer noch durchblicken lassen, wer bei Depeche Mode für die großartigen Sounds verantwortlich war. Seitdem der Klangbastler weg ist, gelingt es den Helden meiner Jugend nicht mehr, mich zu begeistern.

Für eine ganz andere Art an Freude sorgen die italienischen SPIRITUAL FRONT, die mit ihrem melancholisch-romantischen Pop einfach gute Laune garantieren. Die Bastion der guten Stimmung ist Sänger Simone, der, begleitet von seinen handwerklich großartigen Musikern, Weiblein wie Männlein gleichermaßen um den Finger wickelt. Wirklich großartige Musik für einsame Stunden aber auch solche zu zweit…

Ganze 35 Jahre haben die Punks von THE DAMNED schon auf dem Buckel und wenn wir da mal zurückrechnen, kommen wir bei 1976 raus!!! Die Herrschaften selbst, die zu den Mitbegründern des Punk gezählt werden und den Gothrock wesentlich beeinflussten, sind mittlerweile Mitte 50. Wer jedoch eine entspannte Rentnershow erwartet, der sollte lieber zu Hause bleiben, den die Verdammten haben sich nicht wie viele andere Bands zwischenzeitlich zur Ruhe gesetzt, sondern kontinuierlich weitergearbeitet, wenn auch mit großen Pausen. Ein wenig poppiger als man das von Punk gewohnt ist, klingen die Herrschaften allerdings schon.

Ganz so lange halten die slowakischen THE LAST DAYS OF JESUS noch nicht durch, immerhin gingen die Goth-Rocker um den expressiven Frontmann MaryO 1993 an den Start. Kurze Zeit später muss ich sie dann auch gesehen haben – von damals befindet sich noch ein Tape der Band in meinem Besitz, dass die Slowaken an die wenigen Gäste des Gigs verschenkten. Mittlerweile locken The Last Days Of Jesus garantiert mehr Publikum an, vor allem solches, dass auf Death Rock steht, denn den spielen die Slowaken, vermischt mit allerhand alternativen Stilen, hervorragend.
THE MARCH VIOLETS starteten 1981 gleichzeitig mit The Sisters of Mercy und Red Lorry Yellow Lorry (die leider nicht spielen, was mich sehr traurig macht) im englischen Leeds. Dass da klangliche Ähnlichkeiten zu finden sind, wird kaum niemand wundern, gaben alle drei Bands zudem Drumcomputern vor lebendigen Schlagzeugern den Vorrang. Kein Wunder auch, dass die March Violets ursprünglich auf Mr. Eldritchs Label „Meryful Release“ erschienen, zumindest so lange, bis man sich verkrachte. Insgesamt reichte die Energie der Band für gerade einmal zwei Alben, die heute aber zu den Klassikern des Gothrock gezählt werden können. 1986 warf man bereits das Handtuch. Ein Teil der Musiker bliebt im Rock’nRoll-Business, der Rest tauchte komplett ab. Jetzt sind sie wieder da und das sogar mit einem neuen Album!

Einen echten Exotenbonus haben noch immer Bands aus Russland bei uns. Die aus dem Gothic-Bereich sind, zumindest soweit ich welche kenne, häufig auch zu Recht unbekannt bei uns, spielen hier doch billigste Dance Rhythmen eine wichtige Rolle Die St. Petersburger THEODOR BASTARD sind da ein ganz anderes Kaliber. Die Band spielt seit etwa zehn Jahren eine fantastische spirituelle Weltmusik, die mich, als ich sie kennen lernte stellenweise an DEAD CAN DANCE erinnerte. Mittlerweile ist man allerdings etwas poppiger geworden. Hoffentlich ist der Auftritt in Leipzig endlich der erhoffte Startschuss für eine größere Karriere. Verdient haben es Theodor Bastard auf jeden Fall!

In ihrer Musik ebenso entrückt wie die Russen zeigen sich die holländischen THE LEGENDAYRY PINK DOTS, die seit dreißig Jahren psychedelische Musik vom Feinsten veröffentlichen. Wer schon jemals eine Show der Band gesehen hat, der wird sie nicht vergessen. Frontmann und Derwisch Edward Kaspel versteht es wie kaum ein anderer auf der Klaviatur der Gefühle zu spielen.

