WGT 2017 – ein erster Anlauf

Noch sind es gut dreieinhalb Monate bis Leipzig wieder zum Treffpunkt der sogenannten Schwarzen Szene wird, doch die Spannung steigt. Ein Grund dafür sind die Ankündigungen der Veranstalter, die tröpfchenweise durchsickern und Lust auf das Pfingst-Festival machen.

Wobei der Ausdruck „tröpfchenweise“ diesmal nicht so recht zutrifft, denn das Jahr begann mit einem Paukenschlag, mit der Ankündigung eines exklusiven Konzerts von SKINNY PUPPY. Im Jahr 2000 hatte ich die Gelegenheit, das legendäre Doomsday-Konzert, den ersten Live-Auftritt der Kanadier nach zehn Jahren, zu erleben. Dies war sicher eines der beeindruckendsten und energetischsten Konzerterlebnisse, die mir je zuteil wurden. Leider nutzte die Band dieses furiose Comeback nicht so recht, habe ich den Eindruck. Bis zum nächsten Album „The Greater Wrong Of The Right“ dauerte es geschlagene vier Jahre und seit 2004 gibt es nur drei weitere Nachfolger. Ich muss gestehen, dass ich wieder ein wenig den Kontakt verloren habe, wie Skinny Puppy „momentan“ klingen, das bislang letzte Album erschien auch schon 2013 (zum Glück kan man sich ja Dank Youtube ganz unverbindlich informieren). Wie auch immer das Urteil ausfällt, auf jeden Fall steht die Industrial-Legende auf meinem WGT Plan ganz oben. Das muss ich sehen, ich hoffe in einer coolen Location!

Seit JARBOE nicht mehr bei den SWANS ist, tendiert die Band zu einer gewissen Kraftmeierei. Es fehlt das ausgleichende, weibliche Element. Die zahllosen Aktivitäten der Sängerin, Musikerin und Performerin zu verfolgen, ist kaum möglich und ich muss gestehen, ich besitze keines ihrer Solo-Releases. Aber Ihren Auftritt werde ich sicher nicht verpassen, im Jahr 2010 hat mich der nämlich regelrecht umgehauen. Diesmal gibt es gar ein reines Akustik-Set!

Wer im vergangenen Jahr beim WGT war, durfte dort den Auftritt von TE/DiS aus dem Hause Galakthorroe erleben. Scheinbar hat dies den Mut der Label-Kollegen befördert, nun wagen sich auch die spanischen DA-SEIN mit nur einer 7“ im Gepäck auf die Bühne. Ein wenig nach November Növelet klingt die Musik ja schon aber DA-SEIN wirken insgesamt kälter, verzweifelter. Wir dürfen gespannt sein, wie sie diesen Sound live umsetzen, ich werde auf jeden Fall vor Ort sein. Ein richtiges Video gibt es leider nicht…

Ebenfalls freue ich mich auf THE MISSION. Auch wenn die Briten in den letzten Jahren nicht mehr so viel Relevantes abgeliefert haben – zumindest habe ich da nichts mitbekommen – so werde ich doch meine alten Goth Rock Götter wieder mal besuchen. Dass die erst im vergangenen Jahr eine neues Album veröffentlicht haben („Another Fall From Grace“) ist mir ganz entgangen. Aber ich muss gestehen, dass mich das auch nicht mehr so brennend interessiert und ich darauf hoffe, dass die Herrschaften um Sänger Wayne Hussey viele Hits aus der Frühzeit spielen. Egal, ob sie das tun oder nicht, live sind The Mission immer eine Macht.

Noch nicht ganz so lange im Geschäft wie die Missionare sind die Landsleute von ESBEN AND THE WITCH. Vor drei Jahren durfte ich die Band bereits beim WGT erleben und der Auftritt des dynamischen Noise-Rock-Trios war definitiv einer der besten des ganzen Festivals. Insbesondere die Präsenz von Sängerin Rachel Davies war einfach nur beeindruckend, wie sie so voll und ganz bei ihrer Musik war. 2016 ist von Esben And The Witch ein neues Album erschienen („Older Terrors“), ich nutze sicher die Gelegenheit zu sehen, wie sich die Band entwickelt hat.

Stimmlich und musikalisch (und optisch) erinnern die finnischen MASQUERADE ein wenig an anderen alte Helden, an Siouxie & The Banshees, auch wenn mir der etwas affektierte Gesang nicht ganz so zusagt. Die Musik ist aber OK mit einer ordentlichen Portion Post Punk.
Und da Sängerin Suzi Sabotage nun einmal in Leipzig ist, hat sie auch noch ihre Death Rock Combo VIRGIN IN VEIL mitgebracht, die sich ebenfalls hören und sehen lassen kann, auch wenn das Genre hier nicht neu erfunden wird.

Auch nicht schlecht finde ich die Briten von DESPERATE JOURNALIST, die bisher ein Album veröffentlicht haben und Ende März Nummer zwei auf den Markt bringen. Wer auf Gitarren Wave steht, wird daran seine Freude haben. Erfreulicherweise hat Sängerin Jo Bevan eine markante Stimme, der man gern zuhört.

