Wer oder was ist der club|debil?

club|debil ist vor allen Dingen eine musikalische Plattform. Wir bringen Menschen zusammen, die Industrial, Post Punk, Ambient, Noise, Kraut Rock, gute Popmusik und Schräges bzw. Andersartiges aller Couleur lieben, Freude am Experiment haben, keine Scheuklappen tragen und gegenüber komplett andersartigen Menschen, Kulturen und Weltanschauungen erst einmal friedlich eingestellt sind.
Natürlich sind wir limitiert. Geschmacklich, finanziell, in unserer Zeit und Kraft. Deshalb erlauben wir uns, ganz eigenmächtig zu entscheiden, womit wir uns beschäftigen wollen und womit nicht. Das gilt für alle Fragen, vom allgemein Menschlichen bis hin zum konkret Politischen. Wir sind kritisch gegenüber allem Vorgefertigten und ziehen das Individuelle dem „Schönen“ vor. Wir verehren den eigensinnigen Individualisten und verachten das Herdentier. Wir sind unsere eigenen Götter doch in unserem Himmel ist viel Platz. Wir wissen, dass wir nichts sind ohne Mutter Erde!

First of all club|debil is a musical platform. We bring together people who like Industrial, Post Punk, Ambient, Noise, Krautrock, good pop music and strange or different stuff of all kind. We like people who enjoy experimenting, do not wear blinders, are open-minded and peaceful regarding completely different types of people, cultures and worldviews.
Of course, we are limited. In taste, financially, in our time and energy. Therefore we quite arbitrarily allow ourselves to decide, what we want to address and what not. This applies to all issues, from the universally human subject to prctical politics. We have a critical view on all prefabricated and prefer the individual before the „beautiful“. We worship the stubborn individualist and despise the herd animal. We are our own gods but there is a lot of space in our sky. We know that we are nothing without Mother Earth!

club|debil pro life!


(no, we’re not Christians but the opposite :-))


Wer oder was ist der club|debil?

Wir sind ein kleiner Freundeskreis, der gemeinsam Partys und Konzerte veranstaltet, wobei ein Großteil der „Organisationsarbeit“ von mir (disorder) kommt. Ich entscheide meist, welche Bands bei uns spielen und wann wir wo was machen. Ich bin sozusagen der debile Diktator. Über Vorschläge aus unseren Reihen aber auch von anderen freue ich mich natürlich immer.
Ganz nebenher ist die von mir betriebene Website zu einer Art Informationsplattform geworden, wobei ich mich aber nicht mehr in der Lage sehe, das Angebot, so wie es ist, aufrecht zu erhalten. Das Ganze hat schon längst die Ausmaße eines Nebenjobs angenommen, ohne, dass ich damit Geld verdiene. Im Gegenteil: Bei den meisten Aktivitäten buttere ich, buttern wir zu.

Ihr strebt für das Jahr 2012 die Weltherrschaft an, so steht es zumindest im Aufnahmeantrag auf Eurer Website. Was soll das bedeuten?

Wenn Du jetzt von mir einen dezidierten Plan erwartest, mit dessen Hilfe wir bis 2012 die Weltherrschaft übernehmen, dann muss ich dich leider enttäuschen. Der Anspruch auf die Weltherrschaft ist wie alles im club|debil ironisch zu verstehen. Wir sind weder eine Militärmacht noch eine philosophisch fundierte Sekte, wir sind einfach nur „a bunch of people“, ein „Freundeskreis“ oder wie auch immer Du es nennen willst. Was können wir schon bewegen? Dass wir fast immer in Schwarz rumlaufen und Armeeklamotten mögen, schreckt viele Leute ab, „but we don’t care!“ Es muss aber niemand Angst haben, dass wir morgen schwer bewaffnet vor seiner Tür stehen. Wir sind bis zur Grenze des Unerträglichen hin friedlich.

Der club|debil veranstaltet vorrangig Partys im Bereich Industrial, Noise, Ambient, warum?