Seinen Hang zum Psychedelischen entdeckte Johan Endlund, Frontmann der schwedischen Death Metal-Band TIAMAT irgendwann Mitte der 1990er um fortan, die harten Gitarren ein wenig zu drosseln und zuckersüße
Melodien einfließen zu lassen. Gelegentlich klang das, als wenn Pink Floyd noch vernünftige Musik machten. Mit dem 1994er Album „Wildhoney“ gelangen sogar Charterfolge und ganz offensichtlich ist man dieser Weg auch treu geblieben. Seit dem 1997er Album „A Deeper Kind Of Slumber“ habe ich aber ehrlicherweise nichts mehr von der Band gehört. Auf MySpace hört sich das Ganze wie eine softe, lichte Variante von My Dying Bride an.

Nun sind wir schlussendlich doch am Ende angelangt und da steht in unserem Alphabet bekanntlich der  Buchstabe Z. Die britischen ZOMBINA & THE SKELETONS durfte ich vor einigen (vielen) Jahren mal in einem
kleinen Dresdner Studentenclub erleben, das Ganze organisiert von einem Freund. Ein sehr lustiger Abend war das, vielleicht erinnert sich die Dame ja noch. Scheinbar ist die Musik noch ein ganzes bisschen flotter
geworden, eine energetische Mischung aus Psychobilly und Horror Punk. Das kann ja was werden…

Genug von mir an dieser Stelle. Ich hoffe, ich habe Euch den Mund wässrig gemacht! Wir sehen uns in L.E.!

 

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Diese Vorschau wurde erstellt mit der unschätzbaren Hilfe von Discogs!

WGT 2011 – ein Interview mit dem Pressesprecher Cornelius Brach

Cornelius Brach

Steckbrief Cornelius Brach:
Seit wann hast Du selbst das WGT miterlebt?
Als Besucher seit 1998, als Mitarbeiter seit 2006.

Wie bist Du in die Szene gekommen?
Im Wesentlichen durch eine zarte Krankenschwester, die mich mit 16 in der Dresdner Medak betreut hat und die mich auch in die Geheimnisse der Szene eingeweiht hat. Wen die ganze Geschichte interessiert, der lese sie hier.

Welche Bands hörst Du aktuell am liebsten?
So eine richtige Lieblingsband habe ich nicht. Immer wieder höre ich gern die alten Helden und auch vom Apocalyptic Folk komme ich nicht los.

Was macht für Dich die Szene aus?
Ihre Vielfalt, ihre weitgehende Resistenz gegen den schlechten Zeitgeschmack und Kommerz, ihr Sinn für Ästhetik.

„My Colour Is Black“?
Natürlich. Mittlerweile dürfen es aber auch mal gedeckte Farben sein.

 

Erst einmal ein paar Zahlen: Wie viele Bands und Künstler werden (ungefähr) in diesem Jahr beim WGT auftreten?
Im Moment sind ja schon rund 200 Künstler bestätigt und es dürften noch ca. 20-30 dazu kommen.

Bevor wir ins Detail gehen, soll auch daran erinnert werden, dass solch ein Festival eine Menge Arbeit ist. Wie viel Helfer und Dienstleister hat das WGT?
Der feste Organisationsstab des WGT, der im Prinzip das ganze Jahr über das WGT vorbereitet, besteht aus rund 10 Leuten. Während das WGT läuft, werden wir natürlich unterstützt von mehreren Hundert Helfern und Partnern, es sei allein an die Unmengen von Sicherheitskräften und Technikern erinnert, die an den rund 40 Veranstaltungsorten im Einsatz sind. Diese vielen Helfer stehen zwar meist etwas im Hintergrund, aber ohne sie wäre das WGT letzten Endes nicht möglich, diese Jungs und Mädels leisten wirklich wichtige und gute Arbeit.

So, los geht’s. WGT 2011: Was ist die allererste und was die allerletzte Veranstaltung des diesjährigen Festivals.
Die erste Veranstaltung wird das Konzert von Das Ich zum Eröffnungsabend mit den Bands des 1. WGT am Donnerstag in der großen agra-Halle sein, die letzte Veranstaltung dürfte die große Abschlußfeier in der Moritzbastei sein, die meist bis gegen 6:00 am Dienstagmorgen geht.

Dem WGT gelingt es seit Jahren immer wieder, „alte Helden“ aus den verschiedensten Subszenen zu reaktivieren. Ich denke da an DAF, Fields Of The Nephilim oder in diesem Jahr vielleicht Chris & Cosey. Was denkst Du, warum Euch das immer noch gelingt?
Zum einen weil wir uns sehr bemühen, immer ein paar alte Helden im Programm zu haben. Das WGT ist ja durchaus eine konservative Veranstaltung. Das heißt nicht, daß wir uns neuen Tendenzen in der Szene verschließen, aber wir fühlen uns eben der Wurzeln sehr verpflichtet. Zum anderen hat das WGT ja unter den Bands auch einen guten Ruf. Es ist nun mal kein normales Musikfestival auf der grünen Wiese. Daher lassen sich dann doch auch einige Bands noch einmal zum Auftritt überreden, obwohl sie eigentlich schon nicht mehr spielen wollten, so etwa Love Like Blood in diesem Jahr.

