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Da kommen wir gleich zum
Thema Inhalte. Du hat Deine Platte, das ist die erste von Theorem, "Total
War" genannt, was natürlich auch wieder gleich an Boyd Rice / NON erinnert.
Bei ihm ist es ja eher eine seltsame Art und Weise an das Thema heranzugehen.
Was war Dein Ansatzpunkt?
Mein Ansatzpunkt war - das klingt jetzt vielleicht sehr profan und naiv…
Ich hatte in den letzten Jahren sehr viel Beziehungskrawall und die Überlegung,
dass man mich in diesem Krieg - das war halt schon eine kriegerische Auseinandersetzung
- dazu gebracht hat, die eigene Lebensstimmung im Umgang mit Menschen,
die einem sehr nahe sind, als Kriegszustand zu bezeichnen… Ich hatte ja
zuletzt auch eine Partnerin, die offen gesagt hat: "Ich erklär Dir den
Krieg!" Daher dieses "Total War" und auch die zugehörigen Kompromisslosigkeiten
wie "Du musst ausziehen" oder "Ich schmeiß Dich raus" oder "Du kannst
gucken, wo Du bleibst". Das hat mich auf jeden Fall auch dazu bewegt,
"Total War" jetzt nicht im kriegerischen Zustand, wie man es eben von
der Front kennt oder bei Goebbels zu verwenden, sondern bezogen auf die
Lebensumstände, die man eben aus jedem Privatkonflikt herausziehen musste
und vielleicht auch gerade aus der ganz großen Liebschaft.
Es geht also mehr um die zwischenmenschliche Ebene, wo eine Beziehung
auch zur Qual werden kann, wo man sich gegenseitig quält. Es geht um Bilateralität.
Das ist vielleicht wirklich schon der erste Punkt, um etwas auszufechten.
Ich glaube, das war für mich erst einmal der Punkt, das Album so zu nennen.
Dann gab es darüber hinaus weitere Ideen, um den Zustand der Befürwortung
des Krieges im Irak darzustellen. Der so geführt worden ist, als wäre
er nicht "total" aber mit einer Meinung der totalen Einverständnis geführt.
Und das ist eben das Problem, dass man viele Dinge aufbaut, um den Bürgern,
den Menschen an sich hinters Licht zu führen. "Total War" ist eigentlich
immer, was damals bei Goebbels in der Rede vorkam, was den Bürger, den
Soldaten antreiben sollte, aber letzten Endes nur befürwortend aus der
Sicht des Staates ist.
Wo ist die Verbindung zwischen
der persönlichen und der gesellschaftlichen Ebene?
Ich glaube, diese Verlustängste lassen ja jeden leiden oder lassen jeden
auch dazu verleiten, etwas zu tun, was man sich unter normalen Umständen
gar nicht wünschen würde. Aber ich denke mir, wenn man Soldat ist oder
wenn man befürworten muss, dass man das und das verlieren kann, dann ist
man psychologisch auf der Seite, dass man sagen kann - OK, ich muss das
verhindern. "Total War" jetzt im Ehekrieg oder in kleinen, persönlichen
Kreisen: Man hat natürlich auch Ängste, diese oder jene Leute oder Beziehungen
zu verlieren. Und das ist auch wieder eine Sache, wo man sich sehr gerne
verleiten lässt, mitzumachen oder etwas zu tun, was man sich nicht unbedingt
gewünscht hätte.
Soweit Claudio von THEOREM.
Das Interview wurde am Telefon geführt und so mag es nicht verwundern,
dass nicht jede Auskunft 100%ig ausgefeilt ist. Deutlich zu spüren war
im Gespräch, dass sich Claudio nicht mit einfachen Antworten zufrieden
gibt und immer versucht möglichst viele Aspekte und Anschauungen einzuflechten.
Das macht natürlicherweise manche seiner Aussagen etwas verwirrend. Das
mag manchen nicht zufrieden stellen, macht ihn aber sympathischer als
all jene, die immer für alles eine Lösung wissen. Wünschen wir ihm für
seine zukünftigen künstlerischen Aktivitäten alles Gute und warten gespannt
auf das nächste Werk des Kölners.
Kontakt: terror
productions
Das Interview wurde im Rahmen
der Sendung "radio deZIbil" am 30. Juli 2003
auf coloRadio 100,2 MHz gesendet.

Alle
Bilder (C) Claudio Hauser, live 2. Oktober 2003, Düsseldorf
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