Vorrangig ist richtig. Wir organisieren auch Partys, die mehr oder weniger gut die so genannte „Schwarze Szene“ bedienen. Sachen wie „Black Christmas“ oder „Le Chateau Noir“; Partys, die versuchen, verschiedene Strömungen in der Szene unter einen Hut zu bringen. Im Bereich dieser Szene verfügt der club|debil über ein gut funktionierendes regionales Netzwerk.
Was die Industrial, Noise, Ambient-Szene betrifft, arbeiten wir dank Internet und persönlichen Kontakten eher national und international als hier vor Ort. Bezüglich abgefahrener elektronischer Musik ist Dresden leider tiefste Dunkelprovinz. Außer Markus Köhring und seiner Extremen Ton Anstalt und SARDH mit ihrem Morphonic Lab fällt mir ehrlich gesagt niemand ein, der Ähnliches macht. Bands, die andernorts zwei- bis dreihundert Interessenten hinterm Ofen hervorlocken, interessieren hier kaum jemand. Etwas provokativ formuliert könnte man sagen: Das Kulturverständnis des club|debil und die hiesige Residenzstadtmentalität passen einfach nicht zusammen. Das merkt man manchmal an den Besucherzahlen. Wer aber bei zumindest ästhetisch extremen Musikrichtungen wie Industrial, Noise und Ambient vom Veranstalter erwartet, dass er ganz nach seinen Vorlieben bedient wird, der ist wahrscheinlich falsch in der Szene. Unser Anspruch lautet: „Erwarte nichts aber sei bereit für Neues.“ In diesem Sinne sind wir auch interessiert daran, über unseren Schatten zu springen und nicht nur den Horizont unserer Besucher sondern auch den eigenen zu erweitern. Szenebeschränkungen können dabei natürlich nur eine ungeordnete Rolle spielen. Aber keine Angst: Wir werden niemals House-Partys oder Free Jazz-Konzerte organisieren, denn das ist einfach nicht unser Ding.
Der virtuelle club|debil, also die Website, darf natürlich auch nicht vergessen werden. Zahlreiche Rezensionen, Werbung, Fotogalerien, Veranstaltungstipps haben club-debil.com zu einem echten Knotenpunkt der weltweiten Vernetzung gemacht. Organisatorisch ist dieser Standard aber kaum aufrecht zu erhalten. Ich versuche es aber trotzdem.

Kultur ist ein ausdeutbarer Begriff. Wie definiert der club|debil Kultur?

Richtig, Kultur ist ein weit ausdeutbarer Begriff. Insofern werden wir jetzt keinerlei limitierende Definitionen formulieren. Zudem ist der Anspruch des club|debil der einer Light Kultur, also einer kalorienreduzierten Kultur, was auch immer man sich darunter vorstellt.

Wollt Ihr das nicht weiter erläutern?

Nein, natürlich nicht. Ein Grundsatz des club|debil besteht genau darin, Platz für alle zu bieten, die sich nicht erklären wollen und können, weil sie einfach verunsichert sind. Das „Debile“ an uns, unsere Beschränktheit, empfinden wir in unserer reizüberfluteten Gegenwart eher als Gewinn denn als Verlust. Unser Sinnspruch „Vielfalt durch Einfalt“ bringt es eigentlich ganz gut auf den Punkt: Viele „einfältige“ Menschen erzeugen zusammen Vielfalt.
Was die Kultur an sich betrifft, so gibt es dazu nur zu sagen: Leichte Konsumierbarkeit ist kein relevantes Kriterium für uns. In unserem Auftreten folgen wir keinen Regeln, nichts ist einstudiert oder identisch reproduzierbar. Wir machen aus unserem Leben keine Kunst, nur um damit irgendwelchen Vorstellungen gerecht zu werden. Wir sind ganz normale Leute auch wenn wir uns vorrangig in unserer Subkultur bewegen. Eine unserer Übereinstimmungen besteht darin, dass wir unsere Aggressionen lieber in der Musik ausleben als per Gewalt gegenüber anderen. Manchen mag das Optische abschrecken aber eigentlich sind wir ganz Liebe.

Subkultur oder Szene. Was macht für Dich den Reiz eines solchen geschlossenen Zirkels aus?

So abgeschlossen sind die meisten Subkulturen gar nicht, da sie sich ja im Normalfall nur über einen Aspekt wie Musik, Sport, Politik oder Soziales definieren. In sich sind diese Gruppen alles andere als homogen. Das Ganze hat zu 90 Prozent mit Sympathie zu tun und nur zehn Prozent mit wirklicher Übereinstimmung. Um ein Beispiel zu geben: Ein HipHopper und ein Grufti, die seit dem ersten Schuljahr zusammen in der gleichen Klasse und befreundet sind, kommen miteinander häufig besser klar als mit ihren jeweiligen „Szenekollegen“.
Was die Frage des Ausschlusses betrifft, so geschieht der einfach über unsere Veranstaltungen. Wem unser Auftreten, die Musik oder das Konzept unserer Partys nicht passt, der kommt halt nicht wieder. Wir können ja niemanden zwingen und das Angebot an Zerstreuungen ist riesig. Das Gleiche gilt für den virtuellen Raum.

Du verantwortest die Werbung des club|debil. Mal macht Ihr tausende Flyer, mal seid Ihr nur im Internet präsent. Gibt es einen Grund für diese Herangehensweise?

Der wichtigste Grund dafür ist in unserer Verunsicherung über die potentielle Kundschaft zu sehen, zum anderen ist die Beschränktheit unserer Mittel für unser Verhalten ausschlaggebend. Wir bewegen uns in einem stetigen Spannungsfeld aus dem Möglichen und Machbaren und den Unwägbarkeiten des Lebens. Wer weiß mit Sicherheit, welcher Aufwand sich lohnt und was vergebliche Liebesmüh ist? Persönlich halte ich Internetwerbung und den Abdruck der Termine in Stadtmagazinen für ressourcenschonender und ziehe sie deshalb Plakaten, Flyern und Postern vor.

Was ist Deiner Meinung nach eine gute Party?