Auf welche Bands / Künstler seid Ihr in diesem Jahr als Organisatoren besonders stolz?
Daß wir die Goth-Rock-Urgesteine Love Like Blood nach 12-jähriger Bühnenabstinenz nochmal zu einem Auftritt bewegen konnten ist schon toll. Noch besser kommt es ja bei den britischen Electro-Pionieren Clock DVA, die waren das letzte Mal 1994 live zu erleben. Zudem treten ja noch einige Bands auf, die man in Deutschland nicht alle Tage auf der Bühne sind, etwa Lustmord, Chris & Cosey, Black Tape For A Blue Girl oder Camerata Sforzesca (Mediolanense). Auch die Weltpremiere von Empyrium wird sicher spannend.

Welche Highlights wirst Du Dir selbst nicht entgehen lassen?
Ich bin ja während das WGT läuft gut eingespannt, muß mich um die Sorgen von rund 500 akkreditierten Journalisten kümmern. Daher kann ich immer nur spontan entscheiden, was ich mir ansehe, wenn ich Zeit finde. Auf jeden Fall werde ich beim Eröffnungsabend am Donnerstag vorbeischauen, wo um das 20.Jubiläum gebührend zu feiern, fast alle Bands spielen, die auch beim 1.WGT 1992 dabei waren. Auch wenn ich beim 1.WGT noch nicht dabei war, und ich mir heute eigentlich keine Neue Deutsche Todeskunst mehr anhöre, freue ich mich doch auf die zu erwartenden alten Lieder von Das Ich und Goethes Erben. Diese morbiden Klänge erinnern mich so schön an meine frühen Szenejahre. Generell werde ich mir sicher eher altgediente Szenebands ansehen, hoffe aber auch wieder auf ein paar interessante Neuentdeckungen, für die das WGT ja immer viel Raum bietet. Ja, auch ich kenne noch nicht alle Bands, die bei uns auftreten.

Was sind aus Deiner Sicht die Höhepunkte im Rahmenprogramm? Ich denke da an die zahllosen Lesungen, Filmvorführungen oder das Heidnische Dorf als eigener kleiner Kosmos innerhalb des WGT…
Die Vorträge des international bekannten Kriminalbiologen Mark Benecke sind sehr unterhaltsam, kann ich empfehlen. Auch das Programm an klassischer Musik ist sehr verlockend: es gibt Opern, ein Wagnerkonzert, das bombastische Deutsche Requiem von Brahms und feine Kammermusik. Auf jeden Fall sollte man nicht nur von Konzert zu Konzert hetzen, das ist nicht das Anliegen des WGT. Stattdessen sollte man sich auch mal etwas Zeit nehmen, sich treiben zu lassen, Leute kennenlernen: hier mal eine Lesung anhören, dort mal ein klassisches Konzert, vielleicht mal ins Theater und natürlich mal zu einer der unzähligen Parties, die in allen möglichen Klubs der Stadt laufen. Oder man schaut mal beim Schwarzen Stricken vorbei. Das ist kein Scherz: Es wird einen Kurs für traditionelle textile Handarbeitstechniken geben. Danach kann man vielleicht wie es früher ja Brauch war seine Szeneklamotten wieder selbst herstellen, braucht nicht mehr bei Xtra-X von der Stange zu kaufen. Das Heidnische Dorf im romantischen Torhaus Dölitz ist natürlich auch immer einen Besuch wert: Dort gibt es ja selbst für Familien mit Kindern eine Menge zu erleben und es gibt herrlich Livemusik, etwa von Faun oder Tony Wakeford. Das Heidnische Dorf und der Mittelaltermarkt an der Moritzbastei sind ja die einzigen offiziellen WGT-Veranstaltungen, die man auch ohne Gesamtkarte besuchen kann, es gibt günstige Tageskarten und Kinder bis 12 Jahr haben sogar freien Eintritt…ideal also wenn man nur mal reinschnuppern will in die besondere Treffenatmosphäre.