Wer sich mit den verzweifelten Schreiberlingen anfreuden kann, der mag ganz sicher auch die belgischen WHISPERING SONS, anders als der Name vermuten lässt, singt hier eine Dame mit dunkler Stimme zu melancholischem Gitarren Wave. Die junge Band hat eigentlich erst ein richtiges Album auf dem Markt, allerdings denke ich, hier ist noch mehr zu erwarten. Wenig Klischee, viel Herzblut.

Etwas überrascht war ich, als ich dem Namen SYLVAINE nachging. Die hübsche blonde Sängerin sah eher nach Heavenly Voices aus, doch tatsächlich bietet die Norwegerin gemeinsam mit ihrer Band einen recht psychedlischen Metal mit klaren Gesang und Black Metal Gekreische. Alle Achtung!

Kommen wir wieder zurück zu „gestandenen Bands“ wie EDEN. Die Australier spielen erstmals in Europa, überhaupt ist dies wohl ein Auftritt nach langer Zeit. Die aktive Phase der Band lag in den 1990ern, damals entstanden drei Alben. Momentan arbeitet man wohl wieder an einem neuen Album. Wer Gothic Rock mit einer leicht belegten, sanften Stimme mag, kann hier eigentlich nichts falsch machen. Insgesamt etwas introvertierter als z.B. The Mission.

Beim Anblick von HEXPEROS war ich erst etwas skeptisch – Mittelalterkitsch? Doch da lag ich falsch; die Italiener präsentieren eine ganz ordentliche Neoklassik mit feinem Gesang. Ist zwar eher was für die dunkelromantische Fraktion, kann man sich in der entsprechenden Stimmung auch als Anhänger anderer Sounds geben. Manchmal ist es mir aber doch ein wenig zu dick aufgetragen.

Hauptsächlich elektronisch geht es bei AH! KOSMOS, dem Projekt von Başak Günak hat bisher ein Album auf Denovali veröffentlicht, der Sound ist entsprechend: spacig, psychedelisch, trippig. Nicht unbedingt das, was der „Durchschnitts-Grufti“ hört aber ganz unterhaltsam. Ich konnte mir die Dame schon einmal live ansehen, aber ich muss gestehen, dass das Ganze keinen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.

Nicht ganz unbekannt, für mich allerdings nicht so interessant sind die Briten von LEBANON HANOVER und die türkischen SHE PAST AWAY. Die ersteren könnte man als Minimal Wave bezeichnen, die zweiten mehr als Synthie Pop mit Wave Einschlag, beides anhörbar aber nicht allzu lang anhaltend. In der heutigen Grufti-Szene mit Sicherheit aber beides erfreulichere Erscheinungen.

Wenig Verständnis hatte ich hingegen von Anfang an für SIXTH JUNE. Die Serben sangen aktuelle Pop-Hits im Death in June-Stil. Auch das, was jetzt so an belanglosem Synth Pop aus den Lautsprechern tropft, kann mich nicht begeistern.

Da sind die Österreicher von THE DEVIL AND THE UNIVERSE wesentlich spannender, auch wenn sie fast vollständig auf Gesang verzichten und eher mit Samples arbeiten. Der mystischen, rituellen Ambient-Space-Rock-Mix reißt mich musikalisch mehr mit als alles Minimal-Gedudel. Gelegentlich wird es allerdings etwas zu technoid für meinen Geschmack.

Durchweg besser gefällt mir da das Ambient-Projekt PRINCIPIA AUDIOMATICA aus Kroatien, hinter dem die Tehôm-Musiker Miljenko Rajaković und Siniša Očuršćak stecken. Musik zum Ausklinken und Abdriften… Ich hoffe, hierfür findet sich eine schöne Location.

Ebenfalls voll elektronisch aber auf Bewegung ausgelegt sind LUCIFER’S AID aus Schweden. Da kommt ja bekanntlich einiges an interessantem EBM her und das Projekt von Carl Nilsson reiht sich da nahtlos ein. Eine CD ist bereits erschienen, 2016, unter dem Namen „New To Reality“.

Im Folk lassen sich die Italiener von HAUTVILLE und CUELEBRE aus Spanien verorten. Ganz nett alles aber am reizvollsten sind da immer noch die schönen Frauen 😉 Im Vergleich gefällt mir Cuelebre besser, die sind erdiger, kraftvoller und direkter, ganz ohne „Kunst-Touch“ wie Hautville.

Noch nicht offiziell angekündigt aber auf der eigenen Seite schon beworben ist der Auftritt von AMANDA PALMER, der Frontfrau der DRESDEN DOLLS. Ich gebe ja zu, dass ich ein wenig verliebt in die Dame bin. Und so werde ich mich an dem Tag garantiert bei ihrem Konzert einfinden, auch wenn ich trotz Newsletter-Empfang gar nicht so genau weiß, was sie macht. Auf jeden Fall ist Frau Plamer sehr umtriebig und hat ein neues Album im Gepäck („Piano Is Evil“, 2016), genauer gesagt sogar zwei. Im vergangen Jahr hat sie nämlich auch ein Album gemeinsam mit ihrem Vater aufgenommen („You Got Me Singing“).

Hier der Bericht vom vergangenen Jahr.

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