Ein paar Worte zum Verständnis

Nach einem Konzert mit der Geraer Band Dresden ’45 sehen wir uns aufgrund von Anschuldigungen von anonymen „Antifaschisten“ gezwungen, einige Dinge klarzustellen.

antiNAZ

a) Der club|debil selbst ist nicht politisch, da nur eine Art Veranstaltungsplattform. Jeder einzelne Beteiligte halt selbstverständlich eine politische Meinung oder sagen wir besser Grundeinstellung. Jeder Beteiligte spricht in dieser Hinsicht ausschließlich für sich selbst.

b) Das für den club|debil Gesagte gilt in gleicher Weise für die hier vor allem bediente Düster- und Industrialszene. Eine Abgrenzung gegen extremistische Ansichten kann nur von einzelnen Protagonisten eingefordert werden, wer sollte für die Szene als Ganzes sprechen? Wir werden demzufolge weder diese Aufgabe übernehmen noch uns weiterhin um irgendwelche Vorwürfe scheren.

c) Als Initiator des club|debil erlaube ich mir, folgende Feststellung zu treffen: Der club|debil unterstützt keinerlei elitären, menschenverachtenden Überzeugungen, weder politische noch religiöse.

d) Provokation und die Verwendung möglichst mehrdeutiger Metaphern sind zwei der stilbildenden Elemente des Industrial. Wer damit nicht klar kommt, der soll weiterhin DSDS schauen und oder sich Sahara Condor-Platten reinziehen. Der club|debil schert sich nicht um Menschen, die den eigenen Kopf nicht benutzen können oder wollen.

e) Wir werden bei unseren Veranstaltungen und auf dieser Seite weiterhin keine Zensur walten lassen und das spielen/zeigen/präsentieren, was uns gefällt. Das heißt jedoch nicht, dass unsere Ansichten stets 100-prozentig mit dem Präsentierten übereinstimmen. Wer irgendwelche Probleme sieht, der teile uns das auf direktem Wege mit. Das Betätigen der Verdächtigungsmaschinerie ist die einfachste Möglichkeit, unbequeme Gedankengänge abzukürzen, um sich nicht mit einem Thema auseinander setzen zu müssen. Die Erfahrung zeigt jedoch: Gerade die, die anderen Unlauteres vorwerfen, waschen ihre Hände selbst nicht in Unschuld.

stay debil!

+++ end of propaganda transmission +++

Ulrich von Hutten – Eine Aufklärung…

Immer mal wieder taucht die Frage auf, warum ich als Linker den Namen Ulrich von Hutten als Alias bei Facebook verwende. Es gäbe doch einen rechtsradikalen Freundeskreis Ulrich von Hutten und dann dürfte ich den Namen doch nicht verwenden.

Das sehe ich allerdings anders. Ich habe den Namen gewählt, weil mir meine Eltern mal irgendwann erklärt haben, dass der deutsche „Renaissance-Humanist, Dichter, Kirchenkritiker und Publizist“, der Anfang des 16. Jahrhunderts lebte, mein Namensgeber ist.

Ich muss gestehen, dass ich die Werke von Huttens nicht kenne. Mein Wissen zur Person geht also kaum über das hinaus, was in der Wikipedia steht. Liest man das dort Geschriebene, so lässt sich von Hutten kaum aus Vorläufer rechtsextremen Gedankengutes interpretieren. Anders als z.B. sein Zeitgenosse Martin Luther scheint er kein Antisemit gewesen zu sein (s. Dunkelmännerbriefe). Mit Sicherheit ist aber davon auszugehen, dass der Mann nicht nur “gut“ war und auch so manche aus heutiger Sicht falsche Anschauung vertreten hat, und Manches getan hat, was moralisch nicht einwandfrei war. Um ehrlich zu sein, ist es mir aber zu aufwändig, zu schauen, ob Ulrich von Hutten als „politisch korrekt“ gelten kann oder nicht. Zudem ist das kein Kriterium, das mich interessieren würde. Alles in allem kann man sagen, dass er eine interessante historische Persönlichkeit mit einer für seine Zeit eher progressiven Einstellung war.

Wie vielen Geistesgrößen der deutschen Geschichte war auch von Hutten ein Verfechter einer nationalen Einheit. Als Verfasser des „Arminius“ legte er die Basis für den Hermann-Mythos, der insbesondere den Nationalismus des 19. Jahrhunderts befeuerte. Kein Wunder, dass sich auch die Nazis positiv auf von Hutten bezogen, womit wir dann wieder beim obigen Freundeskreis wären.

Um das grundsätzlich klarzustellen: Jede Person agiert vor ihrem historischen Hintergrund, aus ihrer speziellen Zeit und gesellschaftlichen Situation heraus. Einen progressiven Denker des 16. Jahrhunderts für die Verbrechen der Nationalsozialisten (mit)verantwortlich zu machen, ist aus meiner Sicht eine arge, unzulässige Verkürzung, die zu nichts führt. Kümmern wir uns lieber darum, dass es in unserer Zeit gerechter zugeht.

Aus persönlicher Sicht möchte ich nur noch hinzufügen, dass ich es für falsch halte, gerate umstrittene Persönlichkeiten, Ansichten, Dinge den Extremisten zu überlassen, denn dann setzt sich genau deren Interpretation durch. Wenn Ulrich von Hutten aufgrund einer einseitigen Vereinnahmung durch Ewiggestrige als „Wegbereiter des Rechtsextremismus“ verbannt wird, geben wir ohne Not einen Teil unserer Geschichte preis. Kein Fußbreit dem Faschismus!

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