Wenn Du Dir das alte Interview von Michael Brunner durchliest – wie würdest Du die Weiterentwicklung des WGT seit dieser Zeit skizzieren?
Ich denke wir haben das Treffen in seinem Sinne weitergeführt. Denn am Konzept der Veranstaltung hat sich auch nach der Pleite im Jahre 2000 im Grunde nichts geändert, außer daß nun alles etwas professioneller organisiert wird. Das WGT ist noch immer eine vergleichsweise wenig kommerzielle Veranstaltung. Um den subkulturellen Charakter zu erhalten, verzichten wir auf Sponsoren, bei uns gibt es keine nervigen Werbestände, die auf normalen Szenemusikfestivals längst normal sind. Der Treffengedanke ist für uns noch immer der zentrale Punkt, es soll nicht darum gehen ein paar bekannte Bands zu sehen und das war’s dann. Daher gibt es bei uns ein vielfältiges Kulturprogramm, das alle Facetten der Schwarzen Szene einschließt und das viele Gelegenheiten bietet, Leute kennenzulernen, auch aus anderen Ländern, denn die Gästeschar des WGT ist ja sehr international. Auch gibt es bei uns keine ganz dicken „Headliner“ und keine Tageskarten um den maximalen Gewinn rauszuholen. Stattdessen laden wir bewußt viele wenig bekannte oder neue Bands ein, die wir interessant finden.

Wo wird das WGT 2020 stehen – gibt es da eine Vision?
Oberstes Ziel ist es, die besondere Atmosphäre des Treffens zu erhalten. Es geht uns nicht darum, mehr Besucher anzuziehen. Wir finden, daß die rund 20000 Leute, die seit Jahren zum WGT kommen, eine gute Größe sind. Damit ist das Treffen in der ganzen Stadt präsent, aber es ist keine anonyme Großveranstaltung, es gibt genügend kleinere Veranstaltungen und Konzerte mit einer durchaus familiären Atmosphäre. Das soll möglichst alles auch 2020 noch so sein. Allerdings hängt die konkrete Entwicklung des Treffens natürlich auch von der Entwicklung der Szene selbst ab, die man ja schwer abschätzen kann. Fest steht: Solange es eine Schwarze Szene gibt, wird es auch das Wave-Gotik-Treffen geben.

Eine Frage, die ich als Szeneangehöriger mir nicht verkneifen kann: Gibt es denn von Seiten der WGT-Organisation ein klares Statement zu den Vorfällen um Jahr 2000? Persönlich weiß ich nicht, was ich nun glauben soll.
Da halten sich ja bis heute die wildesten Geschichten, über das was sich damals zugetragen hat. Im Prinzip war es so: Es waren einfach zu viele Leute geworden im Organisationsteam, darunter einige, die eher eigene Interessen verfolgten als daß sie dem Wohl der Veranstaltung dienten. Schließlich hatte man die Übersicht verloren, einer wußte nicht mehr was der andere tat. Dies führte schließlich dazu, daß am Ende deutlich mehr Geld ausgegeben wurde als eigentlich da war, sodaß an jenem denkwürdigen Pfingstsonnabend einfach die Kassen leer waren. Es hat sich also niemand mit irgendwelchem Geld aus dem Staub gemacht, denn es war einfach keins mehr da. Seit 2001 läuft ja nun dank neuem Organisationsstab aber alles ohne nennenswerte Probleme.

OK, hoffen wir, das damit einige Fragen bei der Leserschaft geklärt sind. Mir bleibt nur noch, uns allen die Daumen zu drücken, dass wir zu Pfingsten schönes Wetter haben, dass alle Besucher, Bands, Helfer gesund und munter nach Leipzig und später auch wieder nach Hause kommen und dass Ihr als Veranstalter vom Detailteufel und allen größeren und kleineren Pannen verschont bleibt. Toi! Toi! Toi!

Zum Abschluss sei Dir noch eine ganz private Message an die Besucher erlaubt:
Strömet erneut in Scharen gen Leipzig und feiert mit uns das 20.Jubiläum Eures Treffens! Euch sei versichert: Dies wird ein besonders schönes Wave-Gotik-Treffen. Wir haben alles dafür getan.

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WGT 2011 – ein Festival zwei Meinungen

Die Nachwehen des XX. WGT
Von J. Mehlhase

20 Jahre WGT sind ins Land gegangen, mit vielen Höhen und auch mit dem einen oder anderen Tiefpunkt, so zum Beispiel das legendäre WGT, das mit der Flucht des Veranstalters samt Kasse, abrupt endete (Das ist allerdings nur eine Legende, Anmerkung des debilen Diktators*). Aber trotz allem auf und ab blieb das WGT immer ein fester Punkt im Konzert-Kalender jeden Jahres und stets ein Quell guter Erinnerungen. Auf das 20zigjährige Jubiläum durfte man deshalb gespannt sein. Ich persönlich hätte mir ein paar herausragendere Acts als Headliner gewünscht aber solch eine Wertung ist bekanntlich sehr subjektiv. Das Spektrum an Band und Stilen hatte jedoch einiges zu bieten. Leider fehlen die Fotos dazu, da ein fieser Festplattencrash den Bildern ein digitales Grab beschert hat. Es lebe die Sicherheitskopie.