Diese Frage lässt sich selbstverständlich nicht allgemeingültig beantworten. Jeder hat andere Präferenzen. Auf jeden Fall sollte man zwischen Partys und Konzerten unterscheiden. Bei Partys wünschen wir uns schon, dass getanzt wird und das ab und zu mal jemand kommt, der fragt, was das denn grad für ein tolles Stück ist. Allgemein ist es erwünscht, dass sich durch unsere Veranstaltungen der (musikalische) Horizont unserer Gäste erweitert.
Bei Konzerten strengen wir uns an, keine Miesen zu machen und den Künstlern trotzdem eine adäquate Entlohnung anzubieten. Das ist immer ein ziemlicher Spagat. Persönlich bin ich der Meinung, eine gute Party macht zuallererst den Aktiven, also den Veranstaltern und Künstlern Spaß. Das Publikum steht da, so leid es mir tut, an zweiter Stelle. Wenn ich mich als Veranstalter ständig frage, was mein Publikum von mir erwartet und wie ich möglichst alle Wünsche befriedige, dann kommt dabei sicher nichts Wertvolles heraus. Unser Anspruch ist schon, über die bloße Unterhaltung hinauszugehen, die Zuschauer ein wenig zu fordern.

Das klingt aber reichlich arrogant…?

Mitnichten. Der Unterschied ist aber, dass wir nicht kommerziell arbeiten. Natürlich kann niemand von uns große Summen zubuttern. Wir haben alle nicht viel Geld auch wenn unser Bildungsniveau anderes vermuten ließe. Wir haben aber keine Lust, etwas zu machen, nur weil es gerade im Trend liegt und einen großen Gewinn verspricht. Wir denken, dass gute Sachen nicht nur ein, zwei Jahre, sondern lange Zeit darüber hinaus Bestand haben sollten.

Neue Bands interessieren Euch also nicht so sehr, Ihr mögt eher Bewährtes?

Die Formulierung klingt sehr nach Schlager und Volkstümlichen, insofern fühlen wir uns davon nicht angesprochen. Ich weiß aber, was Du meinst. Es ist so: Wir haben alle ziemlich klare persönliche musikalische Präferenzen und das sind meist solche, die sich nicht massenkompatibel verwerten lassen. Wenn Du schaust, welche Bands/Projekte bisher bei uns gespielt haben oder auf der Website vorgestellt werden, dann wirst Du feststellen, dass die meisten recht unbekannt sind. Insofern tun wir für die Nachwuchsförderung sicher mehr als viele andere Veranstalter in Dresden.
Was die Diskosachen betrifft, muss ich Dir aber Recht geben: Wir rennen nicht sofort hinter jedem neuen Trend her.

Wie hebt ihr Euch aus dem Angebot hervor?

Zuallererst: Ob wir uns hervorheben, kann nur unsere Kundschaft einschätzen. Natürlich versuchen wir immer daran zu arbeiten, alles zu optimieren. Wir sind ein eingespieltes Team, das zum Teil in beängstigender Geschwindigkeit von einem Raum Besitz ergreift und alle anstehenden Aufgaben in kürzester Zeit löst. Aber dies ist nur möglich Dank zahlreicher Trainingseinheiten und dem unbedingten Willen aller Beteiligten, das Beste aus jeder gegebenen Situation zu machen. Ökonomischer oder physischer Zwang wäre hier kontraproduktiv. Vielleicht haben wir uns genau dadurch hervor: Wir sind Freunde und nicht Chef und Angestellte.

Was möchte der club|debil gern erreichen?

Es gibt kein Gruppenziel. Persönlich träume ich von einem realen Club, in dem wir endlich machen können, was wir wollen, weil das Ding uns gehört. Maximale künstlerische und ökonomische Freiheit wäre dann das Endziel, welches ich mit diesem Vehikel ansteuerte. „Fuck the Commerce!“ als Leitmotto und immer eine Handvoll Freunde um mich – so möchte ich gern alt werden.
Sehr wahrscheinlich ist es jedoch nicht, dass das geschehen wird, also werden wir uns alle weiter mit mehr oder weniger sinnfreien Jobs durchs Leben kämpfen. So funktioniert der Kapitalismus leider nun mal und wir werden das wahrscheinlich auch nicht ändern. Zudem gibt auch noch eine Menge anderer wichtiger Dinge neben Subkultur und Industrial Muzack. Die sollen in nächster Zeit wieder stärker in den Vordergrund rücken.
Realistisch betrachtet wird das Jahr 2012 nur eine Station auf dem Weg zur Weltherrschaft sein. Doch lassen wir uns davon nicht entmutigen. Schon der Zimmermann aus Nazareth sagte: Selig sind die Armen im Geiste! Ihr könnt euch also darauf verlassen: club|debil takes over the world!

Die Fragen beantwortete disorder
Dresden, d. 13. Februar 1945+63

Es würde mir nicht im Traum einfallen, einem Klub beizutreten, der bereit wäre, jemanden wie mich als Mitglied aufzunehmen.

Groucho Marx

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