 

Freitag:
Aus beruflichen Gründen spät angekommen, zog es mich in die Alte Messe zum Metall um meinen Ursprüngen zu frönen und abwechselnd in den Pantheon um dort elektronischen Klängen zu lauschen. In der Kantine erwischte ich noch Mercydesign, der schon auf diversen Konzerten sein Unwesen trieb und auch hier zeigte er wieder was ein bekennender Waldorfschüler alles aus seinem Rechner zaubern kann. Leider konnte ich nicht das ganze Konzert sehen.

Schnell wieder in die Metallhalle nebenan zu Vreid und Tristania. Wobei mir erstere nicht viel gaben, aber Tristania optisch wie musikalisch überzeugten. Nicht die Zeit verpassen und schnell wieder rüber in den Pantheon zu Clock DVA. Da muss man nicht viel sagen, allein dafür hat sich das Wochenende gelohnt. Auf jeden Fall ein Highlight.

Samstag:
Das war so ein Tag, an dem man sich hätte zerteilen müssen. Das geht bekanntlich nur einmal also fiel die Entscheidung auf die alte Messe, auch um dort noch ein paar Freunde zu treffen. Die Metallurgen wurden vor Ort durch Dornenreich, Lake of Tears und Tiamat vertreten. Ursprünglich wollte ich zu Front 242, wurde aber durch erhöhtes Feindflug-Aufkommen abgeschreckt. Dornenreich verzichteten auf ihr übliches Akustikset und griffen zur Abwechslung mal wieder in die elektrisch verstärkten Seiten. Wobei das unglaubliche musikalische Können der Band auf der E-Gitarre viel besser zur Geltung kam, als auf der Holzklampfe. Ein unvergesslicher Auftritt.

Lake of Tears konnte das nicht toppen, brachten aber einen ansonsten guten Gig zu Stande. Tiamat hingegen konnte wieder auf ganzer Breite überzeugen und und schlossen den Abend würdig ab, indem sie uns an ihren eigenständigen und unverwechselbaren Sound teilhaben ließen.

Sonntag:
Etwas mitgenommen von der vorangegangenen Nacht kam ich nicht sehr zeitig aus den Federn und so ging es erst am Abend wieder richtig los. Wie immer stellte sich die schwierige Frage, wofür ich mich entscheiden sollte. Diesmal hieß das Dilemma Fields oder Camouflage. Die Entscheidung viel auf Camouflage, in der irrigen Annahme dort nicht tot-getreten zu werden. Die vielen Menschen, die das Konzert nur noch von einem Platz vor der Halle aus verfolgen konnten, hatten offensichtlich den selben Plan. Trotzdem war’s ein toller Gig mit den ganzen Hits von früher und beeindruckend ausgereiften neuen Songs. Natürlich wurde auch der unvermeidliche Song gespielt, bei dem man an Camouflage denkt und und das Publikum sang eifrig mit (Ja welcher denn: „The Great Commandment“ oder „Love Is A Shield“?)

Danach ging es noch schnell zu Recoil, ein Muss für jeden Demo-Fan. Martin Wilder zeigte, dass er’s auch akustisch drauf hat. Das war ein toller Auftritt und Recoil zu Recht der Headliner am Sonntag. Depeche Mode wäre aus meiner Sicht zwar besser gewesen aber wahrscheinlich nicht bezahlbar.

Fast schon traditionsgemäß verbrachte ich den Sonntagnachmittag im Heidnischen Dorf zum ausgeprägten Amüsement. Da kann man immer die skurrilsten Menschen sehen. Musikalisch waren vor allem Faun sehens- und hörenswert.

Vor Camouflage schaute ich noch schnell bei Katatonia im Pantheon vorbei. Der Sänger erinnert mich immer an Vetter It von der Addams Family. Da sieht man auch nur Haare hinter dem Mikro. Vom Sound her war der Auftritt für jeden Freund sphärischer Klänge auf jeden Fall ein Ereignis.

Montag:
So schnell verrinnt die Zeit, die schmerzenden Füße verraten einem, dass es doch schon wieder vier Tage waren und mit etwas Wehmut bleibt die Frage, was nehme ich heute noch mit. Die Wahl fiel für den Anfang auf das Werk II, um mal wieder den Horrorpunkgelüsten nachzugehen, doch die Bands konnten am frühen Nachmittag nicht wirklich überzeugen. Mit Thee Flanders kam dann die erste gute Kombo auf die Bühne, bei der die Werkhalle endlich rockte.

Leider wurde es dann, weil viele im Anschluss die Misfits sehen wollten, so voll, dass ich fluchtartig  die drückende!! Enge verließ und mich lieber zu Dive aufmachte. Eine gute Entscheidung, wie sich zeigte. Zuverlässig bringen Herr Ivens und sein Laptop die Halle zum Beben (Laptop?). Nicht zu bremsen der Mann. Vor Hocico musste ich dann wieder fliehen, um von Inade und ihren sphärischen Klängen noch etwas mitzubekommen.

Quasi auf dem Weg nach Hause schaute ich noch mal in die Agra, um ein paar Songs von Eluveitie zu hören. Sonst ist die Band eher auf den Paganfestivals zu Hause, nun durfte sie den letzten Gig für das 20ste WGT spielen. Ein schöner Abschluss, wie ich fand, wenn auch mit Wehmut wie jedes Jahr. Und wie jedes mal kam mir die schmerzliche Einsicht, dass man nicht alles, was einem interessiert, auch sehen kann.

Bis zum nächsten Jahr zum einundzwanzigsten.

 

Debiler Rückblick auf das Jubiläums-WGT

Na da will ich auch nicht mit meinen Erfahrungen hinterm Berg halten.

Freitag
hieß die erste Station Schauspielhaus. Diamanda Galas stand auf dem Programm und ich musst ziemlich hetzen, um rechtzeitig 20 Uhr im Stadtzentrum zu sein.In der Lokalität angekommen, erfuhr ich dann, dass die Vorband (Love Is Colder Than Death?) ausfiel und es eine Stunde später losging. Supi aber daa kann durchaus passieren.

Der Auftritt der Fürstin der Finsternis – nur Galas und Klavier – war wie immer unglaublich, kaum zu glauben war allerdings auch, dass ein nicht unwesentlicher Teil des schwarzgewandeten Publikums nicht den Anstand
hatte, das ganze Konzert sitzen zu bleiben. Nach dem ersten Drittel der Show fühlte ich mich wie auf dem Bahnhof. Einige waren sogar so unverschämt, mitten im Song polternd rauszuströmen, ohne wenigstens auf die Pause zwischen den Stücken zu warten. Zum Kotzen, diese Banausen!

Da es nach dem Konzert schon reichlich spät war, ging es per Taxi erst einmal die Klamotten im Temporärdomizil abwerfen und dann zum Volkspalast zu CLOCK DVA. Der finanzielle Aufwand hat sich auf jeden Fall gelohnt, denn wir kamen rechtzeitig zum Beginn des Konzertes. In der Mitte der Kuppelhalle war ein Kubus aufgebaut, in dem die Musiker hinter weißen Gazevorhängen agierten. Dieses Gebilde wurde von allen Seiten mit Projektionen beschickt, was die unglaublichsten visuellen Effekte gab. Der Sound war akzeptabel, die räumliche Aufteilung funktionierte nur bedingt. Grund zum Meckern war das aber keiner für mich, die Akustik ist schwierig, vor allem, wenn man versucht eine Art Quadrosound zu fahren. Musikalisch waren die Altmeister mit ihrem fast schon cluborientierten Sound auf jeden Fall eine Ohrenweide.

Daran, wie wir den Rest des Abends verbrachten, kann ich mich heute nicht mehr erinnern, ich denke, wir feierten bis in die Morgenstunden in der Villa. Dort war es auch, wo ich fast, leicht bedröppelt, in einen mannshohen Spiegel rannte, den ich für einen Durchgang hielt. Aber seid versichert, ich war nicht der Einzige 🙂

Der Samstag begann im Anker mit einem Laptop-Projekt zweier Herren, deren Namen ich glatt vergessen hab. So super interessant fand ich’s nicht, weshalb ich auch Gruftiuntypisch ins helle Tageslicht hinaus ging und mit allerhand Bekannten schwätzte und neue Bekanntschaften machte. Treffencharakter live, quasi.

Es folgten KUNST ALS STRAFE, die nachdem sie mir beim Schlagstrom in Berlin gut gefallen hatten, diesmal nur noch langweilten. Mehr als einmal kann man sich dieses Quartett dann doch nicht anschauen, es passiert einfach zu wenig beim Klassik-Ambient-Mix. Die Band war dann auch recht angepisst vom Publikum, die in einem Statement, das ich irgendwo las (ich glaube das war auf der Facebook-Seite der Band), alle als pöse, pöse Nazis verdammt wurden. Wer zum Industrial geht, muss halt auch mit Uniformfetischisten rechnen. Und nicht Jeder, der ein Blood Axis-T-Shirt trägt oder sich Runen ans Revers steckt, wählt die NPD. Wahrscheinlich sogar die wenigsten…

Der Neubauten-Musiker N.U. UNRUH stellte den ganzen Raum mit Schlaginstrumenten zu und ließ de facto jeden darauf herumhacken, der wollte. Das Ergebnis war eine einzige Wall Of Noise, aus der sich kaum noch ein einzelner Rhythmus heraushören ließ. Das hatte was von Urschrei-Therapie meets Trommelkurs. Draußen vor der Tür fotografierte ich ein Hinweisschild auf eine Veranstaltung für Rhythmische Gymnastik. So könnte
man das auch nennen…

Weiter ging’s mit den HYBRYDS, die mir aber immer weniger gefallen. Alles viel zu nett und esoterisch, ganz zu schweigen von den softpornografischen Background-Bildern. Ich fand’s eher öde. Was waren das für Zeiten als ich die Belgier mit ihrer hochgradig rituellen Performance im Völkerschlachtdenkmal sehen durfte. Das ist jetzt bestimmt fast 15 Jahre her. Heute ist die Band nur noch ein schwacher Abklatsch dieses großartigen Projektes auch wenn es durchaus schöne Momente in ihrem Auftritt gab. Schade.

Nächste auf dem Spielplan waren die belgischen MILITIA, die wieder ordentlich vom Leder zogen und mit ihrer anarchistischen Rhythmus-Industrial-Ambient-Mischung für ordentlich Stimmung sorgten. Manche Mitmenschen behaupten zwar, die Belgier kopierten nur Test Dept. aber selbst wenn es so wäre, gefällt mir das tausend Mal besser als all die Mäuschenschieber. Da ist Energie drin, eine Energie, die das Publikum am Ende der Show per Stock auf die Fässer auf der Bühne übertragen durfte. Geiles Happening, das und im Unterschied zum UNRUH-Projekt als gelungen zu bezeichnen.

Nach diesem Highlight fielen wir bei der illegalen UNSERE INDUSTRIE-Party ein. Zur Location, einer echt abgefuckten Halle der Bahn mit fetten Löchern im Fussboden ging es durch Hinterhof und Garten, an einem Zaun vorbei und unter einer Brücke durch. B°TONG und FEINE TRINKER BEI PINKELS DAHEIM durfte ich noch live erleben. Danach ging ich zur Tanke um Nachschub an Flüssignahrung zu besorgen. In der Zwischenzeit hatte die Ordnungsmacht vom Gelände Besitz ergriffen und den Krach beendet – die verbleibenden Künstler durften nicht mehr spielen. Insbesondere John Murphy und John Evans von Last Dominion Lost waren wirklich angepisst. Schade.

Es folgten Ausflüge zur Moritzbastei (auf den Fotos ist es schon wieder hell!!!) und in die Sixtina zum gepflegten Absturz mit Absinth. Die Bilder von diesem Abschnitt des Festivals bleiben aber unter Verschluss 🙂

Sonntag ging es dann auf in das Heidnische Dorf, da ich hier mit Freunden verabredet war. Vor Betreten der Örtlichkeit trank ich eine Flasche Wasser und ein Sturzbier (Flaschen darf man ja keine mit reinnehmen), was dazu führte, dass ich recht oft die Örtlichkeit oder gleich einen stillen Ort aufsuchen musst. Super Idee und nicht zur Nachahmung empfohlen, wenn nur ein paar stinkige Dixis zur Entlastung bereit stehen.

Gepost wurde bei den Heiden genauso wie vor der Moritzbastei, wo wir auf dem Weg zum Schauspielhaus noch einmal vorbei kamen. Diesen Kommentar dazu finde ich besonders schön.

Im Schauspielhaus waren wir dann definitiv „underdressed“ unter all den Fräuleins und Gentlemen aber das war mir egal, denn ich wollte meine Freunde von THEODOR BASTARD wieder sehen. Ihre Musik – eine Mischung aus Pop, rituellen Sound und russischer Folkore kam beim Publikum richtig gut an (die CDs der St. Petersburger waren innerhalb weniger Minuten ausverkauft) und ich durfte das Ganze aus der ersten Reihe genießen. Nach dem Gig war das Hallo groß, leider wurde nichts aus der Wodkaseligen Wiedersehensfeier, die ich mir erträumt hatte, denn die Band hatte am nächsten Tag einen Auftritt in Poznan und das ist ja bekanntlich nicht gleich um die Ecke.

So hatten wir nach dem fantastischen Monica Richards-Konzert, bei dem die Faith And The Muse-Chanteuse ihr ein wenig an Mother Destruction erinnerndes Projekt INFRAWARRIOR vorstellte, nur wenig Zeit zum Quatschen. Bei der Gelegenheit traf ich allerdings auch Brian Lustmord, der seine Landsfrau auf der Bühne unterstützt hatte. Sehr sympathischer Zeitgenosse, der Herr! Zu Infrawarrior muss unbedingt noch gesagt werden, dass der Auftritt einer der optisch überzeugendsten war: Zwei märchenhaft gekleidete Tänzerinnen, eine Feuershow, Richards als Wicca und metaphorische Dekorationen wie ein kristallenes Schiff erfreuten die Augen ungemein. Auch die Einlage von Lucas Lanthier von Cineam Strange, der in grünen Pumps auf die Bühne kam, war definitiv sehenswert. Frau Richards zeigte sich dann im Foyer nicht für die unnahbare Diva, für die man sie hätte halten können, sondern als sehr freundliche und zu jedem Spaß bereit Frau.

Von RECOIL in der Agra-Halle bekamen wir dann nicht mehr allzu viel mit, abgesehen vielleicht von vier, fünf Songs. Die Stimmung war aber eher mäßig, hatten die Depeche Mode-Fans wohl doch eher Material von ihren Helden erwartet, ein Wunsch, der nur ganz zum Schluss erfüllt wurde. Naja, Pech gehabt. Wenn Recoil drauf steht, ist nun mal kein DM drin…

Da es schon reichlich spät war, machten wir uns auf den Nachhauseweg. Oder auch nicht. Da ich keine Fotos von der Zeit habe, kann ich mich auch nicht mehr erinnern. Wenn ich mich recht erinnere, haben wir in der Moritzbastei getanzt. Oder war das am Samstag???

Der Montag begann mit einer alten Tradition – Gruftis gucken im Clarapark. Also weniger für uns, denn wir gehörten ja dazu aber für die Leipziger. War wie immer ganz nett mit allerhand lustigen Leuten auf der Wiese und dem ersten Glas Wein des noch sehr frühen Tages. Gelegentlich hüpfte ich mal in die Parkbühne, um zu sehen, was da abgeht aber so richtig viel ging nicht, weshalb ich nach kurzer Zeit wieder auf der Wiese saß.

Wir beschlossen dann, unsere Zeit lieber am Volkspalast zu verbringen, was sich auch als sinnvoll herausstellte, den hier gab es auch genügend interessante Leute.

Musikalisch eröffnete Sigillum S-Mastermind ERALDO BERNOCCHI den Abend mit einem ambienten Set, das immer rhythmischer wurde und gelegentlich ins Postrockige kippte. Feine Musik und wer die Hauptband mag, dem wird auch der Solokünstler zusagen. Die Videoprojektion war ebenfalls sehenswert.

LUSTMORD stand dann nur noch mit seinem Laptop auf der Bühne und präsentierte eine Show, die sehr an den Auftritt im Berliner Berghain erinnerte. Der Sound war nicht ganz so toll wie in der Technofabrik aber schön war’s trotzdem den dunkel-finstren Ambient in diesem Ambiente zu hören.

Danach durfte ich meine persönlichen Lieblingsleipziger sehen – INADE. Wie immer war ihr mystischer Ambient live ein echtes Erlebnis, das man so (auch Dank der psychedelischen Projektionen) nicht vom Tonträger reproduziert bekommt. Einfach nur geil und ich glaube ich bin ziemlich abgegangen 🙂

Der Hammer des Abends schlechthin waren dann aber CHRIS & COSEY, die die Leute im Volkspalast regelrecht um den Finger wickelten. Da merkt man halt die ganz erfahrenen und großartigen Künstler. Die Stücke fingen stets mit eher gefälligen Diskoklängen an, an denen dann so unauffällig geschraubt wurde, bis die Sounds teilweise recht experimentell waren und das Publikum trotzdem weiter tanzte. Nicht zu vergessen die lasziv verschlafene Stimme von Cosey, die noch genauso sexy ist, wie vor über 30 Jahren und die Zuhörer in ihren Bann zieht. Zu guter letzt gelang mir sogar ein richtig schöner Schnappschuss von den beiden.

Abschließend hüpften wir noch ein wenig auf der Disko in der Volksbühne, so lange, bis wir rausgeschmissen wurden. Danach ging es zum großen Teil per pedes durch die erwachende Stadt nach Hause. Was für ein geiles Festival…

 

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